Leverkusener Abiturientin hilft Kindern in Sri Lanka

Freiwilliges Jahr : Leverkusener Abiturientin hilft Kindern in Sri Lanka

Lea Wielspütz, 18 Jahre alt, beginnt im August ein Freiwilliges Soziales Jahr. Sie ist dankbar für ein Leben im Wohlstand. Und deshalb will sie „etwas abgeben“.

Dass sie nicht sofort nach dem Abitur ein Studium oder eine Ausbildung beginnen möchte, wusste Lea Wielspütz schon als sie 15 war. „Ich wollte auch nicht work- oder travelmäßig unterwegs sein“, erzählt die 18-Jährige, die unbedingt etwas Sinnvolles machen wollte. Dass es nun Sri Lanka wird, hat sich eher zufällig ergeben. Denn dahin wird sie Mitte August fliegen, um dort in einer ländlichen Region von Baddegama im Süden beim Englisch- und eventuell auch Deutschunterricht an öffentlichen Schulen zu helfen.

Ziemlich genau ein Jahr wird sie dort bleiben und die sechs Wochen Urlaub, die sie in der Zeit hat, will sie nutzen, um das Land kennenzulernen, aber sicher nicht für einen Heimatbesuch. Ihre Eltern hätten sich mit der Entscheidung abgefunden, meint sie, denn: „Sie hatten ja genügend Zeit, sich an den Gedanken zu gewöhnen.“ Aber die wollten sie, zusammen mit dem 15-jährigen Bruder, dort besuchen. Lea Wielspütz ist gespannt und ein wenig aufgeregt, während sie die sich schon aufs Kofferpacken vorbereitet. Vor allem, weil sie Freunde, Verwandte und Nachbarn ein ganzes Jahr nicht sehen wird. Dabei liebt sie gemeinschaftliche Unternehmungen und Feiern im Freundeskreis. Einsam wird sie auch in Sri Lanka nicht sein. Einmal, weil ihre Arbeitszeit 40 Stunden pro Woche beträgt. Zum anderen, weil sie dort in einer WG leben wird, zusammen mit drei weiteren Deutschen, die sich ebenfalls für den freiwilligen Sozial- und Friedensdienst im Ausland entschieden haben.

Organisiert wird das Ganze von der Organisation „Freunde der Erziehungskunst Rudolf Steiners“, die Lea Wielspütz durch einen Arbeitskollegen ihres Vaters kennenlernte. Dessen Sohn hat genau das gemacht, was sie nun plant. Nämlich die Unterstützung in einer sozialen Einrichtung in den Bereichen Heilpädagogik, Schule und Kindergarten. Zwei der künftigen Mitbewohnerinnen werden in integrativen Kitas arbeiten, so viel weiß sie schon. Persönlich habe man sich noch nicht kennengelernt, aber per WhatsApp geschrieben. „Ich gehe dort nicht aus missionarischen Gründen hin oder weil ich mich dann besser fühle“, wehrt sich die Abiturientin gegen entsprechenden Verdacht. Ihr sei auch klar, dass sie die Welt nicht verändern könne, aber: „Ich will etwas abgeben.“ Und sie ist sicher, dass sie umgekehrt viel zurückbekommen und um wichtige Erfahrungen reicher, und sicher dankbar für ihre eigene Kindheit und schulischen Chancen zurückkehren wird.

Sie hat auch schon an die Zeit nach dem August 2020 gedacht und sich an mehreren Unis für ein Psychologiestudium beworben. Positiver Nebeneffekt des Freiwilligen Sozialen Jahres: Ihr werden zwei Wartesemester und Punkte für den Dienst angerechnet. Ob es damit reicht für den NC werde man sehen. Darüber will sie sich jetzt keinen Kopf machen. Für Lea Wielspütz wird es die erste Asienreise überhaupt sein. Sie weiß, dass sie sich auf ein schwieriges Klima einstellen muss und auf Sprachschwierigkeiten. Die offizielle Sprache sei zwar Englisch, aber die Bevölkerungsgruppen Singhalesen und Tamilen haben ihre eigenen Sprachen und die möchte sie im Sprachkurs lernen. Dabei ist ihr klar, dass es in einem Jahr nur rudimentäre Kenntnisse sein werden.

Bei ihrer Bewerbung hatte Lea Wielspütz mehrere Länder-Optionen, aber sie entschied sich gleich für die erste Zusage. Alternativ hätte es auch Brasilien sein können, aber hier gefiel ihr die Arbeitsbeschreibung besser. Und das Projekt sei wichtiger als die Landschaft. Zur Vorbereitung war sie zehn Tage in einem Seminar im Schwarzwald. Das gehört, ebenso wie Reisekosten, Unterkunft, Verpflegung und Taschengeld zu den Leistungen der Organisation.

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