Leverkusener Grüne lehnen vier „Querulanten“ als Mitglieder ab

„Zum Schutz der Partei“ : Grüne lehnen „Querulanten“ als Mitglieder ab

Die  Leverkusener Grünen führen einen bemerkenswerten Abwehrkampf gegen vier potenzielle Parteimitglieder. Es geht um Brigitte von Bonin (trat vor zehn Jahren aus), Martina Frimmersdorf, Ingrid Baare (Krebsberatungsstelle „help“) und Manfred Urbschat (war 1984-1989 Grünen-Ratsherr), die sich teils seit langem für mehr Umweltschutz und lokale Verbesserungen engagieren.

Die Parteiaufnahmeanträge der vier rissen bei den Grünen auch alte Gräben auf. Fast zwei Stunden quälten sich am Dienstag die etwa 50 Teilnehmer der Mitgliederversammlung mit dem Thema.

Die frühere Parteigeschäftsführerin Marita Schmitz bezeichnete die Diskussionen als „unerträglich“. Ein anderer Grüner fand alles „erstaunlich und befremdlich“. In geheimen Abstimmungen wurden die Aufnahmeanträge mit großer Mehrheit abgelehnt. Klaus Wolf, Grünen-Mitbegründer, kommentierte: „Diese Abstimmung hätte ich gerne vermieden.“ Biologielehrer Urbschat hatte zu diesem Zeitpunkt die Parteizentrale „Treibhaus“ längst laut schimpfend verlassen: „Das Verfahren ist eine Farce.“ Vor der Mitgliederentscheidung hatte der Vorstand schon beschlossen, die vier nicht aufzunehmen. „Zum Schutz der Partei“, begründete Vorstandssprecher Christoph Kühl.

Speziell Brigitte von Bonin löste Kritik aus. Wolf sagte: „Brigitte, du hast keine Chance ausgelassen, uns mit Dreck zu beschmeißen. Du zeigst uns gegenüber keine Solidarität.“ Ratsherr Gerd Wölwer ergänzte: „Unsere Partei ist keine Bühne für Selbstdarsteller. Deine Egotrips habe ich selbst erlebt. Du bist nicht integrierbar.“ Von Bonin wehrte sich: „Wir sind keine Querulanten.“ Sie wolle wieder eintreten, weil „rein außerparlamentarische Arbeit“ zu wenig bewirke. Martina Frimmersdorf beklagte: „Ich weiß nicht, warum ich abgelehnt werde. Ist es nicht klüger, meine Kenntnisse zu nutzen?“ Sie fühle sich ausgegrenzt und fragte: „Sind die Grünen Leverkusen heute ein Privatclub mit Türstehern?“

Der alte Parteifuchs Wolf wollte das harte Vorgehen mildern und schlug als Kompromiss vor: Man solle die vier zur Probe bei den Grünen mitarbeiten lassen und nach drei Monaten entscheiden, ob man sie doch aufnehmen könne. Einen solchen Beschluss lehnte die Mitgliederversammlung unter Hinweis auf die Statuten ab, denn: „Bei uns kann jeder in jeder Arbeitsgruppe und in allen Sitzungen mitarbeiten. Auch wenn er nicht Parteimitglied ist. Alles ist bei uns öffentlich.“ Für Wolfs Weg hätten die vier ihre Mitgliedsanträge zurückziehen müssen. Dies unterblieb. Kreisverbandsgeschäftsführer Kevin Liebig: „Ich kann die Entscheidung des Vorstandes nur unterstützen. Ich habe erlebt, wie wenige Mitglieder eine ganze Gruppe zerstören können.“

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