1. NRW
  2. Städte
  3. Leverkusen

Marienschule Opladen bietet heiter-ernste Podcasts an

Lehrer Magnus Anschütz und Schulseelsorger Michele Lionetti : Konserven-Bingo aus der „Gruft“

Lehrer Magnus Anschütz und Schulseelsorger Michele Lionetti plaudern jede Woche in Audio-Podcasts über Gott und die Welt, über Staubsaugerroboter Pluto, Lolli-Rezepte und Alltagsthemen. Hörerschaft und Begeisterung wachsen.

Intern heißt der vergitterte Raum unter dem Lehrerzimmer der Marienschule nur die „Gruft“. Einige Schüler mussten dort schon Arbeiten nachschreiben, aber derzeit ist an diesem ruhigen Örtchen ein provisorisches Aufnahmestudio entstanden. Jeden Dienstag treffen sich dort Schulseelsorger Michele Lionetti und Lehrer Magnus Anschütz, um – in gebührendem Abstand voneinander  – über Gott und die Welt zu plaudern. Die Themen ihres Talks haben sie vorher grob vereinbart, aber dann geht es doch spontan und ohne festes Drehbuch zu. Mit Spaß und ansteckend guter Laune.

Von der Aufnahme-Stunde schneidet Anschütz anschließend mindestens 20 Minuten heraus, so dass der fertige Podcast nicht länger als 40 Minuten dauert. Dieser Fertigkeiten hat er im Studium gelernt, das er durch freie Mitarbeit beim Hörfunk finanziert hat. Der ersten Beitrag war kaum auf die Homepage der Schule gestellt, da kamen auch schon die ersten Reaktionen – allesamt positiv. Schüler und Eltern bedankten sich ausdrücklich für diese nette Abwechslung in Corona-Zeiten, außerdem Ehemalige und sogar Menschen, die eigentlich gar nichts mit der Marienschule zu tun haben. „In der ersten Folge habe ich mich noch gefragt, ob mein Akzent mir im Weg steht, aber nach den ganzen begeisterten Mails mache ich mir da keine Gedanken mehr“, sagt Michele Lionetti, der als Stadtjugendseelsorger außerdem die JuLe in Opladen leitet und aus Rom kommt. Aber gerade der Tonfall macht ihn ja für viele so sympathisch, wenn er im Gespräch Sätze sagt wie: „Ich bin nicht ganz normal.“ Oder wenn er von seinem neuen Mitbewohner Pluto erzählt, der seine Kommandos mehr oder weniger befolgt. Pluto ist ein Staubsaugerroboter, den sich der Star Wars-Fan in dieser kontaktarmen Zeit angeschafft hat.

  • Im AMG wurden die Tauch-Zertifikate ausgegeben.
    AMG Viersen und ASV Süchteln : 16 Schüler dürfen jetzt auch ohne Lehrer abtauchen
  • Gabriele Fritz (l.), Schulleiterin der Schule
    Förderschulen im Rhein-Kreis Neuss : Schulleiter beklagen Bürokratieaufwand bei Corona-Tests
  • Der Corona-Test im Klassenraum sorgt für
    Pandemie in Düsseldorf : Düsseldorfer Schulleiter kritisieren Stäbchentests

Magnus Anschütz outet sich eher als der Typ Niederländer, jedenfalls wenn beide über das Anlegen von Notvorräten reden. Während der Durchschnittsdeutsche Toilettenpapier bunkere, habe er den Bestand von Mohnkuchen, Chips und Erdnussbutter aufgestockt.

Spontan und witzig reden die beiden im lockern Plauderton, erzählen vom ganz normalen Leben, aus Lehrerperspektive und eigener Schülererfahrung, sprechen von Liebeskummer, Stress mit den Eltern und über Ängste. Und sie machen Mut, stets das Gespräch zu suchen und nichts in sich hineinzufressen.

So ist immer ein wenig praktische Lebenshilfe dabei, auch in Form eines Rezeptes zur Lolli-Herstellung oder die Anleitung zum Konservenbingo. Dabei muss man mit geschlossenen Augen vier Dosen aus dem Schrank holen und daraus etwas kochen. Lionetti schaudert es bei dem Gedanken: „Ich bin Italiener!“

In jeder der bisher vier Podcast-Folgen, die alle auf der Schul-Seite stehen und mit einem Klick weitergeschickt werden können, gab es auch jeweils einen zusätzlichen Talk-Gast. Von Schulleiter Dieter Miedza erfuhr man zum Beispiel, dass er in Wattenscheid, also „im Pott“ lebt, welche Bedeutung das Steigerlied dort noch hat und wofür er in diesen Zeiten dankbar ist. Hörer erleben die MSO-Lehrer jedenfalls so von einer ganz anderen Seite. Für nächste Woche haben sich Lionetti und Anschütz wieder fest verabredet. Wenn der Schulbetrieb danach wieder vollständig angelaufen sei, bliebe allerdings für so etwas nicht genügend Zeit, erläutert Anschütz, der für jeden Podcast rund sechs Stunden investiert.

Erste Hörerin und wichtigste Kritikerin ist dann stets die Schulsekretärin. Auf seine Bitte hat der Förderverein der MSO bereits vor einiger Zeit zwei Aufnahmegeräte angeschafft, die nun erstmals so richtig zum Einsatz kamen. Magnus Anschütz würde gerne eine Radio-AG für Schüler anbieten. „Allerdings habe ich bereits zwei andere AGs“, erzählt er. Aber wenn die irgendwann auf eigenen Füßen stehen, könne er sich das vorstellen.