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Leverkusener Musikschule in der Kritik

Musikschule : Eltern kritisieren Krisen-Management

Unruhe an der Musikschule: „KulturStadtLev“ muss sich vorwerfen lassen, ungenügend informiert zu haben. Die schlechte Bezahlung des Personals ruft Gewerkschaft und Politiker auf den Plan.

Es brodelt gewaltig hinter den Kulissen der städtischen Musikschule Leverkusen. Dabei geht es weniger um Musik, sondern um hochkochende Emotionen. Eine von mehreren Ursachen: Die Eltern sind unzufrieden mit dem Krisenmanagement der „KulturStadtLev“ während der Corona-Krise. Die Betriebsleitung habe es in den letzten sieben Wochen seit Mitte März versäumt, so der Vorwurf, über die Einstellung des Präsenzunterrichtes zu informieren.

„Natürlich konnte keiner die Situation überblicken“, sagte Irene Hammermayer, Vorsitzende der Elternvertreter. „Aber einige freundliche Zeilen von der Betriebsleitung hätte man mindestens erwarten dürfen.“ So setze man ein gutes Verhältnis aufs Spiel und riskiere, dass sich Schüler enttäuscht abmeldeten. Einige Eltern hätten dies bereits geplant, andere seien unsicher, was mit den Gebühren geschehe, ob sie weiterhin bezahlen sollten oder ob es Erstattungen gebe. „Ich finde es sehr schade, da wir natürlich die Gebühren weiterhin zahlen, aber keine Rückmeldung von der Schule kommt“, wird eine Aussage von Eltern beispielhaft genannt.

Doch das ist nur die Spitze des Eisbergs. Ein ebenso schlechtes Licht auf die Musikschule wirft nach Meinung von Hammermayer die „ungerechte Situation der Lehrkräfte“, die sich durch Corona zusätzlich verschärft habe. Die Folgen seien eklatant, verdeutlichte Martin Ehrhardt, Sprecher der Honorarbeschäftigten: „Aktuell finden wir im Bereich der musikalischen Früherziehung nahezu keine Fachkräfte mehr, da sich die Bedingungen derart verschlechtert haben, dass keiner dieser Arbeit nachgehen möchte.“ Dazu komme, dass Lehrkräfte zu Allgemeinbildenden Schulen abwanderten, weil sie dort bessere Bedingungen fänden. Festangestellte Musikpädagogen erhielten im öffentlichen Dienst ein Gehalt drei Gehaltsstufen unterhalb ihres akademischen Grades, doch Honorarkräfte würden sogar zu einem weit darunter liegenden Dumpinglohn arbeiten, so Erhardt, der unterstreicht: „Ich halte die Stärkung der Musikschule für dringend geboten, um sie zukunftssicher aufzustellen.“ Die sozialversicherungspflichtige und tarifgebundene Beschäftigung der frei arbeitenden Musik-Experten sei somit unumgänglich.

Mit diesem Anspruch liegt Ehrhardt im Übrigen auf einer Linie mit weiteren lokalen Organisationen und Parteien. So mahnte Verdi-Vorstand Maik Gößling dringende Verbesserungen an und bezeichnete die Beschäftigung ohne Lohnfortzahlung bei Krankheit oder Urlaub als „nicht akzeptabel“ für die Stadt Leverkusen als Arbeitgeber. Rückenwind kommt aus der Politik. CDU-Fraktionschef Stefan Hebbel und Ratsherr Bernhard Marewski reichten jetzt einen Antrag ein, man möge doch bitte prüfen (siehe Info), ob „die Personalkosten der Honorarkräfte der Musikschule der Stadt Leverkusen dauerhaft in den Kernhaushalt übertragen werden können. Somit müssen diese nicht mehr von der Musikschule der Stadt Leverkusen gestemmt werden.“ Begründet wird dies mit dem „wichtigen Beitrag“, den die Musikschule leiste, „um unsere Stadt lebenswerter zu machen.“ Überdies sei die Bildungsstätte „zu einem wichtigen Partner im Bereich der kulturellen und insbesondere der musikalischen Entwicklung und eines menschlich-klimatischen Miteinanders der Stadt geworden.“ Nach Meinung von Schul- und Kulturdezernent Marc Adomat (CDU) seien die Lehrkräfte an der Musikschule „sowieso die Besten“, so erklärte er unlängst und ergänzte, sie übernähmen ihre Aufgaben „mit Herzblut und Engagement.“

Ob sich eine Stadt eine gesunde Bildungseinrichtung mit festangestellten Musikpädagogen leiste, sei „stets eine Frage des politischen Willens“, bemerkte dazu die VerdiLandesfachgruppe Musik NRW. Was in Städten wie Bochum, Hamm oder Mülheim an der Ruhr für die Qualitätssicherung der Musikschule getan würde, sollte auch in Leverkusen möglich sein. Die Landesregierung habe jedenfalls mit ihrer Musikschuloffensive vorgelegt, nun sei die Kommunalpolitik gefragt.