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Leverkusener Wirtschaft fordert Kompass von der Politik

Leverkusener Wirtschaft : Perspektive für Unternehmen über Februar hinaus

Andreas Tressin von den Unternehmerverbänden zu den Sorgen der Leverkusener Wirtschaft in der Corona-Krise. Er fordert einen Kompass von der Politik.

Krisen in der Wirtschaft – oft von der Branche hausgemacht, siehe die Finanz- und Wirtschaftskrise 2008/2009. Seit dem vergangenen Jahr aber wirbelt eine Virus-Pandemie die Wirtschaft komplett durcheinander. Das haben auch die Leverkusener Unternehmer zu spüren bekommen und spüren es weiter. „Das Coronavirus stellte die Unternehmen 2020 vor nie da gewesene Herausforderungen. Es ging täglich darum, Entscheidungen zu treffen, um die eigenen Mitarbeiter zu schützen, und zugleich die Geschäftstätigkeit möglichst aufrecht zu erhalten. Druck und Dringlichkeit zwangen immer wieder zu schnellem Handeln“, fasst Andreas Tressin, Geschäftsführer des Arbeitgeberverbandes der Metall- und Elektroindustrie Rhein-Wupper und der Unternehmerschaft Rhein-Wupper, zusammen.

Pragmatismus an allen Ecken und Enden sei im vergangenen Jahr gefragt gewesen, vor allem in der Arbeitsorganisation und dabei, die teils unterschiedlichen Aussagen und Vorgaben der Gesundheitsämter unter einen Hut zu bringen. „Das ging natürlich zwangsläufig auch zu Lasten der Produktivität und damit der Arbeitskosten. Am wichtigsten im auslaufenden Jahr aber war die Erkenntnis, dass die Belegschaften im Krisenmanagement näher zusammengerückt sind“, betont Tressin.

Zusammenrücken reicht allerdings nicht aus, um das Geschäft am Laufen zu halten. Der Geschäftsführer fordert investitionsfreundliche Rahmenbedingungen und längerfristige Konzepte in der Politik, weil das Virus auch im neuen Jahr eine der großen Herausforderungen bleibt. Vielleicht die größte. „So werden auch künftig die Sicherheits- und Hygienekonzepte mit großem Aufwand auf Aktualität überprüft und angepasst werden müssen; gleichzeitig gilt es, die Liquidität und die Arbeitsplätze zu sichern und die digitalen Zukunftstechnologien, den Klimaschutz und die E-Mobilität zu finanzieren“, prognostiziert Tressin.

Natürlich hätten die Hilfen der Bundesregierung dazu beigetragen, die ökonomischen Schäden durch die Pandemie zu begrenzen. Aber: „Nach der Vielzahl von Einzelhilfen muss es nun darum gehen, Strukturreformen auf den Weg zu bringen – nur das ist nachhaltig“, schiebt er hinterher. Jetzt sei es wichtig, die Erwartungen der Unternehmen und der Menschen zu stimuliert: Denn welcher Unternehmer würde unter den aktuellen Bedingungen investieren, welcher Konsument bei der Sorge um den Arbeitsplatz shoppen gehen? „Wir alle stehen vor massiven Transformationen. Dafür sind investitionsfreundliche Rahmenbedingungen mit steuer-, verwaltungs-, bau- und arbeitsrechtlichen Freiräumen erforderlich, damit Unternehmen in neue Technologien und Arbeitsplätze investieren.“

Von Politik und Staat fordert Geschäftsführer Tressin nach dem aktuellen Lockdown längerfristige Konzepte, „wie wir Wirtschaft und das gesellschaftliche und öffentliche Leben erlauben können. Die Bürger und die Wirtschaft brauchen nämlich eine Corona-Perspektive, die nicht nur bis Mitte Januar reicht, sondern ihnen zumindest für das nächste halbe Jahr einen Kompass gibt.“