Friedensaktivist besucht Opladen : Palästinenser stellt „Zelt der Nationen“ vor

Anschläge, Gewalt und eine meterhohe Mauer, die zwei Länder trennt. Wenn Deutschland über die politische Situation in Israel und Palästina berichtet, dominieren häufig gewaltvolle Bilder. Auch für den palästinensischen Christen Daoud Nassar (47) gestaltet sich das Leben alles andere als einfach.

Im Berufskolleg Opladen (BKO) berichtet der Friedensaktivist über seine Erfahrungen, Erinnerungen und tägliche Schikanen.

Sein 42 Hektar großes Grundstück ist umgeben von israelischen Siedlungen. Aber obwohl sich dieses Grundstück seit einigen Generationen in Familienbesitz befindet, streitet Daoud Nassar schon seit vielen Jahren mit der israelischen Verwaltung über die Rechtmäßigkeit des Besitzes.

Laut Vorschriften der Israelis darf auf dem Land von Palästinensern nicht oberirdisch gebaut werden, es dürfen auch kein Strom oder Wasser fließen. Mit einfachen Mitteln versucht Daoud Nassar die Tradition seiner Familie zu erhalten, weiterhin Bäume zu pflanzen und Früchte zu ernten. Solarzellen sollen helfen unabhängiger zu werden. Die Kompost-Toilette hilft beim Wasser sparen. Mit dem so entstandenen Bio-Gas soll in Zukunft gekocht werden.

Nassar hätte so viele Gründe seine israelischen Nachbarn zu hassen. Doch stattdessen hat der 47-Jährige sein Land zum Friedens- und Begegnungszentrum ausgebaut. Das Projekt „Tent of Nations“, übersetzt „Zelt der Nationen“, wurde von ihm gegründet. Er lebt dabei nach dem Motto „Wir weigern uns, Feinde zu sein“. In diesem Jugendbegegnungszentrum werden auch Frauenprojekte unterstützt. Damit sollen jungen Frauen, die keine Möglichkeit auf eine Ausbildung haben, Chancen gegeben werden. Die Mädchen und Frauen sollen dort motiviert werden und versuchen, ihre eigenen Stärken und Interessen zu entdecken.

Mittlerweile besuchen Daoud rund 8000 Gäste pro Jahr. Schon mehrmals haben Schüler des BKO in den vergangenen Jahren Nassar und sein Projekt „Tent of Nations“ besucht. Das Berufskolleg unterhält unter anderem Partnerschaften mit zwei Schulen in Palästina und unterstützt die Friedensaktivitäten von Daoud Nassar. Organisiert wird der Schüleraustausch von einem ehemaligen Lehrer des BKO, Gregor Schröder.

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