Leverkusener Clanchef wegen Betrugs vor Gericht

Prozess gegen Leverkusener Clan-Chef : Der Don und das Millionending

Der Leverkusener Clan-Chef Michael G. muss sich mit drei Mitangeklagten erneut in einem Prozess wegen Betrugs verantworten. Es geht um eine Millionen-Summe.

  Eine Stunde lang dauerte allein die Verlesung der Anklageschrift, vorsorglich auf 33 Verhandlungstage ist der Prozess gegen Michael G., Junior-Oberhaupt der stadtbekannten Leverkusener Großfamilie, und drei weiteren Angeklagten terminiert. Zur Anzeige kommen Betrug, Erwerb von Immobilien und Luxusfahrzeugen, wobei die hierzu verwendeten Gelder allesamt aus gewerbs- und bandenmäßig begangenen Straftaten stammen sollen.

Das Verfahren vor der 17. Großen Strafkammer fordert alle Beteiligten. Vorsorglich hat der Vorsitzende Richter eine Ersatzrichterin und zwei Ersatzschöffen benannt. Die Staatsanwaltschaft schickt zwei Ankläger. Und insgesamt neun Verteidiger haben die Angeklagten aufgeboten.

Doch mit einer – eher moralischen – Unterstützung durch seine Angehörigen kann „Don Mikel“, wie der Hauptangeklagte auch genannt wird, erst einmal nicht rechnen. Denn gleich fünf Mitglieder – Vater, Mutter, Ehefrau und Geschwister – mussten den Zuschauerraum des Gerichtssaal 210 im Kölner Landgericht schon nach wenigen Minuten wieder verlassen. Das Gericht hatte sie als Zeugen  geladen. Und noch war nicht ausgemacht, ob sie von ihrem Aussageverweigerungsrecht Gebrauch machten. Folglich mussten sie erst mal vor der Tür bleiben.

Auffallend: Moro G., der Vater des Don, hatte sich eine Mütze tief ins Gesicht gezogen und trug zusätzlich eine Sonnenbrille. Beim letzten Auftritt im September 2018 suchte er sogar noch direkt den Kontakt zu den Kameraleuten.

Der Mammut-Prozess begann mit einer einstündigen Verspätung. Der einzige Angeklagte, der nicht aus der Untersuchungshaft vorgeführt wurde, hatte wohl die Ladung nicht richtig verstanden, wie sein Verteidiger nach telefonischer Rückfrage bei seinem Mandanten erklärte. Eine Ersatzschöffin verspätete sich ebenfalls. Aber als die Protokollantin die Wachtmeister bat, die Angeklagten dann vorzuführen, griffen ein Dutzend Fotografen zu ihren Arbeitsgeräten. Sie konnten allerdings nicht das veränderte Äußere von Michael G. ablichten, der sein Gesicht hinter einem Aktendeckel versteckte und sich seit seiner letzten Verurteilung im  November vergangenen Jahres (vier Jahre und drei Monate) sich  hat einen Bart wachsen lassen.

Ebenfalls angeklagt sind Don Mikels Sohn Richard (22 Jahre alt) und zwei Männer (54 und 55), die vorwiegend als Strohmänner beim  Kauf von Immobilien und Luxusautos fungiert haben sollen. Der „Autokäufer“ will in der nächsten Sitzung am Montag ein Geständnis abgegeben, deutete  sein Verteidiger an. Angeklagt wird auch eine Falschaussage von Don Mikel, der sich gegenüber einem Gerichtsvollzieher als mittellos darstellte – „Ich habe lediglich 3,10 Euro in der Tasche“. Gravierendster Anklagepunkt ist aber ein Betrug, wobei einem Opfer aus Frechen vorgespiegelt wurde, selbst ein erhebliches Vermögen im Ausland zu besitzen. Dennoch habe es der Angeklagte geschafft, hohe Geldbeträge, Goldmünzen und -barren im Gesamtwert von fast einer Million Euro von dem Opfer erhalten zu haben. Die versprochene Rückführung der Vermögenswerte erfolgte jedoch nicht.

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