Umweltschutz : Politik stemmt sich gegen Schlegelmulcher

Das von der Stadt genutzte Mähgerät schädige Flora und Fauna massiv, klagen die Grünen. Polit-Beratung vertagt.

Zigarettenkippen, Plastiktüten oder Netze. Die Liste von Gegenständen, die Menschen achtlos an Straßenrändern und auf Wiesen entsorgen, ist lang. Kaum ein Stück Natur bleibt von dieser Umweltverschmutzung verschont. Werden die Flächen gemäht, wird es noch schlimmer. Denn der in Leverkusen meist übliche Einsatz von sogenannten Schlegelmulchern schädige Wiesenflora und Fauna massiv und nachhaltig – und gehe vor allem zu Lasten von Bienen und Insekten, sagt die Fraktion Bündnis 90/Die Grünen. Weil restlos alles – auch Müll und Unrat – zerkleinert werde, sei die Gefahr groß, dass Tiere die kleinen Kunststoffpartikel bei ihrer Nahrungssuche aufnehmen.

Zudem spüle der Regen die kleinen Plastikpartikel gegebenenfalls in die Bäche und Flüsse, womit der Müll letztlich auch ins Meer gelangen könnte, beklagte der Grüne Klaus Wolf im Bauausschuss. „Der Abfall muss vor dem Mähen aufgesammelt werden“, ergänzte Wolf.

Im Umweltausschuss forderte Dirk Danlowski, auf den Einsatz der Mulchmaschine zu verzichten und besser einen Balkenmäher zu verwenden. Der Natur zuliebe sollte außerdem über verminderte Mäh­intervalle und größere Schnitthöhe nachgedacht werden. Die Bayerische Akademie für Naturschutz und Landschaftspflege hat einen entsprechenden Bericht über „Gefährdung tierischer Organismen durch die Wiesenmahd“ veröffentlicht. Darin werden Maßnahmen als besonders wirkungsvoll erachtet, die „in einem bestimmten Gebiet oder zu einer bestimmten Zeit auf das Mähen verzichten. Altgrasstreifen, Rotationsbrache, Schnittzahlreduzierung und Verzögerung des ersten Schnitts sind die Mittel der Wahl“.

Der städtische Fachbereich Stadtgrün sieht das offenbar anders und schreibt unter anderem in einer Stellungnahme: „Der flächendeckende Verzicht auf den Einsatz von Schlegelmulchgeräten bei der Wiesenmahd ist finanziell und in der Praxis nicht darstellbar.“ Ein Balkenmäher funktioniere keinesfalls bei den vielen kleinen und schmalen Wiesen oder Grundstücken in der Stadt. Dort wäre die klassische Handarbeit mit (Motor-)Sense und Rechen die einzige Alternative. Erst nachdem die Untere Naturschutzbehörde (UNB) das sogenannte Wiesenkataster erstellt habe, könne geplant werden, welche Flächen mit dem Balkenmäher zu mähen seien.

Mit keinem Wort gehe die Verwaltung auf den Anspruch einer insekten- und bienenfreundlichen Stadt ein, klagte Danlowski. Zudem vermisse er Angaben über Schnitthöhe und Häufigkeit des Mähens. Ohnehin sei das Kataster, das im April 2016 beantragt wurde, längst überfällig. Dezernent Alexander Lünenbach räumte Fehler bei der inhaltlichen Ausgestaltung ein. Das Thema wurde in beiden Ausschüssen um einen Beratungsturnus vertagt.

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