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Köln/Leverkusen: Mann tötet Mutter und muss 8,5 Jahre in Haft

Köln/Leverkusen : Mann tötet Mutter und muss 8,5 Jahre in Haft

Ein Leverkusener hat seine Mutter getötet. Dafür muss er ins Gefängnis. Verurteilt wurde der Mann wegen Totschlags.

Der Leverkusener, der nach Ansicht der Richter im Juni 2016 in Lützenkirchen seine Mutter absichtlich getötet hat, wurde gestern zu 8,5 Jahren Gefängnis verurteilt. Der 60-Jährige habe in einer "mordähnlichen Situation" gehandelt, sagte der Vorsitzende Richter in der Urteilsbegründung. Unter anderem weil der Täter stark alkoholisiert war (maximal 2,78 Promille) stufte die 5. Große Strafkammer am Landgericht Köln die Tat als Totschlag und nicht als Mord ein. Ein minderschwerer Fall liege aber nicht vor. Das Strafmaß (möglich sind fünf bis 15 Jahre) entspricht der Forderung des Staatsanwaltes.

Der Täter nahm das Urteil ohne sichtbare Regung auf. Er äußerte keine Reue. Nach der Beweisaufnahme des Gerichts wollte der Mann seiner kranken Mutter einen so schweren Leidensweg ersparen wie ihn kurz zuvor der Vater hatte nehmen müssen. Als der Vorsitzende Richter allerdings gestern sagte, der 60-Jährige habe sich "zum Herrn über das Leben und den Tod seiner Mutter (88)" aufgeschwungen, platzte es aus dem Opladener heraus: "Das tun sie jetzt auch", warf er dem Richter vor.

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Mehrfach betonte der Vorsitzende wie grausam und unendlich leidvoll der Tötungsablauf für die 88-Jährige gewesen sein muss. Der Täter ging davon aus, dass die Mutter durch Zuhalten von Mund und Nase schon nach kurzer Zeit tot sein würde. Tatsächlich dauerte der Vorgang rund eine Stunde. Offenbar rang die Seniorin mehrfach nach Luft, wenn der Sohn kurz von ihr abließ. Schließlich setzte er sich auf die Mutter und drückte ihr auch noch den Hals zu. Die wehrlose und vom Angriff überraschte Mutter habe "kaum vorstellbare Todesqualen" gehabt, ist sich der Richter sicher. Vor der Tat hatte der Mann seiner Mutter auf dem Opladener Wochenmarkt noch ein Stoffpüppchen als Geschenk gekauft.

Nach Darstellung des Gerichts ist der Verurteilte ein starker Anhänger der Sterbehilfe. Als er von der Verschlechterung des Gesundheitszustandes seiner Mutter und einer möglicherweise drohenden Operation erfahren habe, habe der Mann überlegt, seine Mutter zum Sterben in die Schweiz zu bringen. Geredet habe der damals 59-Jährige darüber weder mit seiner Mutter noch mit seinem Bruder. Die 88-jährige Mutter hat nach Überzeugung von Richtern und Staatsanwalt allerdings nie den Wunsch geäußert, sterben zu wollen.

Für die fünf Richter und Schöffen der Strafkammer ist eines klar: Angesichts der familiären Situation und wegen seines Misstrauens gegenüber Ärzten fühlte sich der Opladener "zu einer Art von Sterbehilfe berechtigt". Ohne den hohen Alkoholpegel wäre diese Tat jedoch nicht denkbar gewesen, sagte der Vorsitzende Richter. Sterbehilfe war es dennoch keinesfalls. Objektiv habe es auch keinen Anlass dazu gegeben, weil die letzten Untersuchungsergebnisse für die Mutter gar nicht vorlagen. Für den Tattag habe die 88-Jährige sogar noch einen Arzttermin gehabt. Die Krankheit hatte nach Meinung der Richter keinen Einfluss auf die Lebenserwartung der 88-Jährigen.

Die drei Anwälte des Mannes kündigten Revision gegen das Urteil an. Die teils mündliche Begründung liefere viele Angriffsflächen. Das Gericht habe die individuellen Schuldumstände zu gering gewürdigt. Zunächst wollen die Anwälte das schriftliche Urteil abwarten.

(RP)