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Leverkusen Wuppertal Cannabis-Plantage: „Gärtner“ stehen vor Gericht

Angeklagt : Cannabis-Plantage: „Gärtner“ stehen vor Gericht

Ein 24-jähriger Leverkusener muss sich derzeit in Wuppertal wegen Marihuana-Anbaus im großen Stil verantworten. In einer ehemaligen Aldi-Filiale in Wuppertal soll er mit einem 27-jährigen wohnsitzlosen Albaner Cannabispflanzen gezüchtet haben. Über den Auftraggeber wollen beide nichts sagen.

Überall lag Müll herum, dazwischen leere Flaschen: Mit „schöner Wohnen“ hatte das, was sich Ermittlungsbeamten im Keller einer ehemaligen Aldi-Filiale in Wuppertal darbot, nichts zu tun. Penibel angeordnet war derweil die Elektroanlage, mit der die Marihuana-Plantage beleuchtet und beheizt wurde. Und alles scheint sich um eine Zahl gedreht zu haben: 27 Grad Celsius. Als Plantagengärtner sollte man offenbar die Vorlieben dessen kennen, was gehegt und gepflegt wird. Für den 24-jährigen Leverkusener und einen 22-jährigen Albaner ohne festen Wohnsitz war das „Gärtner-Latein“ jedenfalls das erste, was ihnen vom Auftraggeber mitgeteilt wurde.

Beide haben am zweiten Verhandlungstag in dem gegen sie geführten Prozess am Wuppertaler Landgericht die Taten gestanden. Über denjenigen, der sie von Leverkusen aus nach Wuppertal gelockt haben soll, wollen sie hingegen nicht sprechen: Aus Angst  – beide vermuten den Auftraggeber im Rocker-Milieu.

Der Leverkusener hatte gerade seinen Job bei einer Zeitarbeitsfirma verloren, der jüngere Mittäter hatte zur Tatzeit obdachlos in Leverkusen und Wuppertal im Bahnhofsmilieu herumgelungert. Die Angeklagten scheint Geldnot geplagt zu haben, als sie im Herbst 2019 in der Plantage einzogen. Sie sollen dort für zwei Wochen gewohnt haben  –  unter Wohnen dürfte man sich üblicherweise jedoch etwas anderes vorstellen. Gehaust  – so ließe sich der Aufenthalt zwischen Mülltüten, Bewässerungsleitungen und Elektrokabeln wohl eher umschreiben.

  • Marihuana-Anbau im großen Stil sollen die
    Leverkusener vor Gericht : Marihuana-Plantage in einer früheren Aldi-Filiale
  • In Melonen könnten Pflanzenschutzmittel sein. ⇥Foto:
    Rückrufaktion : Melonen an Rader Aldi-Markt geliefert
  • Der Parkplatz (Archivfoto) soll bald bewirtschaftet
    Parken in Goch : Auf dem Aldi-Parkplatz bald Parkgebühren

Sie seien als „Pflanzengießer“ angeheuert worden und hätten auch alles das erledigt, was ansonsten noch auf der Plantage zu tun gewesen sei. Zwischendurch hätten sie sich auch schon mal einen Joint gegönnt  – inmitten von 1058 Cannabispflanzen und weiteren 12,6 Kilogramm abgeerntetem Marihuana dürfte das kaum aufgefallen sein.

Hin und wieder sei der Auftraggeber zur Kontrolle vorbeigekommen in den zwei Wochen, in denen sie dort „gegärtnert“ haben. Irgendwann hätten sie draußen vor der Türe laute Geräusche gehört und den Einbruch einer rivalisierenden Rocker-Bande gefürchtet. Bei der Flucht durch ein Garagentor waren sie kurz darauf Polizeibeamten in die Arme gelaufen.

Die waren von einer Zivilstreife hinzugebeten worden, nachdem man im Keller der ehemaligen Aldi-Filiale eine Cannabis-Plantage vermutet hatte. Die Beamten sollen zuvor mit dem Versuch gescheitert sein, die Türe mit einer Ramme aufzubrechen. Beim Öffnen des Garagentors durch die flüchtenden Angeklagten sei ihnen dann tropische Hitze und der typische Cannabis-Geruch entgegengeschlagen.

Die darüber wohnenden Nachbarn sollen hingegen nichts mitbekommen haben von den kriminellen Machenschaften im Keller. 200 Euro will der Leverkusener für seinen Plantagendienst bekommen haben. „Und dafür sitze ich jetzt im Gefängnis“, ließ er über seinen Anwalt mitteilen.

Der Prozess wird fortgesetzt, im Juli soll das Urteil verkündet werden.