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Leverkusener Schüler besuchen Senioren virtuell

Haus Upladin : Virtueller Besuch von den Leih-Enkeln

Marienschüler nahmen Podcasts für Senioren im Haus Upladin auf und sorgten während der Kontaktbeschränkung für Unterhaltung. Das Projekt kam bei den Bewohnern gut an und soll fortgesetzt werden.

Seit Jahren gibt es einen regelmäßigen Austausch zwischen der Marienschule und dem CBT-Haus Upladin. Schüler der Literaturkurse in den Stufen 8 und 9 gingen in das Altenheim, um Bewohnern Gedichte vorzutragen oder zum Beispiel einen Loriot-Sketch vorzuspielen. In Zeiten von Corona und Besuchsbeschränkungen war das natürlich nicht mehr möglich. Andererseits warten die Senioren mehr denn je auf Anregung und Ablenkung. Der Kontakt sollte nicht abbrechen, gerade jetzt nicht, fanden Schüler und Lehrer, die sich ja selbst in einer außergewöhnlichen Situation und zunächst völlig schülerfreien Schule zurecht finden mussten. Schülersprecherin Johanna Büsch entwickelte zusammen mit Mathematik- und Religionslehrer Ansgar Szwierczynski ein Konzept, bei dem niemand sich einem Risiko aussetzen musste: Als sogenannte „Leih-Enkel“ nahmen freiwillige Marienschüler selbstständig kurze Podcasts auf und sendeten sie an die Deutschlehrerin Leonie Kleine, die jede Audio-Datei auf Qualität und Inhalt überprüfte. Noch am gleichen Tag wurden die Beiträge dann auf eine Homepage hochgeladen, von der aus die Senioren im Upladin unkompliziert darauf zugreifen konnten und weiterhin können.

„Wenn ich mir die Podcasts anhöre, weiß ich, dass meine Leih-Enkel an mich denken.“, sagt eine Seniorin auf Station 4 und macht den Lautsprecher wieder lauter, um Fabrice zuzuhören, der gerade erzählt, wie er letztes Jahr seine Ausbildung zum Skilehrer begonnen hat. „Die Idee zu diesem Projekt hatten wir sehr schnell nach der Schulschließung, denn uns war klar, dass auch die Bewohner in den Seniorenheimen gar keinen Besuch mehr empfangen durften“, sagt Schülersprecherin Johanna Büsch.

Eine Rede der Bundeskanzlerin, in der Angela Merkel Kindern empfahl, Oma und Opa eine Videobotschaft zu schicken anstatt sie zu besuchen und dabei einem Infektionsrisiko auszusetzen, gab den Anstoß für das außergewöhnliche Projekt. Wie viele echte Enkel haben dann auch ein gutes Dutzend Leih-Enkel ihre virtuellen Besuche geplant und durchgeführt. Dazu bedurfte es etwas Technik. Damit die Empfänger die Audio-Botschaften auch abrufen konnten, wurde das Seniorenheim mit geliehenen Tablets der Marienschule ausgerüstet. Beim unkomplizierten Download half das Personal der einzelnen Stationen, wo das auch neue Erfahrungen waren. „Die Podcasts sind – nach anfänglichen Berührungsängsten – sehr gut bei den Bewohnern angekommen“, versichert Upladin-Sprecher Olaf Bender. Sie waren richtig gerührt über Engagement und Kreativität der jungen Leute.

„Der Opa einer Freundin von mir lebt im Upladin, und seine Station hört sich jeden Tag die neuen Podcasts an“, erzählt Johanna Büsch, die sich darüber freut, wie gut die kreative Idee angekommen ist. Übrigens auch auf Seite ihrer Schule. „Es war schon toll zu sehen, wie viele Lehrkräfte ihre Hilfe angeboten haben, und es ist immer noch schön zu sehen, wie viele verschiedene Podcasts hochgeladen werden.“

Ein Geschwisterpaar habe Musikstücke mit Klavier und Gesang eingespielt, einige erzählen aus ihrem Leben, und eine Familie habe sogar eine eigene Nachrichtensendung aufgenommen – mit lauter guten Nachrichten. Andere sprachen eigene Geschichten auf oder lasen Gedichte. Und jeder Beitrag beginnt mit einer persönlichen Vorstellung, so wie bei einem echten Besuch.

Das Projekt soll weitergehen, auch wenn jetzt beschränkt Besuche wieder möglich sind: „Da ist in den letzten Wochen eine Bindung entstanden und wenn man einmal durch einen Podcast Leih-Enkel wird, dann bleibt man es auch eine Weile.“ Eine entsprechende Umfrage habe ergeben, dass es weiterhin Interesse gebe. Vielleicht würden es nicht mehr so viele Podcasts, weil sich seit Wiederbeginn des Präsenzunterrichts Schüler und Lehrer erst an die neue Situation gewöhnen müssen. Aber grundsätzlich ist die Bereitschaft immer noch groß.