Lothar Schmitz über das Stadtgrün in Leverkusen

Lothar Schmitz : „Die Stadt wird mediterraner“

Lothar Schmitz (Stadtgrün) spricht über Klimabäume und Bewässerung.

Der Sommer in diesem und im vergangenen Jahr hat es gezeigt: Wir müssen uns auf veränderte Klimaverhältnisse einstellen. Die Konsequenzen sind in vielen Bereichen zu spüren – und werden künftig noch deutlich sichtbarer sein. Zum Beispiel was Grünflächen, Parks und Straßenbepflanzung in Leverkusen angeht. Lothar Schmitz, Fachbereichsleiter vom Stadtgrün, wagt einen Ausblick, wie Leverkusen im Jahr 2030 aussehen könnte.

Bäume Beliebte Baumarten wie Kastanien, Buchen oder Platanen leiden zunehmend unter dem Wetter und Schädlingen, die sich rasant ausbreiten. Kastanien haben die Kastanienminiermotte, Platanen werden vom Massaria-Pilz angegriffen, in Köln leiden Buchen an einer unbekannten Krankheit, die sich „zum Glück noch nicht in Leverkusen ausgebreitet hat“, sagt Schmitz. Fazit: „Manche Arten werden verschwinden, andere werden sich ausbreiten.“ Sogenannte Klimabäume sollen die Antwort sein. So gibt es beispielsweise in Düsseldorf Versuchspflanzungen, in denen erforscht wird, wie sich Bodenverhältnisse und Trockenheit auf verschiedene Baumarten auswirken.

Daraus wurde eine Empfehlungsliste erstellt, an der sich die Städte, auch Leverkusen, orientieren. Hopfenbuchen, Amber- und Tulpenbäume werden demnach künftig verstärkt zum Stadtbild gehören, während wir uns von Kastanien, Eschen und Co. verabschieden müssen. „Das Ziel wird sein, einen gesunden Mischwald zu etablieren, in dem sich Schädlinge nicht so rasant ausbreiten können“, sagt Schmitz.

Bewässerung Wird die Stadt künftig noch Bäume und Straßenbepflanzung bewässern können, wenn lange Hitze- und Trockenperioden häufiger werden? „Bei uns werden nur Jungbäume gegossen“, sagt Schmitz. Pflanzt die Stadt neu, werden diese Bäume drei Jahre lang regelmäßig gewässert. „Danach müssen sie es geschafft haben.“ Bodendecker und Blumenwiese werden weniger werden, Sträucher, Gräser und Stauden, die Wärme mögen und auch mit Trockenheit umgehen können, werden in Kreisverkehre und Pflanzstreifen Einzug halten, Lavendel beispielsweise. „Die Stadt wird mediterraner aussehen“, sagt Schmitz. Zumal man sich klar machen müsse, dass beim Gießen Trinkwasser verbraucht werde.

Dachgrün/Fassadengrün Die Bepflanzung von Dächern und Fassaden ist laut Schmitz zwar sinnvoll, aber auch kosten- und pflegeintensiv. Die Bepflanzung könne als zusätzliche Dämmung dienen, Insekten können sich an den Pflanzen bedienen. „An Wänden ist die Pflege noch schwieriger und pflegeintensiver als auf Dächern.“ Deshalb müsse die Stadt immer wieder abschätzen, wann so eine Maßnahme sinnvoll sein kann. Dennoch sagt Schmitz: „Ich halte das für sinnvoll.“ Teilweise sind Dachbegrünungen sogar schon in Bebauungsplänen vorgeschrieben. In der Bahnstadt-West sollen etwa alle Dächer begrünt werden.

Friedhöfe Sie sind inzwischen zu grünen Lungen in den Städten geworden. Inzwischen werden 70 Prozent der Toten in Urnen bestattet, kleiner sollen die Friedhofsflächen allerdings nicht werden. „Viele Friedhöfe haben Parkcharakter, die Menschen gehen dort spazieren.“ Flächen, die dort nicht mehr gebraucht werden, werden in Wiesen umgewandelt, auf denen Imker ihre Bienenvölker halten.

Kosten Maßnahmen gegen die Veränderungen gibt es nicht zum Nulltarif. „Wir werden mehr Mittel brauchen, wenn wir die Auswirkungen des Klimawandels bekämpfen wollen“, betont Lothar Schmitz. Dabei werde künftig immer häufiger abgewägt werden müssen, für was die Stadt Geld ausgeben will, welche Pflanzungen sinnvoll sind und was wegfallen muss.

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