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Leverkusen Zirkus Zappzarap muss jetzt selbst jonglieren

Fehlende Aufträge : Zirkus Zappzarap muss jetzt selbst jonglieren

Die Zirkusmanegen von Zappzarap sind eingemottet, sechs Lastwagen wurden abgemeldet, um laufende Kosten während der Zwangspause zu senken. Das Projektzirkus-Unternehmen ist zurzeit täglich mit der Storno-Abwicklung beschäftigt. Die Einnahmen bleiben aus.

Viele Kinder kennen ihn, und für alle waren es ganz besondere Tage, wenn der Circus Zappzerap mit einem Projekt in ihrem Kindergarten, in der Schule oder einer Ferienaktion präsent war. In kleinen Gruppen haben sie hinter dem Vorhang Zirkusluft schnuppern können, haben unter Anleitung eindrucksvolle Kunststückchen einstudiert und wurden innerhalb weniger Tage selbst zu kleinen Artisten oder Clowns, die zum Abschluss ein ganzes Programm auf die Beine stellen konnten.

In Zeiten von Homeschooling und sehr begrenztem Präsenzunterricht sind solche besonderen Erfahrungen schlicht unmöglich. Und das kleine Unternehmen, das neben zehn festen Mitarbeitern in Hochzeiten zusätzlich bis zu 50 Honorarkräfte beschäftigt, hat bereits die sechs Lastwagen und zwei Transporter abgemeldet, um die laufenden Kosten wenigstens ein bisschen zu reduzieren.

Doch die Situation sei äußerst ernst, erklärt Daniel Klein, der Kundenberater von Zappzarap. Anfragen bearbeiten muss er derzeit weniger, dafür ist er täglich mit der Storno-Abwicklung beschäftigt. Nach und nach sagten Schulen und Kindergärten die Buchungen für Zirkusprojekte ab. Das gleiche gelte für die Angebots-Sparte der Lehrer-Fortbildungen. Nur gebe es bislang niemanden, der bereit sei, zumindest einen Teil der Stornogebühren zu übernehmen, klagt Klein.

Man habe sich mit anderen ähnlichen Anbietern beraten und sei in der Branche allgemein der Auffassung, dass die Schulträger zumindest eine anteilige Entschädigung leisten müssten. Der Wert der pädagogischen Arbeit des Schulzirkus als außerschulische Bildung sei schließlich offiziell anerkannt und entsprechend bescheinigt. „Deswegen sind wir beispielsweise auch von der Umsatzsteuer befreit“, erklärt der Mitarbeiter.

Doch nun duckten sich alle weg. Sämtliche Bemühungen um Entschädigung seien bisher ins Leere gelaufen, die Schreiben an fast alle zuständigen Landesministerien blieben unbeantwortet.

Eine andere Möglichkeit wäre der angekündigte Rettungsschirm für die Schaustellerbranche. „Da würden wir eigentlich auch drunter fallen.“ Denn der Circus Zappzarap exportiert seine Projekte mitsamt Pädagogen, Equipment und komplettem Zirkuszelt für die Aufführungen, die immer am Ende einer Aktion stehen, über die Landesgrenzen hinaus bis hin nach Belgien, Luxemburg und Österreich. Auch eine deutschsprachige Schule in der Lombardei hatte sie gebucht.

Von Ostern bis Ende August sei Hochkonjunktur, so Daniel Klein. Deswegen arbeite man mit zusätzlichen Honorarkräften, so dass in der heißen Phase sechs Schul- beziehungsweise Kitaprojekte gleichzeitig laufen und parallel noch zwei Fortbildungsmaßnahmen für Lehrer stattfinden könnten.

Für 2020 war der Kalender komplett voll, doch konnten nur zehn Zirkus-Projektwochen durchgeführt werden, dann kam der Corona-Lockdown. Und damit reihenweise Absagen für rund 100 Buchungen bis zu den Sommerferien.

Nun hofft der Zirkus, dass wenigstens vorgesehene Ferienbetreuungen stattfinden können, die Jugendämter oder Jugendeinrichtungen veranstalten. Im Austausch mit den entsprechenden Kommunen würden derzeit entsprechende Hygienekonzepte entwickelt, die von den zuständigen Gesundheitsämtern genehmigt werden müssten. Die erste sollte gleich zu Beginn der großen Ferien im Begegnungszentrum Köln-Deutz starten. Ein kleiner Hoffnungsschimmer immerhin.

Die Einnahmen werden dringend gebraucht. Denn wie bei anderen Saisongeschäften wurde der Winter zur Instandhaltung und Erneuerung genutzt. Da sei einiges investiert worden, was normalerweise in der Hauptgeschäftszeit refinanziert werde, erklärt Klein. „Wir sind in Vorleistung gegangen, haben einen Kredit aufgenommen und nun steht der ganze Laden still.“