Martha Hartung ist mit 105 Jahren die wohl älteste Leverkusenerin

Martha Hartung (105) : „Ein guter Kaffee muss sein“

Martha Hartung ist mit 105 Jahren die wohl älteste Leverkusenerin. Ihr Geheimnis: „Ich freue mich täglich über das Leben.“

Die älteste Frau des Bundeslandes ist Martha Hartung nicht, diesen Rekord hält die 113-jährige Mathilde Mange aus Wetter im Ennepe-Ruhr-Kreis. Doch mit 105 Jahren ist sie vermutlich die älteste Frau von Leverkusen. Ihren fast schon biblischen Geburtstag feierte sie am 25. Oktober mit Nachbarn und Bekannten. „Ich bin noch nicht mal zum Mittagessen gekommen“, erinnert sie sich.

Für ihr hohes Alter ist sie erstaunlich fit. Martha Hartung: „Ich fühle mich kerngesund.“ Sie nimmt keine Tabletten und war – bis auf Erkältungen – nie krank. Nur das Sehen klappt seit einer Augenoperation nicht mehr so gut. Und zum Laufen muss sie einen Rollator benutzen. Beim Überwinden der Treppen hilft ein Lift. Obwohl sie auf Hilfe im Haushalt, Garten und bei der Körperpflege angewiesen ist, gibt sich die Seniorin insgesamt sehr zufrieden und sagt: „Ich freue mich täglich über das Leben, nehme alles, wie es kommt.“ Ein Geheimnis hat sie nicht, hätte ohnehin nicht gedacht, dass sie so alt werden würde. „Und wenn ich 108 Jahre wie Johannes Heesters werde, ist das auch in Ordnung.“

Es gab eine Zeit, da war sie ausgesprochen glücklich. Konkretes weiß sie nicht mehr, an die Zeit des Aufbruchs nach dem Zweiten Weltkrieg kann sie sich genau erinnern. Die Familie wohnte in der Augustastraße, ehe sie 1937 in das neue Gebäude zur Sandstraße zog. Acht Jahre besuchte sie die „Hindenburgschule“, die frühere evangelische Volksschule und heutige GGS Opladen.

Danach arbeitete sie als Bürokraft bei Bayer. Dort blieb sie insgesamt 40 Jahre, hat ihr Elternhaus aber nie verlassen. Sie nähte viel und gerne. „Wir Mädchen haben uns oft um die Nähmaschine gezankt“, erinnert sie sich, die mit drei Schwestern und einem Bruder aufgewachsen ist.

Irgendwann blieb sie alleine übrig. Der Bruder war ausgewandert und hatte in Amerika eine Familie gegründet, mit dessen Nachkommen besteht noch guter Kontakt. Sie selber dachte nie ans Heiraten. „Als ich jung war, waren die Männer im Krieg“, lautet ihre Begründung. Außerdem war sie ein Herz und eine Seele mit ihrer Zwillingsschwester Else, die einige Minuten nach ihr im 1905 eröffneten Wiesdorfer Wöchnerinnenheim das Licht der Welt erblickte. Sie fuhren oft mit dem Fahrrad, noch lieber mit dem Auto und entdeckten gemeinsam viele Länder der Erde.

Inzwischen ist es still geworden im Haus. Verlangen nach Gesellschaft hat Martha Hartung kaum, bevorzugt mehr den Luxus der Stille und der Einsamkeit. Hin und wieder verfolgt sie das Weltgeschehen, das Interesse wird aber immer weniger. Ohnehin gefallen ihr Naturfilme viel besser. Und sie freut sich jeden Morgen auf einen „guten Kaffee“. Aber mit Koffein muss er sein. „Nur mit Koffein ist es richtiger Kaffee“, ist sich Martha Hartung absolut sicher.