Leverkusener Streetlife-Festival steht vor dem Aus

Verein Jazz Lev: Streetlife-Festival steht vor dem Aus

Schock! Das Leverkusener Musikfestival "Streetlife" steht vor dem Aus. Die Veranstalter wollen nach 22 Jahren aufhören. Doch die Frage um einen möglichen Nachfolger ist noch nicht geklärt.

Wie jetzt bekannt wurde, hat sich der gesamte Vorstand des Vereins "Jazz Lev" um Wolfgang Orth - Vorsitzender und Besitzer der Kultkneipe "topos" - und Birgit Kremer, die stellvertretende Vorsitzende, am Sonntag einstimmig dafür ausgesprochen.

"Die Entscheidung ist uns ganz bestimmt nicht leicht gefallen und wir sind alle sehr traurig", unterstrich Kremer. "Immerhin haben wir 22 Jahre viel Herzblut in die Veranstaltung investiert. Aber wir als kleiner Verein sehen uns nicht mehr in der Lage, das mehrtägige Festival fortzuführen." Die Verantwortung sei insgesamt zu groß geworden. "Wir hatten bisher richtig viel Glück", blickte Kremer zurück. "Bis jetzt ist immer alles gut gegangen."

Das gelte zum einen fürs Wetter. "Was wäre, wenn es drei Tage nur regnet? Das könnten wir finanziell nicht verkraften", offenbarte Kremer. Zum anderen hadern die Veranstalter mit der Sicherheit. Streetlife sei das größte und älteste Straßenfest, bei dem fast 50 Bands an zweieinhalb Tagen auf drei Bühnen rund um das Jazzlokal "topos" auftraten. Regelmäßig strömten tausende Besucher dafür nach Leverkusen - viele von ihnen reisten aus ganz Deutschland an. Dafür habe es zwar immer ein eigens ausgearbeitetes Sicherheitskonzept gegeben, aber die Umsetzung werde mit nur 20 aktiven Helfern zunehmend schwieriger. Kremer fasste zusammen: "Wir hatten 22 Jahre ein wunderbares Fest ohne Vorkommnisse. Und wenn es am Schönsten ist, soll man eben aufhören."

Ungeachtet dessen feiert der Verein "Jazz Lev" im Sommer sein 40-jähriges Bestehen, ein genauer Termin steht noch nicht fest. Und auch das 50-jährige topos-Jubiläum im kommenden Jahr soll öffentlich auf der Hauptstraße zelebriert werden. "Aber alles im kleinen Rahmen mit örtlichen Bands, die uns bisher begleitet haben", verdeutlichte Birgit Kremer.

"Schade", bedauerte Fritz Rüber, der als ehemaliger Wirt der Musikkneipe "Grammphon" vor zehn Jahren das Leichlinger "Grammofestival" aus der Taufe hob. "Rund um das topos war immer eine super Stimmung und eine tolle Atmosphäre. Ich habe es stets genossen." "Egal, welche Veranstaltung wegbricht: Die Stadt wird stets ein Stück ärmer an Kultur", kommentierte Fabian Stiens, Veranstalter der Leverkusener Jazztage. Open-Air-Veranstaltungen wie Streetlife mit Sicherheitsvorkehrungen, ohne Eintritt respektive Etat, seien in der Form immer schwerer zu realisieren. "Streetlife ist eine Institution in Leverkusen. Es wäre sehr schade, wenn es das nicht mehr geben würde", ergänzte Stiens. Tatsächlich besteht Hoffnung, dass ein Nachfolger in die Fußstapfen von Orth und Co. treten könnte. Ende Januar falle die Entscheidung, verriet Kremer ohne einen Namen zu nennen, ob und mit wem es weiter gehe.

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(RP)