Leverkusen: Marijn Dekkers - der Unbekannte

Leverkusen : Marijn Dekkers - der Unbekannte

Bayer kennt irgendwie jeder - wegen des Fußballs und wegen Aspirin. Den derzeitgen Spitzenmann des Konzerns kennt aber kaum jemand. Das jedenfalls ist das Ergebnis einer Umfrage der Wirtschaftsforschungsgesellschaft Dr. Doeblin. Demnach sind die 30 Dax-Unternehmenschefs, darunter Bayers Topmanager Marijn Dekkers, so gut wie unbekannt.

"Fast die Hälfte der Bevölkerung im Alter von 16 bis 65 Jahren (43 Prozent) vermag keinen einzigen Dax-Chef zu benennen. Vor allem unter den Frauen kennen viele (60 Prozent) keinen Chef eines Dax-Unternehmens auch nur ,dem Namennach'", heißt es aus dem Ergebnis der repräsentativen Bevölkerungsumfrage vom vergangenen Dezember 2014. Das Manager-Magazin hat aus dem Ergebnis ein kleines Bild-Ratespiel ersonnen. Ob's hilft?

Dabei ist Bayers-Spitzenmanager gar nicht so unnahbar. In Emmerich spielte der Mann aus Tilburg (Niederlande) in seiner Jugend Tennis beim TC Rot-Weiß in der Herrenmannschaft. 2013 schaute er bei seinen alten Tenniskameraden vorbei. Oft ist Dekkers samstags in der Düsseldorfer Altstadt, um in der Frietjes-Bude holländische Pommes "einfach nur mit Majo" zu essen. Volksnäher geht es kaum. Aber Bekanntheit in Düsseldorf und Leverkusen ist offenbar nicht gleich Bekanntheit in Deutschland.

Mancher Wirtschaftskenner mag aus der Studie noch etwas herauslesen: Die Unbekanntheit der Chief Executive Officers (CEO) könnte auch etwas dazu beitragen, dass die Liebe zu Aktien im Allgemeinen bei deutschen Privatanlegern nicht recht gedeihen will. Denn laut Deutschem Aktieninstitut (DAI) ist die Zahl der Privatleute, die Aktien oder Anteile an Aktienfonds besitzen, in Deutschland im vergangenen Jahr wieder zurückgegangen. Seit 2001 hätten sich insgesamt 4,4 Millionen Deutsche vom Aktienmarkt verabschiedet.

Die Tendenz gehe klar zu Investmentfonds sagten kürzlich die beiden großen Geldinstitute der Stadt, die Sparkasse und die Volksbank Rhein-Wupper. Auf dem Kapitalmarkt gebe es wenig Rendite, aber in den Fonds, "weil sie eine breite Risikostreuung haben", hieß es bei der Sparkasse als Empfehlung an Otto Normalverbraucher. Auch die Volksbank verzeichnete eine Umschichtung in Investmentfonds. "Der volatile Dax sorgt für Verunsicherung bei den Kunden", sagte Alexander Litz vom Vorstand.

Bei Bayer scheint die Aktienwelt aller Umfragewerte und Aktienfonds-Daten zum Trotz noch in Ordnung: "Das Grundkapital in Höhe von 2 116 986 388,48 Euro ist eingeteilt in 826 947808 auf den Namen lautende Stückaktien", meldet Bayer auf der Internetseite unter "Investor Relations". Ende 2013 seien rund 270 000 Aktionäre eingetragen gewesen, die meisten davon Privatanleger, und wiederum die meisten von denen mit Sitz in Deutschland. "Insgesamt entfällt auf Privatanleger ein Grundkapital-Anteil von ca. elf Prozent. Bayer-Mitarbeiter halten etwa ein Prozent der Aktien", sagt Bayer.

Mehr als drei Viertel der ausgegebenen Aktien sind in ausländischem Besitz, davon werden allein 30 Prozent der Bayer-Aktien von Investoren aus den USA und Kanada gehalten, 21,9 Prozent von deutschen Investoren. Die drittstärkste Gruppe kommt aus dem Vereinigten Königreich und Irland, (16,9 Prozent). Der Konzern betont auf der Seite: "Bayer verfügt über eine stabile Aktionärsstruktur, die sich in den vergangenen Jahren nur geringfügig geändert hat."

Wie viel Dividende die Bayer-Aktionäre im In- und Ausland bekommen könnten, will der Konzern nächsten Mittwoch mit dem Dividendenvorschlag veröffentlichen. Am 27. Mai ist Hauptversammlung. Bis dahin hat Bayers CEO Marijn Dekkers noch Zeit, nicht nur in der Frietjes-Bude in Düsseldorf ein bisschen mehr Bekanntheit zu erlangen.

(RP)
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