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Leverkusener Sportlegende Willi Holdorf gestorben

Früherer Olympiasieger : Willi Holdorf ist tot – Abschied von einer „Lichtgestalt“

Der frühere Olympiasieger im Zehnkampf starb 80-jährig. Er war ein sportliches Multitalent und Vorbild einer Generation. Als Athlet und Trainer wirkte er viele Jahre in Leverkusen und setzte sich politisch für die Unabhängigeit der Stadt ein.

Die Stadt trauert um Willi Holdorf. Der Zehnkampf-Olympiasieger von 1964 und Ehrenmitglied des TSV Bayer 04 Leverkusen ist am Sonntag gestorben. Er wurde 80 Jahre alt. Nicht nur als Leichtathlet bewies der Diplom-Sportlehrer Vielseitigkeit: Als Bobfahrer holte er EM-Silber, später trainierte er die Bundesliga-Fußballer von Fortuna Köln.

„Wir sind sehr traurig. Eine prägende Persönlichkeit des deutschen Sports ist von uns gegangen“, sagte Jörn Elberding,  Geschäftsführer der Leichtathletik-Abteilung des TSV Bayer 04 Leverkusen am Montag. „Alle Leichtathletik-Freunde verbinden mit Willi Holdorf bleibende Erinnerungen. Wir trauern um eine Lichtgestalt. Wir sind in diesen Stunden in Gedanken bei seiner Familie und seinen Freunden.“

Rüdiger Scholz, Leverkusener Ratsherr und sportpolitischer Sprecher der CDU-Landtagsfraktion, würdigte auch Holdorfs politischen Einsatz für die Unabhängigkeit der Stadt: „Sein überragendes gesellschaftliches Engagement als Sprecher der Initiative ,LEV muß leben` hat den entscheidenden Beitrag dazu geleistet, dass die Landespolitik im Jahr 1974 noch einmal die Pläne der Eingemeindung Leverkusens nach Köln überdacht hat und unsere Stadt unabhängig und kreisfrei geblieben ist.“

In Glücksstadt an der Elbe aufgewachsen, spielte er schon als Knirps Fußball und galt als pfeilschneller Torjäger. Doch der große Wurf gelang ihm als Leichtathlet. Mit 19 wurde er Deutscher Juniorenmeister im Zehnkampf. 1960 erfolgte der Wechsel nach Leverkusen, Trainerlegende Bert Sumser nahm den vielseitigen Schleswig-Holsteiner unter seine Fittiche.

1964 in Tokio erkämpfte er als erster Deutscher den Olympiasieg im Zehnkampf. Bei den abschließenden 1500 Metern durfte der Mann von Bayer 04 maximal 18 Sekunden auf seinen Rivalen Rein Aun aus der Sowjetunion verlieren. Als er schließlich mit zwölf Sekunden Rückstand torkelnd ins Ziel kam, brach Willi Holdorf vollkommen ausgelaugt zusammen. Erst einige Zeit später konnte er sich über das Olympia-Gold freuen.

Willi Holdorf bewältigte 21 Zehnkämpfe, davon acht als Sieger. Zwischen 1959 und1965 wurde er 19 Mal in die Nationalmannschaft berufen und absolvierte dabei 37 Einsätze. In den verschiedensten Disziplinen holte er insgesamt 15 deutsche Meistertitel.

Seine Vielseitigkeit bewies Willi Holdorf auch als Fußball-Trainer beim damaligen Bundesligisten Fortuna Köln und als Leichtathletik-Coach in Leverkusen. Stabhochspringer Claus Schiprowski führte er 1968 als Trainer zu Olympia-Silber, Hürdenläufer Günther Nickel in die Weltspitze. Um das deutsche Tennis machte er sich ebenfalls verdient, arbeitete für das Davis-Cup-Team als Konditionstrainer. Er war NOK-Mitglied und Mitglied des Bewerbungskomitees für die Olympischen Spiele an Rhein und Ruhr – und ergriff auch in der Diskussion um die deutsche Bewerberstadt für die Spiele 2024 für Hamburg Partei.

2011 wurde der Tausendsassa in die Hall of Fame des deutschen Sports aufgenommen.

(bu)