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Leverkusener Altenheim trotzt Seuche und Flut

Hohe Infektionsrate in Leverkusener Einrichtung : Altenheim trotzt Seuche und Flut

Erst kam Corona, dann das Wasser. Das Opladener DRK-Altenzentrum ächzt unter einer rund 50-prozentigen Infektionsrate bei Personal und Bewohnern.

Das DRK-Altenheim an der Düsseldorfer Straße galt lange als Bastion gegen die Seuche: Früh waren Isolierzimmer eingerichtet worden, ohne Schnelltest kommt bis heute niemand rein, und wenn es nach Heimleiter Josef Peters geht, soll das auch so bleiben. Trotz Lockerungen. „Zwei Jahre lang ist es gut gegangen“, sagt Peters. Dann kam der Karneval, und Anfang März ging es los. Das Coronavirus breitete sich aus. Beim Personal ebenso wie bei den Bewohnern häuften sich die Krankheitsmeldungen. Von den 30 Pflegekräften und den aktuell 50 Bewohnern sind inzischen jeweils die Hälfte infiziert. Einige sind inzwischen wieder genesen, neue Bewohner und Pflegekräfte erkranken, es bleibt eng. „Wir müssen die Dienstpläne ständig umkrempeln“, sagt der stellvertretende Pflegedienstleiter Sebastian Leonard. „Wir planen von Tag zu Tag.“

Die Situation sei äußerst belastend für Personal und Bewohner, sagten Peters und Leonard. Organisation und Flexibilität seien gefragt. „Das geht auf die Freizeit der Kollegen, doch ziehen hier alle an einem Strang“, sagt Leonard. Bereitwillig würden Schichten übernommen, wenn jemand unvermittelt ausfalle. „Man schläft eben nicht viel, sondern arbeitet“, sagt der 26-jährige Leonard. „Man ist geschafft, doch wir alle haben ein Ziel vor Augen und glauben daran, dass sich unser Einsatz lohnt.“

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Ein Einvernehmen gebe es auch mit Bewohnern und deren Angehörigen. Sie brächten großes Verständnis auf für die doppelte Krisenbelastung des Hauses. Im Juli waren in dem Altenzentrum beim Hochwasser die Keller vollgelauften, es gab einen längeren Stromausfall. Das war der Moment, als Pfleger Leonard und andere Kollegen ein Zimmer in dem Altenheim bezogen, um Tag und Nacht für die Bewohner dazu sein. Besonders die akut infizierten und in Quarantäne befindlichen Patienten bräuchten Zuwendung. Einer Bewohnerin, die im Sterben lag und isoliert werden musste, hielt Leonard regelmäßig das Telefon ans Ohr, damit sie mit ihrer Tochter sprechen konnte. „Das hat mich tief berührt“,  merkt der Pfleger an.

Bis heute geben sich die Handwerker die Klinke in die Hand. Die strenge Testkontrolle an der Tür gelte gelte selbstverständlich auch für sie, sagt Peters. Dennoch ließen sich Ansteckungen wohl auch wegen der Aggressivität neuer Virusvarianten kaum vermeiden. Der Heimleiter hofft, dass die Bauarbeiten zum Jahresende abgeschlossen werden können.

An der Impfquote könne es nicht liegen, dass immer wieder neue Infektionswellen durch das Haus schwappen, betonen Peters und Leonard. Bewohner und Personal seien inzwischen vollständig geimpft und geboostert.

Auch in den Kliniken der Stadt arbeiten Pflegekräfte mitunter am Limit. Beispiel Remigius-Krankenhaus: „Der Krankenstand ist hoch, zurzeit sind 16 Mitarbeitende in Quarantäne, die zu den üblichen und auch im Personalbedarf geplanten krankheitsbedingten Ausfällen on top kommen“, berichtet Cerstin Tschirner, Sprecherin des Kplus-Verbunds.  Dank der „hohen Einsatzbereitschaft und Flexibilität“ der Mitarbeiter könne der Betrieb aufrechterhalten werden. „Externe Fachkräfte, die vorübergehend bei uns arbeiten, sind kaum noch zu bekommen.“ Auch Tschirner spricht von einem „Fahren auf Sicht“ – „Wir bewerten jeden Tag neu, was möglich ist, und treffen auf Basis der tagesaktuellen Zahlen Entscheidungen.“