Leverkusener Unternehmen Biofrontera ist 320 Millionen Euro wert

Leverkusener Pharmaunternehmen setzt auf Wachstum in den USA : Biofrontera ist 320 Millionen Euro wert

Im Herbst will das junge Pharma-Unternehmen die Gewinnschwelle erreichen. Das Geschäft in den USA soll helfen.

Carsten Maschmeyer hat sich entschuldigt. Dafür, dass er daran gezweifelt hat, dass Biofrontera in den USA erfolgreich ein Geschäft wird aufbauen können. Der TV-bekannte Finanzunternehmer hatte seine Aktien am jungen Leverkusener Pharmaunternehmen verkauft. Später hat Maschmeyer bei Prof. Hermann Lübbert angerufen und eingeräumt, dass er sich in seiner Einschätzung geirrt habe. „Das  rechne ich ihm hoch an“, sagt Lübbert, Vorstandschef von Biofrontera.

Geirrt hat Carsten Maschmeyer sich trotzdem. Denn das Tempo, das Biofrontera beim Aufbau seines US-Geschäfts hinlegte, ist so atemberaubend wie der bis hierher erzielte Erfolg, dass bei dem Manforter Unternehmen mittlerweile die Losung gilt: „Der Schlüssel für den Break-Even liegt in den USA“, wie Vorstandsmitglied Christoph Dünwald kürzlich auf der Hauptversammlung betonte.  Zum Ende des Jahres soll die Gewinnschwelle, der Break-Even-Point, erreicht, am besten überschritten sein, so dass Biofrontera Gewinne verbuchen kann. Dabei könnte der Absatz des Vorzeige-Medikaments Ameluz in den USA entscheidend sein.

„Dort gibt es ein sehr gut entwickeltes Gesundheitssystem“, sagt Hermann Lübbert. „Die Leute sind gut versichert.“ Bedeutet: Während die Zahl der Fälle von Aktinischer Keratose (Vorstufe von weißem Hautkrebs) in Europa und den USA ähnlich hoch sei, werden in Europa 2,2 Millionen  Fälle auch behandelt, in den USA 12,5 Millionen, berichtet der Manager. Und weil in den USA die gesetzlichen Einschränkungen bei den Vertriebswegen geringer seien als etwa in Deutschland, „können wir dort unsere Arznei Ameluz direkt an den Arzt verkaufen, und 100 Prozent der Einnahmen  kommen an uns zurück“.

An dem Punkt will Biofrontera  ansetzen: „Derzeit machen wir noch Verluste, wir müssen weiter unser Geschäft, vor allem den Vertrieb, aufbauen.  Wir sind eine Arzneimittelfirma, die von der Entwicklung bis zum Vertrieb alles selbst macht. Wir müssen eine gewisse Größe haben“, erläutert der Vorstandsvorsitzende. In den USA etwa brauche  es einen Vertrieb und einen separaten medizinischen Außendienst, einen Kundenservice und  diverse andere Funktionen. Vieles aber, etwa  in den Bereichen Zulassung und  klinische Studien, „bleibt in Leverkusen. Deswegen wachsen wir permanent – in den USA wie auch in Manfort.“

Der Standort sei gut, aber mittlerweile müsse Biofrontera alles mieten, was möglich sei. „In Leverkusen sind 87 Mitarbeiter beschäftigt, davon zehn im Außendienst.“ In Großbritannien will Biofrontera stärker Fuß fassen, beschäftigt dort drei Mitarbeiter, in in Spanien acht und in den USA 70. Lübbert spricht von 170 Mitarbeiter insgesamt. Zum Vergleich: 2012 waren es 30. Ebenso rasant gewachsen ist der Börsenwert der Firma, die sich auf die Behandlungen von Hauterkrankungen spezialisiert hat, – obwohl sie noch keinen Gewinn macht. Im Januar 2016 lag er bei 48 Mio. Euro, ein Jahr später bei 122, zwei Jahre später bei 160 Mio. Euro. Aktuell ist Biofrontera 320 Mio. Euro wert.

„Im Mai 2016 haben wir die Zulassung für Ameluz in den USA bekommen und entschieden, statt auszulizensieren selbst einen Standort und Vertrieb in den USA aufzubauen. Das war riskant.  Aber es hat sich gelohnt. Im Oktober 2016  kam Ameluz  auf den Markt.“

Das Flaggschiff hat noch mehr Potenzial, sagt Lübbert. „Wenn man eine Zulassung hat, muss man darauf hinarbeiten, die Anwendung zu verbreitern, um das volle Potenzial ausschöpfen zu können.“ Ameluz töte Zellen ab, die schneller wachsen als ihre Umgebung. So könne es neben der Krebstherapie auch bei schwerer Akne, bei anderen Bakterien- und Pilzinfektionen und bei Warzen angezeigt sein. Etliche Indikationen, denen sich Biofrontera nach und nach nähern will. Vorrangig sei derzeit Akne.

Apropos Potenzial: Hermann Lübbert ist überzeugt, dass das von ihm Ende der 90er Jahre gegründete Unternehmen das Potenzial hat, sich sehr profitabel zu entwickeln, allein schon für die Aktionäre und die Mitarbeiter. „Unser Ziel ist es, eigenständig zu bleiben.“

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