Leverkusen: Liebe und Wut der Frida Kahlo

Leverkusen: Liebe und Wut der Frida Kahlo

Musik, Tanz und Lesung - die Perfor-mancekünstlerin Alexandra Gracka, die Schauspielerin Suzanne von Borsody und das Trio Azul näherten sich künstlerisch der mexikanischen Malerin und ihrem wechselvollen Leben.

Bevor das Saallicht im Erholungshaus ausging, saß die junge Frau bereits vor dem Garderobenspiegel, zog die markanten Augenbrauen nach und steckte sich bunte Blüten ins geflochtene Haar. Die Performancekünstlerin Alexandra Gracka von der polnischen Kunstschule Bytom war augenscheinlich in die Figur der jungen Frida Kahlo geschlüpft, um das Schicksal der mexikanischen Künstlerin körperlich nachzuempfinden. Über eine halbe Stunde dauerte diese stumme, aber ausgesprochen fesselnde Einstimmung auf die Lesung von Suzanne von Borsody, die später zu Live-Musik das Leben Frida Kahlos Revue passieren ließ, vermischt mit originalen Briefen und begleitet von Live-Musik des Trios Azul, mit dem sie schon in der vergangenen Spielzeit bei Bayer Kultur zu Gast war.

Doch zunächst der wortlose Teil dieser bisher einzigartigen Doppelveranstaltung, auf die sich Suzanne von Borsody sofort eingelassen hat. Zu Tango-Musik tanzte Alexandra Gracka anmutig und ausdrucksvoll eine kurze Sequenz, dann räumte sie aus den Schubladen etliche Rollen trockener Gipsbinden, tauchte sie in einen Wassereimer und umwickelte damit zunächst das komplette linke Bein, später auch das rechte, dann den Rumpf und noch beide Arme. Als Loop wiederholte sie nach jedem bandagierten Körperteil den gleichen Tanz, der von Mal zu Mal starrer wurde, bis nur noch Kopf und Hände frei beweglich waren. Wie eine lebendige Mumie stand sie schließlich auf der Bühne, und weitgehend erstarrt versuchte sie ein letztes Mal, die kurze Sequenz zu tanzen, bevor sie zwei Mitglieder des Jungen Theaters Leverkusen (Valentin Schwerdfeger und Leon Schamlott) vorsichtig mit der Gipsschere aus dem steifen Korsett herausschnitten. Ein langwieriger Prozess zu herben Tangoklängen, dem das Publikum vollkommen still und gebannt zuschaute und dabei geradezu körperlich spürte, wie eine lebenslustige junge Frau durch die Folgen eines Unfalls und letztlich auch durch enttäuschte Liebe erstarrt.

Die Details aus dem Leben der Frida Kahlo gab Suzanne von Borsody anschließend in einem Wechsel von biografischen Daten und Gedichten oder Briefen der Malerin. Diese persönlichen Sätze vermittelte die hervorragende Schauspielerin so emotional, wie vermutlich auch ihre Verfasserin war, melancholisch, verliebt, aber auch verzweifelt, wütend, anklagend und immer wieder so witzig, dass ein hörbares Schmunzeln durch die Reihen ging.

Im Hintergrund waren jeweils passende Bilder der Malerin als auch Fotografien von Frida und ihrer großen Liebe, dem Maler Diego Rivera, zu sehen. Das Trio Azul ergänzte die Texte musikalisch ausdrucksvoll und sensibel, instrumental oder mit Gesang, und manchmal reichten einzelne Gitarrentöne, um die Stimmung zu erfassen.

(RP)