Leverkusener Dirigent bietet Kloster-Wochenende zu Franz Schubert an

Ein Wochenende mit Franz Schubert : Der Musikvermittler

Was war Franz Schubert für ein Mensch? Wie hat er in kurzer Zeit so viel komponieren können? Ein Wochenende widmet sich der Antwortsuche.

Musik gilt in der Schule nicht als Hauptfach und wird, jedenfalls in Grundschulen, häufig fachfremd unterrichtet. Kenntnisse über klassische Musik nehmen ebenso ab wie die Fähigkeit zuzuhören, befürchtet Dirk Joeres. Dagegen anzugehen, hat sich der Pianist und Dirigent zur Lebensaufgabe gemacht. Und er sucht stets nach geeigneten neuen Formaten. Eines ist nach zehn Jahren längst zum Markenzeichen geworden: die KlassikSonntage im Programm von KulturStadtLev, die das Publikum mit einer Einführungsmatinee und einer offenen Probe auf das abendliche Sinfoniekonzert mit seiner Westdeutschen Sinfonia Leverkusen vorbereiten.

Mit seinem Projekt „Beethoven today“, einer Kombination aus Musik-CD und Erläuterungs-DVD, hat er das entsprechende Pendant für das häusliche Wohnzimmer gefunden. In diesem Jahr beschreitet Dirk Joeres einen weiteren Weg nach dem Motto „Wer mehr weiß, der hört auch mehr.“ Ende Oktober bietet er Musikliebhabern ein „Wochenende mit Franz Schubert“ in der Abgeschiedenheit von Kloster Steinfeld in der Eifel an, das mit einem Konzert am Sonntagnachmittag enden wird. Dirk Joeres spielt dann Klavierwerke von Schubert wie Impromptus oder die B-Dur-Sonate.

Aber vorher sollen die Teilnehmer den romantischen Komponisten, der vor allem als Schöpfer des Kunstliedes in die Musikgeschichte eingegangen ist, besser kennenlernen. „Kennen Sie eine Oper von Schubert?“, fragt Joeres in der sicheren Erwartung eines Kopfschüttelns. Doch tatsächlich war es sein größter Wunsch, musikalische Bühnenwerke zu schaffen wie sein erfolgreicher Zeitgenosse Rossini in Italien. Er habe viele Anläufe unternommen, ohne nachhaltigen Erfolg. Lediglich „Alfonso und Estrella“, über 20 Jahre nach Schuberts Tod uraufgeführt, sei eingespielt worden.

Am ersten Tag des Schubert-Wochenendes will Joeres einen kleinen Überblick über das Werk des jung (mit 31 Jahren) Verstorbenen geben. Es sei einfach unglaublich, was Schubert alles geschrieben habe, mehr als 1000 Werke in gerade mal 15 Jahren. „Man sagt, er habe die Brille gar nicht erst abgesetzt, wenn er nachts ins Bett ging, um keine Zeit zu verlieren.“ Anekdoten wie diese gehören natürlich dazu, wenn man sich dem Menschen und Musiker nähern will. Überhaupt war der kein Kind von Traurigkeit, und die legendären Schubertiaden seien mit Sicherheit keine steifen Hauskonzerte gewesen, meint Joeres. „Man fragt sich, wann hatte er überhaupt Zeit zum Komponieren?“ Etwas von diesem Geist wünscht sich Joeres auch für das Schubert-Wochenende in Kloster Steinfeld. „Das soll kein akademisches Seminar werden“, stellt er klar. Es soll etwas zu Essen und zu Trinken geben und am Abend hofft er auf gute Gespräche und Diskussionen – auch über Musik. Am Sonntagvormittag wird er im Gespräch mit dem Philosophen Gerd Achenbach über Schubert in seiner Zeit und heute nachdenken.

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