Malen, tanzen und matschen wie früher bei den Jugendkunstgruppen

Seit 40 Jahren : Malen, tanzen und matschen wie früher

Vor 40 Jahren wurden die Jugendkunstgruppen gegründet. Das Angebot hat sich mit der Zeit geändert, die Nachfrage nicht.

Inzwischen kommt es häufiger vor, dass Eltern ihre Kinder zu Mal-, Töpfer- oder Tanzkursen anmelden mit den Worten: „Als Kind war ich auch schon hier.“ Das liegt daran, dass die Jugendkunstgruppen längst fester Bestandteil des städtischen Bildungs- und Kreativangebots sind. Vor 40 Jahren wurde die Einrichtung gegründet, jedenfalls offiziell.

Denn die tatsächlichen Wurzeln liegen in Alkenrath, wo der Grundschullehrer Kurt Schmitz schon vorher die ersten Kurse ins Leben gerufen hatte. Er wurde 1979 der erste Leiter der „Jugendkunstgruppen“ der Stadt Leverkusen. Damals entschied man sich bewusst für diesen Namen, der meist in JKG abgekürzt wird, und nicht für die Bezeichnung Jugendkunstschule, die in mehreren anderen Städten üblich ist. Das Nachmittagsangebot war von Anfang an als außerschulische Einrichtung konzipiert, die zudem für alle Bevölkerungsgruppen etwas bieten sollte.

„Malen für Türken“ steht zum Beispiel im Kursprogramm von 1981. „Das würde man heute natürlich anders ausschreiben“, gibt der aktuelle Leiter Claus Faika zu. „Aber es zeigt, dass es auch damals schon einen integrativen Ansatz gab.“ Und zwar nicht nur durch die Folkloregruppen, die es vom Gründungsjahr 1979 bis heute durchgehend gegeben hat – mit einigen Wechseln. Derzeit laufen Kurse mit griechischer, türkischer und serbischer Folklore.

Das Angebot ist in erster Linie für Kinder und Jugendliche gedacht, mit einigen Ausnahmen wie die Vorbereitung zum Kunststudium für junge Erwachsene. Die waren zeitweise stark nachgefragt, obwohl sie über ein ganzes Jahr liefen und mit rund 1000 Euro Gebühr gar nicht so billig waren. Inzwischen habe man auf den veränderten Bedarf reagiert – mittlerweile bieten Akademien und Kunsthochschulen oder Gymnasien solche „Mappenkurse“ an – und auf Wochenend-Workshops sowie individuelle Beratung um gestellt. Im Gespräch mit dem Dozenten zeige sich viel schneller, wo noch Lücken sind.

Hauptaufgabe der JKG ist allerdings, Kreativität bei Kindern überhaupt zu wecken. Entweder beim Malen, Zeichnen, Matschen (mit Ton) oder Werken in den gut ausgestatteten Räumen an der Kerschensteiner Straße, wo es auch eine ordentliche Siebdruckpresse, Computer und Tablets gibt. Oder in Schulen und Familienzentren im gesamten Stadtgebiet. Denn dezentrale Angebote hielt man, gerade für die Jüngeren, immer für wichtig.

Nach wie vor findet ein beträchtlicher Teil der aktuell 52 Regelkurse in den Stadtteilen von Bergisch Neukirchen und Neuboddenberg bis Hitdorf statt. Dazu kamen im zu Ende gehenden Kursjahr 35 Workshops. Begonnen hatten die JKG im ersten Jahr mit 67 Kursen, damals kostenlos. Seit vielen Jahren wird eine Gebühr erhoben, mit Ausnahme der „Kulturrucksack“-Projekte, die über Landesmittel finanziert werden. Nicht als Konkurrenz, sondern als sinnvolle Ergänzung sieht es Faika. „Besonders wichtig ist mir das Angebot für die Zehn- bis 14-Jährigen.“

Um die kreativ bei der Stange zu halten, braucht es besondere Formate wie den Circus, Comic- und andere Computerkunst, Theater oder Tanz und neuerdings wieder Textilgestaltung, die zeitweise total out war. Auf Wünsche reagiert man bei der Programmauswahl mit 25 Dozenten, damit zum 50. Jubiläum dann die Opas ihre Enkel anmelden.

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