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Leverkusener-City: 2500 Temposünder an einem Wochenende

Neuer „Blitzer“ an Baustelle in Leverkusen : 2500 Temposünder an einem Wochenende

Einer der neuen semistationären „Blitzer“ ließ am Europaring in Leverkusen Autofahrer staunen und schimpfen. Die Anlage arbeitet in beide Richtungen und war an der Baustelle Dhünnbrücke postiert. Dort gilt Tempo 30.

Die Stadt hat die Geschwindigkeitsüberwachung drastisch verschärft. Seit wenigen Tagen setzen die städtischen Verkehrskontrolleure auch lasergesteuerte Messanlagen ein, die auf Anhängern montiert sind (wir berichteten). Seither schnellt das Staunen der Autofahrer steil nach oben, während das Tempo an den Messstellen in den Keller geht. Am Wochenende hatte die Stadt einen Messanhänger an der Baustelle „Dhünnbrücke Europaring“ platziert: 2454 Temposünder wurden von Freitag bis Sonntag geblitzt, offenbar vor allem nachts. Wie viele Knöllchen verschickt oder sogar Führerscheine eingezogen werden können, ist offen. Erst müsse geprüft werden, ob alle Fotos verwertbar seien, schrieb die Stadt auf Anfrage unserer Redaktion. An der laut Stadt baufälligen Flussquerung ist aus Sicherheitsgründen Tempo 30 angeordnet.

Der für Leverkusen neue Messanhänger wurde wie eine außerirdische Erscheinung begutachtet. Von Autofahrern sowieso, aber auch von Spaziergängern und Radfahrern. Etliche geblitzte Autofahrer kehrten sogar zum „Tatort“ zurück, um sich genauer anzuschauen, wieso an dieser Stelle plötzlich eine Tempoüberwachung läuft. Einige Autofahrer blieben auf der Fahrbahn stehen, um mit ihrem Beifahrer das neue Gerät ausgiebig zu besprechen. Ein Fahrer zeigte dem Gerät sogar den Stinkefinger. Das blieb ungeblitzt.

Die Mehrzahl der Autolenker entdeckte die Messanlage allerdings frühzeitig. Sie rollten im Schneckentempo an dem pechschwarzen Hightech-Kasten vorbei. Selbst Taxifahrer, die Geschwindigkeitsbegrenzungen speziell nachts eher großzügig auslegen, konnten problemlos Tempo 30 einhalten. Auch die Fahrer mehrerer Feuerwehrfahrzeuge, die aus Opladen mit Blaulicht und Martinshorn in Richtung Einsatzstelle Wöhlerstraße rauschten, bremsten vor der Messanlage vorsichtshalber ab. Was viele Autofahrer offenbar besonders bemerkenswert fanden: Die Anlage kann gleichzeitig in beide Fahrtrichtungen messen und Aufnahmen schießen.

Der Kauf der Tempo-Messanlagen auf Anhängern wurde vergangenes Jahr vom Stadtrat beschlossen. Die rollenden „SemiStationen“ bestehen laut Hersteller Jenoptik AG aus zwei Baugruppen: Oben im kleinen Turm sitzt die Messeinheit mit einem Laserscanner und der Kamera. Im unteren Teil stecken die Akkus und die Anhängertechnik mit hydraulisch absenkbarem Fahrwerk. Die Messanlage kann bis zu zehn Tage ohne Stromanschluss arbeiten. Das eigentliche Messgerät „TraffiStar S 350“ lässt sich auch in den stationären Blitzen und in den „Radar-Pkw“ einsetzen.

Die Stadt hat zwei Messanhänger zum Stückpreis von 230.000 Euro angeschafft. Neben anderen Möglichkeiten verspricht der Hersteller noch eine Besonderheit: Die Anlage kann zwischen Pkw und Lkw unterscheiden, so dass sich etwa auch Durchfahrtsverbote für Lkw kontrollieren lassen. Die neue Lasertechnik misst laut Hersteller auch in Kurven und Tunneln gerichtsfest genau. Dies war mit den alten Anlagen anders. Inzwischen darf die städtische Tempoüberwachung an 475 Stellen in Leverkusen erfolgen – zusätzlich zu Kontrollen der Polizei.

Nach städtischer Schätzung von 2019 sollen Mehreinnahmen von circa 900.000 Euro pro Jahr erreicht werden. Der Anschaffung aller neuen Geräte (Gesamtkosten für stationäre Anlagen und Anhängersysteme: 714.500 Euro) haben Oberbürgermeister Uwe Richrath, CDU, SPD, die Grünen, Opladen Plus, FDP, die Linke, und die Gruppe „Soziale Gerechtigkeit“ zugestimmt. Dagegen waren Bürgerliste und Aufbruch Leverkusen. Die Befürworter versprechen sich mehr Verkehrssicherheit, speziell an Schulwegen.