Leverkusen Mann wirft Gurkengläser aus dem sechsten Stock

Leverkusen · Zwei Gurkengläser sorgten am Amtsgericht für Wirbel. Das war laut Anklageschrift im Oktober vorigen Jahres passiert: Ein 28-Jähriger soll vom sechsten Stock eines Hochhauses in der Weiherstraße ein Gurkenglas geworfen haben, das einen Anwohner nur knapp verfehlt habe.

 Einen "gefährlichen Eingriff in den Straßenverkehr" sah Richter Elsen nicht.

Einen "gefährlichen Eingriff in den Straßenverkehr" sah Richter Elsen nicht.

Foto: ddp, ddp

Wenig später soll ein zweites Glas geflogen sein — und dieses Mal einen Wagen auf dem angrenzenden Parkplatz getroffen haben. Die Besitzerin, die neben dem Auto stand, blieb unverletzt.

"Das ist schon öfters passiert"

Einen "gefährlichen Eingriff in den Straßenverkehr" sah Richter Elsen in der Tat nicht: "Die Besitzerin saß nicht im Wagen, der Pkw war nicht an, sie stand nur daneben." Die 58-Jährige habe nach dem ersten Wurf gesagt bekommen, dass "Glas aus einem Fenster geschmissen worden ist", sagte die Ärztin aus.

Sie sei zu ihrem Auto geeilt, auf dem wenige Augenblicke später das Glas aufschlug. Es sei nicht das erste Mal, dass es in der Straße solche Vorfälle gebe: "Das ist schon öfters passiert, dass mit Glas geworfen wurde, auch auf Autos", sagte die Frau. Auch die zweite Zeugin, die im Hochhaus gegenüber wohnt, erzählte von solchen Vorfällen: "Ich kenne den Angeklagten und habe ihn schon dabei gesehen, wie er Staubsaugerbeutel und einen Fernseher auf die Straße geworfen hat."

Zur Tatzeit habe sie Schlafzimmerfenster geputzt. "Dann habe ich einen Knall gehört, aus dem Fenster geschaut und gegenüber den Kopf des Mannes gesehen." Sie sei zu ihrem Nachbarn, der fast vom Glas getroffen worden war, geeilt und habe die Polizei verständigt. Die Beamten hatten den Laubengang im sechsten Stock abgesucht, trafen dort aber niemanden an. Als das zweite Glas das Auto traf, war der erste Gedanke des Oberkommissars, der als Zeuge geladen war: "Ich dachte, dass wir das Ziel wären und nicht der Wagen." Er und seine zwei Kolleginnen klingelten dann an der Tür des Angeklagten: "Er machte einen unbeteiligten Eindruck und schien sich nicht um die Sache zu kümmern", sagte der Beamte.

Richter stellt das Verfahren ein

Der Angeklagte, der seit sechs Jahren arbeitslos ist, sitzt wegen Handels mit Betäubungsmitteln seit Juli für ein Jahr im Remscheider Gefängnis. Nach seiner Entlassung werde er sich um Arbeit bemühen, versprach er, "denn wenn einem langweilig ist, begeht man solche Straftaten".

Im Knast gebe es keine Möglichkeit für ihn zu arbeiten, weil sein Aufenthalt dafür zu kurz sei. Die meiste Zeit "langweile ich mich auf meinem Zimmer". Nach gut zweieinhalb Stunden verkündete der Vorsitzende, das Verfahren vorläufig einzustellen, auch "aufgrund der Erfahrungen des Angeklagten in der JVA".

(jube)
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