1. NRW
  2. Städte
  3. Leverkusen

Leverkusener Jazztage: Gegen die laute Welt spendiert Gall Gänsehaut

41. Leverkusener Jazztage – Besinnliches am Samstag : Gegen die laute Welt: Gall spendiert Gänsehaut

Schlagzeuger Wolfgang Haffner hat bisher die meisten Follower im Livestream. Max Mutzke und Milow kommen noch zum krönenden Abschluss am Dienstag und Mittwoch.

Klicken lohnt sich. Zumindest empfinden so die Menschen, die den Livestream der Leverkusener Jazztage verfolgen und einen Kommentar posten. Die Einhunderttausender-Marke wurde zwar nach der Übertragung von sechs Konzerten noch nicht geknackt. Aber das ist nur noch eine Frage von wenigen Tagen. Wenn also die Jazzfans die Konzerte schon nicht leibhaftig verfolgen können, so sind es nicht wenige, die sich wenigstens vor dem Fernseher oder Computer, im Idealfall mit opulenter Hifi-Ausstattung, die Programme aus dem Leverkusener Erholungshaus zu Gemüte führen.

Wie Eckhard Meszelinsky, der die Jazztage von 1997 bis 2015 organisierte. Er schaute zwar auch mal im Erholungshaus kurz vorbei, aus alter Verbundenheit, fand es ansonsten aber ganz toll, sich gemütlich im eigenen Heim die Übertragungen anzusehen. „Das war wie früher, als wir uns die langen Rockpalast-Nächte reingezogen haben“, schilderte er. Meszelinsky (mit Hut als Markenzeichen und Maske) wollte selbst mit seiner Gruppe Noise Adventure bei den Jazztagen auftreten. Aber Corona hat einen Strich durch die Rechnung gemacht.

  • Autorin Regula Venske wird bei „Lust
    Autoren zu Gast : Literatur-Livestream der VHS zur „Freiheit des Wortes“
  • Dr. Carsten Brodesser vertritt den Kreis
    Politik in Radevormwald : Carsten Brodesser ist bei der JU Rade zugeschaltet
  • Der Geiger Frank Peter Zimmermann.
    Musikfestival in der Landeshauptstadt : Kraftwerk trifft Faust

Die Klickzahlen sind für Veranstalter Fabian Stiens ein Trost für die Mühen, immer wieder Konzerte zu planen, wegen Corona zu verschieben und viele davon letztlich doch abzusagen. Während der Live-Übertragung sind es gar nicht mal so viele Menschen, die das Konzert verfolgen. Viele gucken mal kurz rein, um sich einen Eindruck zu verschaffen, um dann später zu passender Zeit sich alles in Ruhe anzusehen. Die beiden Höhepunkte bislang: Ganz klar das Konzert von Wolfgang Haffner & Band, das bislang knapp 35.000 Menschen ein Klick wert war. Danach folgt Nils Landgren mit rund 20.000 Followern.

Von den Fans gibt es sehr oft ein dickes Lob für die Vielfalt, die gute Übertragung (dank WDR-Technik) einschließlich aufwendiger Lichteffekte. Am Samstag beispielsweise stand die Pianistin, Singer-Songwriterin und Komponistin Younee allein auf der Erholungshaus-Bühne – eher ein klassisches Konzert. Weil sie aber viel improvisierte, fällt das bei Fachleuten unter die Kategorie „Free Classic & Jazz“.

Den zweiten Teil des Abends bestimmte die Sängerin Jessica Gall aus Berlin, die sich von einem Klavier und einer Gitarre begleiten ließ. Sie mag es sehr melodisch und leise. Was sie damit begründet: „Das Leben ist doch schon laut genug.“ Intensive Songs, eindringlich offeriert. Was ein Zuhörer im Internet mit einem Wort kommentierte: „Gänsehaut“.

Nach sechs von zehn Konzerten im Erholungshaus ist ein erstes Fazit erlaubt: Fabian Stiens und sein Jazztage-Team haben dank der Treue der Sponsoren und des Westdeutschen Rundfunks aus den 41. Leverkusener Jazztagen das Beste gemacht, was man in dieser Zeit machen kann. Einige Abende, wie beispielsweise der mit Helge Schneider müssen ausfallen, weil da das Publikum ein erforderlicher Teil des Kunstwerks ist. Wenn im nächsten Jahr der Corona-Spuk hoffentlich vorbei ist, dann soll Schneiders Abend ebenso nachgeholt werden wie andere Darbietungen, die einer großen Kulisse bedürfen.

Am Dienstag und Mittwoch werden mit Spannung noch die beiden Sänger Max Mutzke und Milow aus Belgien erwartet.