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Leverkusener Amtsgericht: Kollegen mit Schraube geschlagen?

Amtsgericht : Zoff auf der Baustelle: Kollegen mit Schraube geschlagen?

Bei der Arbeit auf einer Leverkusener Baustelle kommt es zum Streit. Ein Arbeiter wird verletzt und klagt später gegen einen Kollegen. Amtsgericht hört zwei sehr verschiedene Versionen.

Auf Baustellen ist der Ton unter den Kollegen oftmals rauer als an anderen Arbeitsplätzen. Allerdings gibt es auch dort klare Grenzen. Ein 51-Jähriger soll diese nun deutlich überschritten haben, indem er einem seiner Kollegen gegen den Kopf schlug. Dabei soll er eine 16 Zentimeter lange Schraube als Tatwerkzeug gebraucht haben. Nun sahen sich die Streithähne vor dem Amtsgericht Leverkusen wieder.

Laut Anklage soll sich der Vorfall am 23. Oktober 2018 ereignet haben. Demnach seien die beiden Männer wegen verschiedener Arbeitsweisen in Streit geraten, in dessen Verlauf der Beschuldigte seinem Gegenüber mit der  großen Schraube gegen den Kopf gehauen haben soll. Neben einer Prellung der linken Gesichtshälfte sei dabei eine blutende Kopfwunde entstanden. Der Angeklagte wies die Anschuldigung von sich.

Er berichtete, es habe am Morgen des Tages einen Rüffel für den Geschädigten gegeben. Dieser habe nämlich auf einem Gerüst stehend telefoniert – ein Unding. Schließlich verbietet der Arbeitsschutz ein solches Verhalten. „Da wird sehr streng drauf geachtet“, betonte die Verteidigung.

Wenig später sei der Geschädigte, so der Angeklagte, von eben jenem Gerüst hinuntergeklettert, während er die Schrauben in seinen Händen hielt. „Ich hörte nur, wie es für einen Moment lauter wurde“, beschrieb der 51-Jährige die Szenerie. Der Geschädigte war offenbar gefallen und hatte sich wohl dabei die Verletzungen zugezogen, mutmaßte er.

Laut Schilderungen des 39-Jährigen war der Ablauf völlig anders. Demnach hatten die beiden Streithähne an einem dicken Rohr Schrauben festziehen sollen. Dabei sei es zum Streit gekommen. „Das ging ganz schnell“, erläuterte er, der kurz darauf einen Schlag abbekommen habe. Helm und Schutzbrille hätten den größten Schaden abgehalten. „Das wäre sonst noch schlimmer gewesen“, betonte er.

Nach dieser Aussage schlug das Gericht erstmals eine Einstellung unter Auflagen vor. Die Verteidigung bestand jedoch darauf, weitere Zeugen zu hören. Diese Aussagen brachten aber keine neuen Erkenntnisse. Niemand der Beteiligten hatte einen möglichen Schlag gesehen. Deutlich wurde nur, dass der Geschädigte nicht der beliebteste Kollege auf der Baustelle war. „Er kam nicht mit jedem zurecht“, sagte ein Zeuge. Das sei auf einer Baustelle nichts ungewöhnliches.

So warf die Richterin  des Verfahrens nochmals die Möglichkeit der Einstellung in die Runde. Laut Staatsanwaltschaft bewege sich die dafür erforderliche Geldsumme jedoch in einer Höhe von 1000 Euro. Das brachte den angeklagten Mann in Rage. „Der hat hier gelogen“, monierte er über seinen damaligen Kollegen ungehalten. „Das ist Deutschland“, maulte er.

Schließlich entschied er sich gegen das Angebot des Gericht, da er unschuldig sei. Das Verfahren wird an einem noch zu bestimmenden Tag mit einem weiteren Zeugen fortgesetzt.