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Leverkusener Verein für künstlerische Bildmedien zeigt neue Schau

Leverkusen: Schau „zeit/zeichen“ in den Remisen : Den Lockdown mit der Kamera eingefangen

Zum Thema „zeit/zeichen“ haben 31 Mitglieder des Vereins für künstlerische Bildmedien in Bildserien nach Zeichen der Zeit gesucht. Die vielseitige Schau wird ab dem Nachmittag in den Remisen von Schloss Morsbroich eröffnet.

Weit mehr als ein Jahr haben sich 31 Mitglieder des Vereins zur Förderung künstlerischer Bildmedien (VFkB) auf eine Gemeinschaftsausstellung in den Räumen des Kunstvereins in den Remisen von Schloss Morsbroich vorbereitet. Zuletzt war der Verein dort 2017 mit der Fotoschau „Nur Heimat“ zu Gast. Wie damals wurden auch die aktuellen Drucke alle selbst produziert. Drei der Aussteller haben ihre ursprünglichen Pläne für Foto-Serien umgestoßen und sich stattdessen auf die Corona-Situation eingelassen.

Das bot sich nun einmal an bei dem vorab gewählten verbindenden Thema „zeit/zeichen“. Sie versuchten, die Phase des Lockdowns sichtbar zu machen durch eine Sammlung von selbst gemachten, improvisierten Hinweisschildern an Geschäftstüren (Silvia Schiemann) oder etwas von der gespenstischen Lockdown-Stimmung in leeren Innenstädten, Lebensmittel- und Baumärkten einzufangen (Michael Irmscher). Uli Pohl dagegen nahm den deutschen Hamster-Drang mit Humor und überschrieb seine Serie mit kleiner werdenden Toilettenpapierrollen mit „Keine Panik“. Denn auf seinem letzten Bild hängt wieder eine neue Rolle am Haken.

Die einzelnen Fotografen interpretierten den Titel „zeit/zeichen“ in Farbe und Schwarzweiß, in diversen Formaten, Stilen und mit völlig verschiedenen Denkansätzen. Bei Ellen Dhein sind es Aufnahmen von „Wald(er)leben“, Norbert Hildebrand untersuchte beispielsweise das „Folienzeitalter“ und entdeckte durchaus ästhetische, dem Faltenwurf ähnliche Strukturen bei Plastik, Lack, Alu und Co. Zeiten der Gemeinsamkeit nahm Ursula Neugebauer auf, beschränkte sich aber darauf, die Beine von Karnevalisten, Prozessionsteilnehmern oder Halbmarathonläufern abzubilden. Christiane Harrison hat im Grunde klassische Stilleben arrangiert und abgelichtet, dabei aber Obst, Blumen oder Gefäße mit typischen Gegenständen der Gegenwart wie Fruchtzwerge-Becher, Überraschungsei oder Donut in Klarsichtfolie kombiniert.

Innerstädtische Zeichen des Fahrrad-Zeitalters fotografierte Rainer Mendig in Schwarzweiß, während die Drahtesel in der Serie von Joachim Schultz von vergangenem Zeitgeist erzählen. Das Thema Mobilität interessierte auch Enza Ruvutuso: Bewegungsfreiheit dank Rollatoren. Ein Zeitzeichen für 2019 waren die „Fridyas for Future“-Demonstrationen, bei denen Günther H. Guggenberger die selbst geschriebenen Transparente festhielt.

Auf den prall gefüllten Wänden der Schlossremisen gibt es noch vieles mehr zu entdecken. Etwa das sichtbar gemachte Lebensgefühl von zweisprachig Lebenden, umgewidmete Kirchen oder Weltkriegsgedenken. Zu früheren Zeiten wohl undenkbar wäre die Serie mit einfühlsamen Porträts, bei denen Trudi Ryff-Malucha eine Schwangerschaft begleitete. Dazu gibt es Architektur-Aufnahmen wie die klaren Blicke in Kirchenkuppeln, die Karl-J. Gramann gewährt.

Die Bildfindungsprozesse wurden vom Kölner Fotografen Wolfgang Zurborn begleitet, der auch bei der Präsentation half. Anders als sonst soll, bedingt durch die Corona-Pandemie, die Vernissage über vier Stunden hinweg entzerrt werden, kündigt der Verein an.