Leverkusener lebt auf einem Hausboot

Wohnen auf dem Hausboot : Ein freies Leben ohne Bügelzimmer

Klaus Larisch hat sich auf einem Hausboot im Hitdorfer Hafen eingerichtet. Auf  Komfort verzichtet er auf der umgebauten amerikanischen Yacht gerne zugunsten von Freiheit und Leichtigkeit auf dem Wasser. 

Wenn er ins Bad will, muss er den Kopf einziehen. Wenn er Wäsche aufhängen will, muss er sich durch eine kleine Luke drängen. Alles an seinem Haus ist ebenso klein und kompakt wie ungewöhnlich. Denn Klaus Larisch lebt auf einem Hausboot. Und das liegt die meiste Zeit des Jahres im Hitdorfer Hafen vor Anker. Ein Eigenbrötler ist er deshalb ganz bestimmt nicht. Das, oder die Annahme, es handle sich um Aussteiger, war früher die allgemeine Einschätzung für Menschen, die alternative Wohnformen bevorzugten. Inzwischen ist es eher ein Trend, auf dem Wasser zu wohnen. Schwimmende Häuser haben in den letzten Jahren einen regelrechten Boom erlebt.

Es geschah vor drei Jahren. Bald nachdem der Sohn zu Hause ausgezogen war, packte der 57-jährige Fernseh-Journalist und Regisseur aus Düsseldorf die Umzugskartons, um sich von leerstehenden Räumen und überflüssigen Besitztümern zu verabschieden. „Ich wusste, dass etwas falsch läuft, wenn ich ein Bügelzimmer habe“, berichtet Larisch. Die Trennung von Hab und Gut fiel leicht. Innerhalb von kurzer Zeit ist er viel Zeug losgeworden und reist seither „mit leichtem Gepäck“ durchs Leben.

Schon als Student lebte er cool, individuell und vor allen Dingen wildromantisch. Larisch: „In Marburg habe ich mit einem Kumpel in einem Linienbus gewohnt.“ Warum jetzt also nicht mal auf einem Schiff? Er suchte einige Zeit, hatte schließlich Glück und fand in Hamburg genau das Richtige: Eine 15 Meter lange und fünf Meter breite amerikanische Yacht, Baujahr 1980 mit 22 Tonnen Gesamtgewicht. Ist er damit unterwegs, wird es teuer. Denn die beiden Motoren zu je 600 PS verbrauchen rund 30 Liter pro Stunde.

Bevor er auf das Hausboot umziehen konnte, musste es gründlich umgebaut werden. Dunkle Wände, die mehr an einen schwimmenden Sarg erinnerten, wurden entfernt. Wo es vorher vier Räume gab, ist ein 50 Quadratmeter großer Raum entstanden. Alles darin ist minimalistisch, dennoch komfortabel. Es gibt eine gemütliche Sitz- und Essecke, einen kuscheligen Schlafraum, ein Büro mit Internetzugang. Ja, sogar ein Weinkeller ist an Bord. Die Terrasse befindet sich auf dem Oberdeck, die Kästen an der Reling sind hübsch bepflanzt. Trinkwasser kommt aus zwei Behältern mit insgesamt 1500 Liter Fassungsvermögen. Strom ist am Steg verlegt. Für Wärme sorgt eine Standheizung mit energiesparender Elektrik. Der Wohnraum wird nur nach Bedarf beheizt. Larisch genießt den bewussten Umgang mit Ressourcen. „Man geht einfach sparsamer mit allem um. Wenn ich viel Wasser verbrauche, muss ich eben rausgehen und nachtanken.“ Nur auf Isolation muss er verzichten. Die wäre zu teuer, vor allem aber ginge sie zu Lasten des Gewichts. Apropos Gewicht: Wegen der schweren Küchenzeile mit Spülmaschine, Kühlschrank sowie Waschmaschine inklusive Trockner hat das Boot eine leichte Schräglage.

Nach dem Umzug war für ihn alles komplett ungewohnt. Wasser wirkt einerseits beruhigend, andererseits beunruhigend. „Anfangs hört man unglaublich viele Geräusche auf so einem Boot“, beschreibt Larisch: Wasserpumpe, Heizung, Planen, die im Wind wehen und Regen, der aufs Dach plätschert, dazu das Gluckern des Rheins. Mehr als einmal ist er nachts aufgewacht und glaubte, Schritte zu hören. „Schon zweimal stand ich mit dem Baseballschläger an Deck und dachte, wo ist der Kerl?“, erzählt er lachend und ergänzt: „Als Landmensch hat man keine Ahnung, aber man lernt eine Menge.“

Kaum hatte er sich an die üblichen Töne gewöhnt, kamen neue hinzu. Schnell stellte sich heraus, dass sie von Eisschollen stammten, die an der Bootswand zerbrachen. „Bei starkem Wind schlafe ich in einem Bett an Land besser“, räumt Larisch ein. Dennoch sagt er: „Hitdorf ist mein Zuhause geworden. Noch nie zuvor habe ich mit so netten Nachbarn zusammengewohnt.“ Die Lebensqualität im Hafen sei hervorragend. Natürlich weiß er, dass die Lebensdauer eines Hausbootes kürzer ist als die einer festen Immobilie. Aber darum sorgt er sich jetzt noch nicht. Er pflegt sein schwimmendes Zuhause und wartet es regelmäßig. Die nächsten zehn Jahre will er einfach nur genießen. „Und danach werde ich weitersehen“, sagt er gelassen.

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