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Lungenarzt Mülleneisen: „Die Solidarität in Leverkusen ist toll“

Lungenarzt Mülleneisen : „Die Solidarität untereinander ist toll“

Allergologe Norbert Mülleneisen berichtet von Allergikern, die sich sorgen, an Covid-19 erkrankt zu sein, und wie sie prüfen können, ob nicht doch das Frühjahr auf die Atemwege drückt. Und er erzählt von schönen Hilfen in dieser Zeit.

Norbert Mülleneisen hatte am vergangenen Sonntag Notdienst in der Notdienstpraxis im MediLev. Aufgesucht haben den Facharzt für Lungenheilkunde da auch Patienten, die zweierlei hatten: einen ganz normalen Heuschnupfen – gepaart mit Corona-Angst. Die bestimmt derzeit den Alltag des Rheindorfer Internisten. Dass Patienten verstärkt nachfragen, weil sie sich wegen des Virus sorgten, gehöre im Moment schlichtweg dazu.

„Andererseits gelten für die Tests auf das Virus enge Falldefinitionen. Es müssen Husten, Fieber und ein Kontakt in Risikogebiete wie den Kreis Heinsberg oder Italien zusammenkommen“, berichtet Mülleneisen auf Anfrage unserer Redaktion. „Es gibt aber auch Patienten, die haben Husten und Fieber, aber keinen Kontakt in Riskiogebiete. Diese Unsicherheit bleibt.“ Auch für den Arzt, der dann fein abwägen müsse. In jedem Fall gelte: Wer derlei Symptome habe, sollte sich wie bei einer Grippe verhalten: „Zu Hause bleiben, Hygieneregeln und andere bei Grippe üblichen Maßnahmen befolgen – und ab ins Bett“, fasst der Rheindorfer Arzt zusammen.

Deutschland, sagt Mülleneisen, sei bei Corona-Tests weit, weit vorne. „Ich habe das mal ausgerechnet: In Italien liegt die Sterblichkeitsrate bei zwölf Prozent, in Deutschland bei 0,2 Prozent. In Italien wurde bisher zu wenig getestet, hierzulande wird wie wild getestet. Es ist Wahnsinn, was da an sieben Tagen die Woche rund um die Uhr läuft und geleistet wird.“ Allein Labore wie das Synlab in Leverkusen am Klinikum brauchen ausreichend Material für ihre wichtige Aufgabe, weist Mülleneisen hin, der sich erst kürzlich mit dem Labor in Schlebusch zum Thema austauschte. Aus dem Gespräch berichtet  er auch von einem schönen Hilfsangebot: „Laborantinnen von Bayer, die derzeit freigestellt sind, haben dem Labor ihre freiwillige Hilfe angeboten.“

Auch Mülleneisen selbst erlebt aktuell eine Welle der Solidarität und der handfesten Unterstützung. „Handwerker haben uns eine ganze Kiste voll Atemschutzmasken zur Verfügung gestellt. Sie machten gerade Kurzarbeit und bräuchten die Masken weniger dringend als wir, habe sie gesagt“, erzählt der Rheindorfer Arzt. Die Hilfe untereinander sei ohnehin ganz toll. So habe auch eine bereits im Ruhestand lebende Gynäkologin sich gemeldet und gesagt: „Norbert, wenn Du Hilfe brauchst, ich komme gerne zur Unterstützung.“

Und Hilfe kann das Allergie- und Asthmazentrum Rheindorf derzeit womöglich gebrauchen, denn wenn es draußen sprießt und keimt und der Frühling wie derzeit mit aller Macht sein Recht fordert, melden sich im Moment häufiger Allergiker und wollen sich auf das Corona-Virus testen lassen. „In den vergangenen Wochen ist der Pollenflug von Schwarzerle und Hasel explodiert – der Frühling ist also da, und Pollenallergiker leiden wie jedes Jahr. Kein Mensch aber spricht von Heuschnupfen, Asthma und Inhalationsallergien“, sagt Mülleneisen. Weil Corona das vorherschende Thema sei, vergehe kein Tag, an dem sich nicht Allergie-geplagte Patienten testen lassen wollen. „Selbst für langjährige Inhalationsallergiker mit bekannter Symptomatik erscheinen Symptome wie trockener Husten, Atemnot, Niesreiz und Schnupfen zum Verwechseln ähnlich mit denjenigen der Covid-19-Infektion“, ergänzt er.

In der Tat könnten unterschiedliche entzündliche Atemwegserkrankungen wie Allergien und Virusinfektionen gleichartige Beschwerden verursachen. Mülleneisen, auch Vorstandsmitglied des Ärzteverbandes   Deutscher Allergologen, schickt allerdings ein großes Aber hinterher: „Bei genauerer Beurteilung ist auch für die Betroffen eine Unterscheidung recht zuverlässig möglich.“  Denn während Infektionen mit dem Sars-CoV-2-Virus meist durch Fieber und trockenen Husten gekennzeichnet sind, leiden Allergiker nicht unter Fieber, dafür oft an juckenden Augen- und Nasenschleimhäuten, tränenden Augen, Niesreiz und Schnupfen.

Völlige Entwarnung kann und mag der Allergologe in Zeiten, in denen das Virus die ganze Welt beschäftigt, nicht geben: Wer unter Inhalationsallergien leide, also etwa Rhinitis, Sinusitis und Asthma, sollte vom Arzt verordneten Medikamente aber unbedingt konsequent einnehmen, unterstreicht der Facharzt. Denn: Schlecht kontrollierte Allergiker wiesen ein erheblich höheres Risiko auf, unter einer schweren Form von Covid-19 zu erkranken, betont Mülleneisen. „Insbesondere Patienten mit einer chronischen Sinusitis oder einem Asthma bronchiale sollten daher ihre Medikamente zur Zeit besonders zuverlässig einnehmen“, rät der Leverkusener.