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Leverkusens Bundestagsabgeordneter Lauterbach wird Gesundheitsminister

SPD-Fraktionschefin: „Mich beruhigt das.“ : Lauterbach wird Gesundheitsminister

Olaf Scholz macht den Leverkusener Bundestagsabgeordneten und Mediziner zum Gesundheitsminister des neuen Kabinetts. Die Leverkusener SPD-Fraktionschefin Milanie Kreutz reagierte umgehend auf die Nachricht.

Und er ist es doch geworden. Bei Anne Will am Sonntagabend in der ARD hatte Karl Lauterbach – Leverkusens Bundestagsabgeordneter und SPD-Gesundheitsexperte – ernst nach unten blickend abgewehrt: Es gebe etliche gute Leute in der SPD, die den Posten des Gesundheitsministers ausfüllen könnten. Und man solle doch den Montag abwarten.

Ein Lächeln war über sein Gesicht gehuscht, als ein anderer Talkgast der Runde, Medizinerin Carola Holzner, ihm zurief, sie könne sich keinen besseren als ihn auf dem Posten vorstellen, und auch Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CDU) verblümt Ähnliche äußerte: „Wir brauchen jetzt niemanden, der sich erst 100 Tage einarbeiten muss, sondern nur zehn Minuten.“

Montagmorgen ist klar: Karl Lauterbach wird’s. Olaf Scholz benannte die Minister, die die SPD zur neuen Regierung beitragen wird. Karl Lauterbach bekommt den Gesundheitsminister-Posten.

Wer ihn kurz nach der Verkündung  anrief, erreichte nur die Mailbox. Auch bei Twitter lag der letzte Tweet des Sozialdemokraten am Montagvormittag  14 Stunden zurück, der letzte Eintrag bei Facebook 16 Stunden.

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Während Lauterbach damit beschäftigt war, Glückwünsche entgegenzunehmen, hat die Leverkusener SPD bereits reagiert. Fraktionschefin Milanie Kreutz kommentierte: „Es war ein Ringen, es gab viele Ansprüche bei der Parität. Aber Karl Lauterbach ist ein professioneller Minister, der Ahnung vom Fachgebiet hat.“ Es habe viele Signale auch außerhalb der SPD für ihn gegeben, „weil man ihm zutraut, uns aus der pandemischen Lage herauszuführen. Mich beruhigt das. Es macht mich stolz, dass ein Abgeordneter für Leverkusen Minister geworden ist.“

Auch Erhard Schoofs – früher, man möchte fast sagen in grauer Vorzeit, SPD-Mitglied, seit Jahren in der Bürgerliste und deren Fraktionschef – hat Lobesworte parat: „Eine gute Entscheidung. Wir hoffen, dass er sich gut schlägt. Wenn einer bei Corona-Themen bei den meisten Dingen recht hatte, dann er. Zudem ist er ein aufrechter und ehrlicher Mensch.“ Das könne er nicht von jedem der Bundespolitiker, die er kenne, sagen, betont Schoofs. „Aber Lauterbach, dem würde ich mein Portemonnaie anvertrauen.“ Zweite Hoffnung, die Schoofs hegt: „Wir hoffen, dass Karl Lauterbach Leverkusen nun im Kabinett auch noch etwas mehr nutzen kann bei den Autobahn-Themen.“

Dass er an den speziellen Leverkusener Verkehrsthemen dranbleiben will, sagt Karl Lauterbach zu. Es ist Mittagszeit und der SPD-Politiker geht ans Telefon, wirkt fast ein wenig überwältigt von den Ereignissen. Zeit, darüber nachzudenken, wie er sich gerade fühle, habe er nicht. „Ich freue mich, aber im Moment stecken wir in einer schweren Krise, es dominiert die Arbeit. Ich bin am Nachmittag in einer Konferenz mit allen Landesgesundheitsministern“, berichtet der 58-Jährige.“

Zeit für eine Einarbeitung? Gibt es derzeit nicht. Zeit für ein dickes Dankeschön aber doch: „Ich möchte mich bei allen Leverkusener Bürgern bedanken, die mich gewählt haben. Ohne dieses fantastische Wahlergebnis wäre das ja alles nicht möglich.“ Und ein herzlicher Gruß gehe an die Impfärzte in Leverkusen. Ihnen sei er verbunden, habe im Impfzentrum mit vielen zusammengearbeitet. „Ihre Arbeit ist so wertvoll für die Stadt. Wir bleiben in Kontakt.“

Apropos Kontakt. Den zu Leverkusen will er keinesfalls verlieren. „Ich versuche, ein Minister für alle zu sein. Und ich bleibe den Lokalanliegen gewogen, werde mich mit den anderen beiden Abgeordneten, Nyke Slawik und Serap Güler, vor allem um die Verkehrsthemen kümmern.“

Das dann schon vom Gesundheitsminister-Schreibtisch aus. Noch arbeitet Lauterbach von seinem Schreibtisch im Reichstagsgebäude aus. Am Donnerstag aber ist Umzug ins Ministerium. Was er mitnimmt? „Zwei wertvolle Mitarbeiter und ein paar schöne Bilder.“

Glückwünsche kommen auch von der Leverkusener CDU: „Ich gratuliere Karl Lauterbach von Herzen dazu, dass sich sein langgehegter Wunsch erfüllt hat“, sagt Stefan Hebbel, Fraktionschef der Christdemokraten im Stadtrat. „Er ist eine gute Wahl angesichts dessen, was die neue Ampelkoalition personell zur Verfügung hat.“ Lauterbach habe während der Pandemie seine Expertise unter Beweis gestellt. Dass nun ein Leverkusener Abgeordneter am Kabinettstisch sitze, bringe der Stadt, etwa im Hinblick auf den Autobahnausbau, jedoch nichts. Im Gegenteil, findet Hebbel: „Seine neue Funktion wird ihn sehr einnehmen, dadurch hat er weniger Zeit für Leverkusen.“   

 Auch die Leverkusener Bundestagsabgeordnete Nyke Slawik (Grüne) freut sich für Lauterbach. „Mit ihm haben wir einen prominenten Ansprechpartner in der Regierung.“ Auch sie lobt seine Kompetenz. „Von ihm können wir bei der Bekämpfung der Pandemie eine gute Strategie für die nächsten Monate und Jahre erwarten.“

(LH/bu)