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Leverkusener Boxer suchen eine Bleibe

Wer hilft? : Junge Box-Talente suchen eine Bleibe

30 Leverkusener Jugendliche trainieren in Köln. Ein Quartier in der Heimatstadt wäre ihnen lieber.  

Auf der Suche nach einer geeigneten Trainingshalle ist derzeit eine junge Box-Initiative, bestehend aus rund 30 Leverkusener Jugendlichen. Seit zwei Jahren trainieren sie schon, treffen sich dafür in einem kleinen Trainingszentrum in Köln-Ehrenfeld. Zu weit, findet die Initiative, die sich auf lange Sicht als Box-Verein in Leverkusen etablieren will.

Schul- und Arbeitszeiten sind lang und trotzdem rappeln sich die Jungs regelmäßig auf, um pünktlich beim Training in Köln zu erscheinen: „Wenn ich am Nachmittag von der Schule nach Hause komme, dann esse ich schnell was, packe meine Tasche und flitze nach Köln“, erzählt der 16-jährige Tyron Avejic, der meist dann erst abends, geschafft vom mehrstündigen Training, heimkehrt. Dennoch nimmt er die Strapazen auf sich. „Weil es einfach Spaß macht und gut tut.

„Man kommt auf andere Gedanken“, sagt auch Christian Goman. Der 19-Jährige ist einer der erfahreneren Boxkämpfer der Initiative und hat sich bereits mehrmals auf der internationalen Wettkampfbühne präsentiert: Fünf Deutsche Meister- und einen Vizetitel, sowie drei Europameisterschaftsturniere zählt er zu seinen Erfolgen. Auch er trainiert bislang in Köln. Ein enormer Zeitaufwand für den Leverkusener, der viel lieber in seiner Heimatstadt trainieren würde.

Doch die bestehenden Vereine seien entweder zu teuer oder nicht geeignet, sagt Qendrim Hajrizi (18). Auch er hat zwei NRW-Meister-Titel in der Tasche sowie eine Bronzemedaille von der Deutschen Meisterschaft. „Ich habe vier Jahre lang bei Bayer trainiert, aber das hat mir dann irgendwann nicht mehr gefallen“, sagt er. Innerhalb der Initiative, angeführt durch Cagdas Güler (ebenfalls ehemaliger Bayer-Boxer), fühlen sich die Jungs wohl. „Ich bin jetzt schon seit 15 Jahren dabei, habe 54 Amateur- und zwei Profi-Kämpfe bestritten und kann den Jungs mein Wissen weitervermitteln“, sagt Güler, der im Besitz einer gültigen Trainerlizenz ist. Unterstützung erhält der 30-Jährige dabei vom ebenfalls erfahrenen Boxer Stefan Barth. „Das Interesse am Boxsport ist groß, doch die Qualität stimmt in vielen Vereinen einfach nicht mehr.“

Eine für sie geeignete Trainingshalle müsse groß genug sein, um bequem mit allen Teilnehmern trainieren zu können. „Man sollte schon mit seinem Sparringspartner trainieren können, ohne Rücken an Rücken mit den anderen zu stehen“, sagt Güler. Auf rund 200 Quadratmeter schätzt er die Ausmaße. Einiges an Equipment, Sandsäcke und Matten, haben die Jungs vorrätig. Weiteres würden sie dann gemeinsam oder über mögliche Sponsoren anschaffen wollen.

Reiner Hilken, Leiter des Jugendzentrums Bunker wäre froh, wenn die Initiative eine neue, heimatnahe Bleibe finden würde. „Im Bunker haben wir leider nicht die räumlichen Kapazitäten dafür.“ Doch die Beharrlichkeit von Güler und seinen Jungs hätten ihn davon überzeugt, dass es keine Eintagsfliege sei und zudem positive Auswirkungen habe: „Einige von ihnen, die Sozialstunden bei uns ableisten mussten, sind durch das Boxtraining viel ruhiger und fokussierter.“ Es sei eine großartige Methode, um die Jugendlichen von der Straße zu holen.

Wer die Initiative unterstützen möchte oder einen geeigneten Raum zur Verfügung stellen kann, sollte sich melden. Kontakt über Cagdas Güler 0163 44 68 288, per Mail an u.to@hotmail.de oder über das Jugendzentrum, 0214 41 906.