Leverkusener Museum Morsbroich zeigt die Dauerleihgaben des Landes NRW

Museum Morsbroich zeigt die Dauerleihgaben des Landes : Auf Dauer in der Sammlung Morsbroich

Das Museum Morsbroich zeigt die Dauerleihgaben des Landes NRW aus der ehemaligen Portigon-Sammlung.

Die Wellen schlugen hoch, als die WestLB-Nachfolgerin Portigon im Frühjahr 2015 bekannt gab, sich im Zuge des Rückbaus von ihrem Kunstbesitz trennen zu wollen. Nach heftiger öffentlicher Diskussion kaufte das Land NRW die 297 Kulturgüter für knapp 30 Millionen Euro an, um sie für die Bürger zu bewahren und zugänglich zu machen. Davon profitierte auch die städtische Sammlung Morsbroich, die zwölf hochkarätige Kunstwerke der ehemaligen Portigon-Sammlung als Dauerleihgaben bekam. Zehn davon sind derzeit in den beiden Nebenräumen der Grafiketage zu sehen, die beiden weiteren, ein Materialbild von Daniel Spoerri und eine Assemblage von Isa Genzken, sollen später in entsprechenden Zusammenhängen gezeigt werden, berichtet der stellvertretende Museumsleiter Fritz Emslander.

Schließlich wurden die Kunstwerke nicht zufällig übers Land verteilt, sondern nach inhaltlichen Gesichtspunkten vergeben. Wie viele andere Häuser hat auch das Museum Morsbroich eine (um einige Stücke umfangreichere) Wunschliste abgeben können und eine Begründung, warum die jeweiligen Werke eine sinnvolle Ergänzung des Bestandes sind, beziehungsweise eine Lücke in der Sammlung schließen.

Die Farblithografie „Hollow Man’s Cave“ stammt aus Motherwells letztem Lebensjahr, 1991. Foto: Museum Morsbroich

Ein solcher Lückenschluss ist die Zuwendung des Bildes „Melonen“ von Thomas Schütte, dessen Name im Morsbroicher Besitz bisher völlig fehlte. Als bedeutender Künstler der Gegenwart war er zwar mit Leihgaben in diversen Ausstellungen im Schloss vertreten, etwa in den Präsentationen „Kavalierstart“ oder „Keramische Räume“. „Deswegen haben wir auch eine gute Beziehung zu ihm“, versichert Emslander. Aber erst jetzt ist er mit dem Werk von 1986 in Lackfarbe auf Papier auch in der Sammlung vertreten.

Die Radierung „La Casa de la Mancha“ hat Robert Motherwell 1984 gefertigt. Foto: Museum Morsbroich

Die frühe Arbeit stammt aus einer ganzen Serie von Melonenbildern, die wohl durch eine gesundheitliche Krise des Künstlers ausgelöst wurde. Gesundes Essen taucht auch in seiner bildhauerischen Arbeit auf. Nach der legendären Kirschsäule für Münster schuf Schütte 2017 eine „Melonensäule“ in Marl.

Zwei Einzelausstellungen widmete das Museum Morsbroich dem amerikanischen Künstlers Robert Motherwell, die erste bereits 1954 und dann 50 Jahre später in 2004. Von ihm bekam die Sammlung nun dauerhaft zwei bedeutenden Einzelstücke, die gegenüber den Blättern aus seiner Lyrik-Serie von 1965 hängen, die der Museumsverein angeschafft hat. Die älteren Arbeiten in Tusche auf Papier sind Anknüpfungspunkt für die größere Radierung „La Casa de la Mancha“ von 1984 und die Farblithografie „Hollow Man’s Cave“ aus seinem letzten Lebensjahr 1991, die alle durch Literatur angeregt wurden.Motherwell war sehr belesen und hat sich mit Philosophie, insbesondere der asiatischen, beschäftigt. In den 1980er Jahren hat er sich mit den Schrecken des spanischen Bürgerkriegs auseinandergesetzt und das Ringen um Leben und Tod mit warmem Orange und blockhaft aufgetragenen Schwarz in seiner Radierung ausgedrückt.

Die „Nouveau Realistes“ der 1960er Jahre, zu denen Gérard Deschamps gehörte, gingen mit dem Thema Krieg deutlich brachialer um. Das zeigt die dicke Metallplatte „Einschüsse“, die der Künstler 1961  – Hiroshima vor Augen  – auf dem Schießstand bearbeitet hat. Einschusslöcher, Schmauchspuren und steckengebliebene Projektile hat er zusätzlich farblich überarbeitet. Die neu angekommenen Blätter „Sechsteilige Rede“, die Franz Erhard Walter 1981 mit Aquarell und Bleistift auf Papier schuf, präsentiert das Museum zusammen mit zwei konzeptionellen Zeichnungen der 1960er Jahre aus der eigenen Sammlung, die deutlich theoretischer sind als die farbigen neueren Arbeiten. Diese sind als Bühnenbild-Miniaturen zu verstehen, die den Betrachter zur Interaktion auffordern.

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