Leverkusener Neubauten im Hochwassergebiet

Bielertviertel : Neubauten im Hochwassergebiet

Die Bautätigkeit im Bielertviertel geht voran, doch wurde der Bebauungsplan gestoppt. Schutz am Wiembach geplant.

Der Bebauungsplan rund um das Bielertviertel in Opladen schlug vor rund zwei Jahren hohe Wellen. Unter anderem sollen 60 bis 70 Wohneinheiten mit Tiefgaragen zwischen Rehbockanlage und Bielertstraße, durch einen Investor gebaut, entstehen. Für die Anwohner war das Vorhaben damals zunächst ein Schock. Schnell haben sie sich zu einer Bürgerinitiative zusammengefunden und ihre Bedenken bei der Stadtverwaltung eingereicht. Sie beziehen sich auf die Verkehrssituation und das Grundwasserproblem.

Im vergangenen Jahr fiel dann der Startschuss für den ersten Bauabschnitt auf dem Investorengrundstück. Zwei Mehrfamilienhäuser an der Böcklerstraße werden derzeit gebaut. Rund 450.000 bis 500.000 Euro kosten jeweils die zwölf Eigentumswohnungen mit rund 90 bis 100 Quadratmeter Wohnfläche. Fast alle Wohnungen sind bereits verkauft, einzig Maisonette-Wohnungen sind noch frei. Der Bezugstermin ist auf das erste Quartal 2021 datiert.

Während die beiden Mehrfamilienhäuser sich im Bau befinden, liegt der eigentliche Bebauungsplan allerdings bereits seit geraumer Zeit still. Das hat auch einen guten Grund: Die Stadt Leverkusen hat die Bedenken der Bürger zur Hochwasserproblematik ernst genommen. Die Opladener CDU hatte bereits vor zwei Jahren in einer Stellungnahme kritisch geäußert, dass das Gebiet in unmittelbarer Wuppernähe hochstehendes Grundwasser hat. Doch es ist nicht die Wupper, die die Sorgen der Stadt größer werden ließ, sondern der Wiembach. Denn dieser ist beim Unwetter im Sommer 2018 fast übergelaufen und hätte beinahe Straßen und anliegende Häuser und Keller überflutet.

Das Baudezernat lässt deshalb verlauten: „Die Wohnungsbauprojekte Böcklerstraße/Bielertstraße des Investors liegen in einem durch die Bezirksregierung Köln festgesetzten Überschwemmungsgebiet des Wiembaches. Im Überschwemmungsgebiet ist im Rahmen des Bebauungsplanverfahrens ein Nachweis zur Hochwasserneutralität der Planung zu erarbeiten.“ Das Bebauungsplanverfahren dürfe erst dann weitergeführt werden, wenn die Hochwasserschutzanlage für den Wiembach erstellt wurde.

Derzeit arbeiten die Technischen Betriebe der Stadt an Lösungsmöglichkeiten zum Hochwasserschutz der Anwohner, die den bestehenden geologischen Verhältnissen gerecht werden. Denn die Hochwasserkarte für ein 100-jähriges Hochwasser zeigt, dass nicht nur das Bebauungsplanareal überflutet würde,  sondern weite Teile des Viertels von der Fürstenbergstraße über die Adalbert-Stifter-Straße bis zur Düsseldorfer Straße.

Ein Landschaftsplaner wurde beauftragt, ein Gestaltungskonzept für den Wiembach vorzulegen, dass einerseits die Untersuchungen zur hydraulischen Leistungsfähigkeit des Gewässers berücksichtigt und andererseits einen Entwurf zum Hochwasserschutz vorsieht, der auch in der Öffentlichkeit eine breite Zustimmung finden soll.

Die Ergebnisse sollen voraussichtlich im Herbst 2020 vorgestellt werden.

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