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Leverkusener Bestatter in Zeiten von Corona

Schutzausrüstung fehlt : Wie die Corona-Krise Bestattern die Arbeit erschwert

Trauergespräche am Telefon oder per Email. Einschränkungen bei Beerdigungen. Probleme bei der Beschaffung von Schutzausrüstung.

Natascha Schmitz schüttelt ungläubig den Kopf. Doch so schnell kann und will sie nicht aufgeben, sondern mit den Fachkollegen für ihre gemeinsamen Interessen kämpfen. Zwar arbeitet die junge Frau weder im Bereich von Produktion und Handel, noch ist sie in Informationstechnik oder Kommunikation tätig. Aber dass sie nichts mit öffentlicher Sicherheit zu tun haben und ihr Beruf deshalb nicht als „systemrelevant“ eingestuft werden soll, kann sie gar nicht glauben. Schließlich zählen auch die notwendigen Bestattungen zur öffentlichen Sicherheit und Ordnung.

Schon jetzt sieht sie sich aufgrund der aktuellen Lage vor unzähligen Schwierigkeiten. Wenn jetzt weitere  Menschen am Coronavirus sterben, befürchtet sie gar noch Schlimmeres. „Unser Beruf wird in der aktuellen Situation vor völlig neue Herausforderungen gestellt“, bemerkt die Juniorchefin des Bestattungshauses Anton Schmitz aus Bürrig. So sind Erd- und Urnenbestattungen zum Schutz vor Neuinfizierung mit dem Corona-Virus zum Beispiel nur noch mit wenigen Trauergästen gestattet, Gottesdienste oder Aufbahrungen komplett untersagt. In Leverkusen sind allenfalls Familienmitglieder wie Ehe- und Lebenspartner, Großeltern, Eltern, Kinder und Enkel des Verstorbenen zugelassen, aber weder Geschwister noch Nichten und Neffen. Auch dabei gilt, dass Abstand gehalten werden muss.

Die Veränderungen beginnen aber nicht erst auf dem Friedhof, sondern schon vorher. „Wir können nicht mehr agieren, wie wir es gewohnt sind“, berichtet Schmitz. Anstelle des engen, persönlichen Beratungsgespräches, bei denen nach dem Tod von Angehörigen oftmals schon die erste Phase der Trauerarbeit beginnt, sind Beratungen nur noch im Institut und unter erhöhten Hygienestandards möglich oder am besten per Telefon sowie Mail. Die Probleme setzen sich fort vor der eigentlichen Erd- oder Urnenbestattung. Schmitz: „Wir hatten noch keinen Fall von Corona, der würde zur enormen Herausforderung.“ Denn sollte ein Mensch an den Folgen des Virus gestorben sein, müsste der infektiöse Leichnam nach den Regeln des Infektionsschutzgesetzes bestattet werden. Schon die vorherige Überführung aus Altenheimen und Krankenhäusern ist bedrohlich für alle Beteiligten. Gefährlich wird es erst recht, wenn der Verstorbene in einen mit speziellen flüssigkeitsdichten Hüllen ausgelegten Sarg umgebettet wird, nachdem zuvor schon die Leinentücher komplett mit Desinfektionsmitteln getränkt wurden. Für diese Tätigkeiten müssen zwingend Mund-Nasen-Schutz, Einweg-Infektionsschutz-Handschuhe, Schutzbrille und Ganzkörperanzug getragen werden. Doch viele dieser Utensilien sind ausverkauft, rar oder so gut wie nicht zu bekommen. Verhindern könnte das allenfalls eine bundeseinheitliche Regelung und die Anerkennung des Bestatterhandwerks als „systemrelevante“ Berufsgruppe.

Schmitz warnt: „Kein Keim stirbt mit.“ Sterben gehöre zum Leben. Ihre Aufgabe als Bestatter sei unter anderem, die Allgemeinheit vor übertragbaren Krankheiten zu schützen. Und dazu gehöre nun mal auch der Zugang zu Schutzmaßnahmen.

Auch deshalb unterstützt sie die Sammlung von Unterschriften für eine Petition, die sich an den Landtag von NRW mit der Forderung richtet, den Tätigkeitsbereich entsprechend einzustufen.