Leverkusen: Marienschule: Werbung für ein soziales Jahr in Indien

Leverkusen : Marienschule: Werbung für ein soziales Jahr in Indien

Wenn am Elternsprechtag der Duft von frischgebackenen Waffeln durch die Marienschule schwebt, hat das viel mit Schülerinnen im indischen Dhani zu tun.

Ein Euro, der hier pro Waffel eingenommen wird, sichert dort die Lebensmittelversorgung eines Kindes für einen Tag. So präzise umgerechnet erkennen Schüler die Bedeutung von Spenden- und Benefizaktionen, die seit 1972 rund 150 000 Euro für die Missionsstation in Dhani einbrachten.

Betrieben wird die Einheit mit Schule, Mädcheninternat, Krankenstation und Sozialarbeiterzentrale von den Dernbacher Schwestern, die früher Träger der Opladener Marienschule waren. Gestern war eine Abordnung indischer Schwestern in mehreren Klassen, um von den Verhältnissen und der Arbeit in Indien zu erzählen.

"Warum sind Sie in den Orden eingetreten", wollte eine Fünftklässlerin von Schwester Gonzalo wissen, die in Indien geboren, in Dernbach ausgebildet und gerade zur Generaloberin gewählt wurde. "Ich liebe Gott, und diese Liebe wollte ich allen Leuten weitersagen. Durch mein Tun, mit meinem ganzen Leben will ich zeigen, dass Gott lebt." Die Antwort ist zugleich die Erklärung auf die allgemeine Nachfrage, ob es sich eher um einen sozial-caritativen oder einen missionarischen Orden handelt. Für die Schwestern ist es kein entweder oder. Sie missionieren nicht durch Predigen, sondern durch Hinwendung zu den Menschen, die Unterstützung brauchen. Sie unterrichten Mädchen, die ohne Internat, ohne die finanzielle Hilfe für Schuluniform, Bücher oder Essen nicht zur Schule gehen könnten, die ohne Ausbildung keine Chance hätten, sich und ihre Familien später zu versorgen.

Auch mit dem Wechsel der Trägerschaft ist der Kontakt zu den Dernbacher Schwestern nie abgerissen. "Ohne die Schwestern gäbe es auch uns gar nicht", sagt der stellvertretende Schulleiter Werner Voss. Und der Geist der Schwestern bestimme heute noch das Betriebsklima im offenen Kollegium, zu dem auch Schwester Christiane einige Jahre gehörte, bis sie in die Generalleitung des Ordens berufen wurde. Noch früher war sie hier selbst Schülerin. Im Gespräch mit älteren Schülern warb sie dafür, nach dem Abi in Dhani ein soziales Jahr zu machen. Die Schwestern dort würden sich sehr gut um sie kümmern. Wichtiger noch als die soziale Arbeit sei, dass man eine andere Welt kennenlerne. Dabei lerne man, dass "unser Lifestyle" nicht Standard, sondern nur einer von vielen sei.

(mkl)