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Leverkusener Kriegerdenkmal beschädigt

Vandalismus oder politische Tat? : Betonsoldat den Kopf abgeschlagen

Zum dritten Mal haben Unbekannte das Rheindorfer Kriegerdenkmal beschädigt. Deichverband will es reparieren.

Über die Täter und ihre Motive herrscht Unklarheit. Fest steht: Seit Jahresanfang steht das Rheindorfer Kriegerdenkmal kopflos da. Heimatforscher Wilfried Longerich hatte den Schaden auf dem Rückweg von der Schiffsbrücke, wo er ehrenamtlich arbeitet, am vergangenen Mittwoch entdeckt und ihn bei der Polizei angezeigt. Das Denkmal, das an die gefallenen und vermissten Rheindorfer des Ersten Weltkriegs erinnert, ist so alt wie Longerich selbst. Im Frühjahr steht es seit 80 Jahren. Am 12./13. März 1939 wurde es aufgestellt und zeigt einen hockenden deutschen Soldaten, der eine Handgranate hält. Das zur Zeit der Nationalsozialisten entstandene Denkmal ist wegen seiner militaristischen Prägung umstritten. Konkrete Hinweise auf einen politischen Hintergrund der Tat gibt es bisher nicht.  „Das Denkmal ist ein Stück Geschichte, und es gehört zu Rheindorf“, sagt Longerich. Und: Es sei nicht das erste Mal, das dem Soldaten der Kopf abgeschlagen wurde.

Das bestätigt Heiner Pohlmann vom Deichverband. Dem Verband gehört das Grundstück am Rheindorfer Deich, auf dem das Denkmal steht. Bereits zweimal,  zuletzt 2008, habe es einen ähnlichen Vorfall gegeben, berichtet Pohlmann. 2008 habe der Deichverband einen abgeschlagenen Kopf durch einen von einem Steinmetz neu  modellierten ersetzen lassen, sagt der Opladener. Diesmal hatte der Verband offenbar mehr Glück, denn der abgeschlagene Kopf wurde unweit des Denkmals vor einer Gaststätte Am Knöterich gefunden. Die technischen Betriebe sicherten das Fundstück und brachten es in Pohlmanns Opladener Garage. „Ich bin heute  schon den ganzen Tag wegen dem Kopf unterwegs“, berichtet der Deichwärter. Der Steinmetzbetrieb, der den Kopf 2008 erstellte, existiert nicht mehr. Damals sei wegen der besseren Haltbarkeit eine Eisenstange im Kopf verankert worden. Sie rage nun zwanzig Zentimeter aus dem abgeschlagenen Kopf heraus. „Die Täter müssen mit roher Gewalt vorgegangen sein“, sagt Pohlmann. „Ein wahrer Frevel.“  Die Stadtverwaltung habe ihm einen Steinmetz empfohlen, der es wieder richten soll. „Doch das kann Wochen dauern.“

 Der umstrittene „Handgranatenwerfer“ mit Kopf
Der umstrittene „Handgranatenwerfer“ mit Kopf Foto: Schütz, Ulrich (us)
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Der Rheindorfer Ratsherr Rüdiger Scholz (CDU) sieht die historische Problematik des Kriegerdenkmals. „Die Gestaltung des Denkmals entspricht sicher nicht mehr der heutigen Zeit“, sagt er. Eine Rechtfertigung, es mutwillig zu beschädigen, gebe es nicht. Als „Nachdenkmal“ könne es dazu dienen, „sich  darüber Gedanken zu machen, welcher Irrsinn die vielen Kriege zwischen Deutschland und Frankreich waren.“ Scholz: „Für die heutige Generation ist es undenkbar, dass Deutsche und Franzosen aufeinander schießen.“ Junge Menschen könnten  „gerade an Beispielen wie dem Rheindorfer Kriegerdenkmal lernen, wie wichtig es ist, sich für Frieden und Verständigung einzusetzen, anstatt das Gegenteil zu tun.“

Um den  „Handgranatenwerfer“ wurde immer schon gestritten. Der Vorschlag eines Bürgers, ein Schild mit der Aufschrift „Nie wieder Krieg“ anzubringen,  wurde von der Stadt abgelehnt. Am 23. August 1983 war  der Handgranatenwerfer als „wichtiges Zeitzeugnis des Nationalsozialismus“ in die Denkmalliste eingetragen worden.  Immer wieder gab es Farbschmierereien an dem Ehrenmal. Eine Tafel, die den Kontext des Betonsoldaten erklärt, wurde von Unbekannten abgerissen.