Leverkusener Genossen schließen Ratsfrau Koepke aus „Die SPD steht sich selbst im Weg“

Update | Leverkusen · Die Leverkusener Ratsfraktion der SPD schrumpft weiter. Nach Sven Tahiri gibt es mit Ariane Koepke einen weiteren prominenten Abgang. Die Ratsfrau kritisiert Parteistrukturen. Aus dem Ortsverein Wiesdorf kommt Unmut.

Ariane Koepke wurde einstimmig aus der Stadtratsfraktion der SPD ausgeschlossen.

Ariane Koepke wurde einstimmig aus der Stadtratsfraktion der SPD ausgeschlossen.

Foto: Miserius, Uwe (umi)

Paukenschlag in der Ratsfraktion der SPD am Mittwochabend: Einstimmig haben die Genossen Ariane Koepke aus der Ratsfraktion ausgeschlossen. Damit verliert die SPD nach Sven Tahiri ein weiteres Fraktionsmitglied. Der in Steinbüchel direkt gewählte Ratsherr Sven Tahiri hatte Mitte September die SPD-Fraktion verlassen und ist der CDU-Fraktion beigetreten. Den Schritt begründete er mit Vertrauensverlust. Mit dem Ausschluss Koepkes verändern sich die Machtverhältnisse im Rat weiter zuungunsten der Sozialdemokraten. Größte Fraktion bleibt die CDU mit 15 Sitzen. Die SPD als zweitstärkste Fraktion verliert einen weiteren Sitz und ist künftig noch mit elf Mandaten vertreten. Wie es hieß, ist Koepke aus der Partei ausgetreten. Sie ist nicht nur Ratsfrau, sondern auch stellvertretende Parteivorsitzende in Leverkusen. Als SPD-Landtagskandidatin unterlag sie 2022 als Direktkandidatin Rüdiger Scholz von der CDU.

Vereinfacht gesagt wirft Fraktionschefin Milanie Kreutz Ariane Koepke Arbeitsverweigerung vor. „Sie kam zuletzt nicht mehr zu Fraktionssitzungen und nur noch stundenweise zu Ratssitzungen“, begründet Kreutz den Rauswurf Auch habe Koepke nicht mehr an Ausschusssitzungen des Stadtrats teilgenommen und das mit ihrer beruflichen Belastung begründet. Die 45-Jährige arbeitet als angestellte Zahnärztin. „Ich kann nicht länger vertreten, dass sie ihr Amt nicht ausfüllt“, sagt die Fraktionschefin. „Wir hatten bereits ein hartes Jahr, ich will nun Ordnung in der Fraktion.“

Ariane Koepke will ihr Mandat im Stadtrat als parteilose Ratsfrau weiterführen. Der erste Schritt zur einer Trennung von der SPD sei von ihr selbst augegangen, als sie aus der Partei austrat, berichtet sie. „Ich habe der Fraktion angeboten zu bleiben, um dort Arbeitsplätze zu sichern“, sagt sie. Doch das sei nicht angenommen worden. „Der Schritt fällt mir schwer“, betont Koepke. „Machtspielchen“ und „Postengerangel“ innerhalb der Partei hätten sie am Ende bewogen auszutreten. Bei der Besetzung von Posten werde längst nicht immer nach Kompetenz entschieden. Koepke: „Eine Partei mit guten Grundsätzen und vielen guten Leuten steht sich selbst im Weg.“ Sie wolle der SPD nicht schaden. Ihren politischen Zielen will sie auch als Einzelvertreterin treu bleiben, betont Koepke, und wo möglich auch weiter mit Teilen der SPD zusammenarbeiten.

 SPD-Fraktionschefin Milanie Kreutz mahnt Anwesenheit an.

SPD-Fraktionschefin Milanie Kreutz mahnt Anwesenheit an.

Foto: Miserius, Uwe (umi)

Bedauern über den Rauswurf der Ratsfrau kommt aus dem SPD-Ortsverein Manfort/Wiesdorf, aus dem Koepke kommt. Der Ortsvereinsvorsitzende Max Haacke sorgt sich „um den Zustand von Partei und Ratsfraktion“. „Ariane hat sich im Lauf der Jahre zu einem äußerst wertvollen Mitglied unserer SPD entwickelt“, schreibt Haacke in einer persönlichen Erklärung. Die Ratsfrau habe sich „mit großem Engagement um das Mandat in Wiesdorf gekümmert“. Haake nennt das Vorgehen der Fraktion „schlechten Stil“. „Ich erwarte, dass Sozialdemokraten in der Lage sein sollten, solche Angelegenheiten auf einem respektvollen und konstruktiven Weg zu klären. Leider wurde ich enttäuscht.“

Für Fraktionschefin Milanie Kreutz wird es durch den Rauswurf vielleicht ruhiger, aber nicht einfacher. Sie wird die eigenen Reihen enger schließen müssen. Weitere prominente Abgänge können sich die Leverkusener Sozialdemokraten nicht mehr leisten, wollen sie in der Stadt weiter als sichtbare politische Größe wahrgenommen werden.

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