Leverkusener schreiben Buch Eine Stadt voller Glücksmomente

Leverkusen · Nach einem Band mit dunklen Erzählungen erschien nun eine Sammlung positiver Geschichten und Momenten des Glücks aus Leverkusen.

 Ellen Lorentz hat mit weiteren Autoren das Buch „Glücksmomente“ mit 14 kurzweiligen Geschichten aus Leverkusen herausgegeben.

Ellen Lorentz hat mit weiteren Autoren das Buch „Glücksmomente“ mit 14 kurzweiligen Geschichten aus Leverkusen herausgegeben.

Foto: Miserius, Uwe (umi)

Wo bitte bleibt das Positive? Ungefähr so reagierte Oberbürgermeister Uwe Richrath, als ihm die Autorin Ellen Lorentz im vergangenen Jahr die schöne und schaurige Sammlung „Dunkle Geschichten aus Leverkusen“ vorstellte. Jetzt hat sie im Verbund mit weiteren Autoren nachgeliefert und das Buch „Glücksmomente“ mit 14 kurzweiligen Geschichten aus Leverkusen herausgegeben.

Denn es gibt sie durchaus, diese positiven Aspekte in der Stadt, die man als Chemiemetropole und wegen des Autobahnkreuzes als Dauerbrenner in den Verkehrsmeldungen kennt. Da muss man nicht einmal den Fußball bemühen. Den hat das Team nämlich außer Acht gelassen und sich zwei andere Facetten des Sports herausgegriffen. Zum einen hat Ellen Lorentz den „Medaillenschmied der Leverkusener Goldmädels“, Gerd Osenberg, interviewt. Er war 40 Jahre für das Training der Leichtathleten zuständig, darunter Olympiasiegerinnen wie Liesel Westermann, Heide Rosendahl, Ulrike Meyfarth, Heike Henkel.

Als weiteres Glücksmoment schreibt sie über ein Produkt „made in Leverkusen“, das die Sportwelt revolutionierte. Dorlastan heißt die Faser, die Mitte der 1970er Jahre figurbetontes Gymnastikoutfit und die neue Mode ermöglichte. Mit großem Interesse und viel Freude hat sie sich auch die Früchte bürgerschaftlichen Engagements angesehen, denen sie je ein Kapitel widmete: die Balkantrasse, der Freudenthaler Sensenhammer und nicht zuletzt das Naturgut Ophoven.

Als herausragende Umsetzung einer städtebaulichen Vision beschreibt Ellen Lorentz das Projekt Neue Bahnstadt Opladen, für das sie die langjährige Chefin Vera Rothes befragte. „Ich lebe ja erst seit zwölf Jahren in Leverkusen“, erklärt Ellen Lorentz. Deswegen habe sie unbedingt „Eingeborene“ in ihrem Autorenteam haben wollen, die hier gut vernetzt sind und Teile der Historie selbst erlebt haben. So wie den Leiter des Bürgerdialogs im Chempark, Ulrich Bornewasser, der an Zeiten erinnert, in denen rauchende Schornsteine und Schadstoffbelastung der Luft beziehungsweise der Flüsse als Zeichen für florierende Wirtschaft und Arbeitsplätze in Kauf genommen wurden. Er zeichnet die enorme Entwicklung der vergangenen 70 Jahre nach, die konsequente Reduzierung von Schadstoffen durch Abwasserklärung und Filteranlagen. Bornewasser hat außerdem ein Produkt aus den Bayerwerken vorgestellt, das auf ganz andere Weise für Schlagzeilen sorgte. Blankophor heißt der Weißtöner für Papier, den Bayer 1955 auf den Markt brachte. Damit waren die angeblichen Hitler-Tagebücher, die Stern-Reporter Gerd Heidemann1983 von Konrad Kujau erworben hatte, als Fälschung entlarvt. Das Papier der 27 Bände enthielt Blankophor.

Jazztagen und Musikschule sind je ein Kapitel gewidmet. Kunsthistorikerin Susanne Wedewer-Pampus hat eine Zusammenfassung der Leverkusener Kunst- und Kulturgeschichte geschrieben und dabei festgestellt, dass die vieles engagierten Frauen zu verdanken hat. Pfarrer Detlev Prößdorf zeigt, wie sich die Christuskirche von der „festen Burg“ zur offenen Stadtkirche gewandelt hat. Wer das Inhaltsverzeichnis durchliest, dem wird vermutlich noch mehr einfallen, was als Glücksmomente in der Stadt gilt.

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