Gastronomische Unsitte : Wenn reservierte Tische leer bleiben

Sind Kunden verhindert, sagen sie häufig nicht in dem Lokal ab. Der Verdienstausfall zwingt Gastronomen zum Handeln.

Wer verhindert ist, sollte absagen – diese vermeintliche Selbstverständlichkeit gehört nicht nur bei Verabredungen mit Freunden oder Arztterminen zum guten Ton, sondern auch in der Gastronomie. Denn wer eine Tischreservierung nicht wahrnimmt, nimmt anderen einen Platz weg und verursacht Verluste beim Gastronom. Sogenannte „No-Shows“ sind ein weltweites Problem und das nicht nur an Feiertagen.

Bei Hochzeiten und anderen großen Veranstaltungen ist es üblich, eine Anzahlung in der Gastronomie zu leisten. „Da geht ohne Vorkasse gar nichts“, sagt Thorsten Hellwig, Sprecher der Dehoga Nordrhein. Diese Anzahlung dient dem Gastronom als Absicherung. Wenn der Kunde kurzfristig absagt, bleibt er zumindest nicht auf den Kosten sitzen. Anders sieht es da bei dem Lieblingsrestaurant um die Ecke aus: Ein Tisch für zwei ist dort schnell mal telefonisch für den Freitagabend reserviert. Dann hat es doch mal länger gedauert auf der Arbeit, die Couch ist deutlich attraktiver und gewinnt gegen die Holzstühle. Das Absagen der Reservierung vergessen dann viele. „Das ist ein grundsätzliches Umgangsproblem, wie Kunden mit den Gastronomen umgehen“, sagt Hellwig.

Im Restaurant „Zum Löwen“ an der Kaiser-Wilhelm-Allee ist das Problem bekannt. „Leider kommt es bei uns, wie auch bei vielen weiteren Gastronomen vor, dass Gäste ihre Reservierungen nicht wahrnehmen. Es hält sich aber in Grenzen“, sagt Betriebsleiter Michael König. Sofern die Gäste es erlauben, ihre Kontaktdaten zu speichern, kontaktiere das Restaurant die Gäste in Einzelfällen. „Wenn bei größeren Anfragen die Reservierungen nicht wahrgenommen werden, gehen wir dem Ganzen nach“, sagt König. Vor allem wolle man dann auch feststellen, ob sich dort Missverständnisse ergeben haben. Ein falsches Datum oder eine falsche Uhrzeit könnte notiert worden sein. In den häufigsten Fällen handele es sich um kurzfristige Krankheitsfälle. Die Gäste würden dann für einen alternativen Termin reservieren. „Für den Kunden fallen aber keine Kosten an, solange es keine vertraglich geregelte Vereinbarung gab“, sagt König.

Problematisch wird es vor allem für Betriebe, die keine Laufkundschaft, sondern Zielkundschaft bedienen. Diese Restaurants sind vielleicht etwas außerhalb gelegen, Menschen fahren nur wegen des Lokals in die besagte Gegend. „Bei Ausfall kommt da so schnell keiner vorbei“, sagt Hellwig. Immer mehr Gastronomen sind daher gezwungen, Maßnahmen zu ergreifen. Viele erinnern die Gäste nochmals telefonisch an ihre Reservierung, manche verlangen aber auch schon Anzahlungen. „Ein Brauhaus in Köln verlangt beispielsweise eine Reservierungsanzahlung“, sagt Hellwig. Natürlich sei es aber auch immer ein Unterschied ob zwei oder 15 Personen reservieren.

Etwas außerhalb vom Stadtkern liegt auch die La Vecchia Osteria. An der Altenberger Straße hat Renato Fendi sein italienisches Restaurant. Erst heute sind acht Personen nicht zum Mittagstisch erschienen. „Normalerweise lasse ich mir immer die Telefonnummer geben, aber dieses Mal habe ich es vergessen“, sagt Fendi. Ärgerlich – denn so blieb der Tisch leider leer. Immer wieder passiere es, dass Gäste trotz Reservierung nicht erscheinen. Im Normalfall hakt er nach: „Ich hätte heute spätestens um 13 Uhr angerufen und nachgefragt“, sagt Fendi. Manchmal würden seine Kunden dann im Stau stehen oder in einer Besprechung feststecken.

Aber nicht nur in Nordrhein-Westfalen kennt man das Problem, sondern weltweit. In anderen Ländern, wie zum Beispiel in den USA, ist es üblich, Kreditkartendaten zu hinterlegen, oder Anzahlungen zu leisten. „So weit sind wir hier noch nicht. Aber je nach dem wie es sich entwickelt, können Gastronomen sich bald keine Reservierungen mehr ohne Vorkasse leisten“, sagt Hellwig.

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