Leverkusen: WGL soll generelles Vorkaufsrecht für städtische Wohnbau-Grundstücke bekommen.

Wohnungsbau : Rat will Sozialwohnungen erzwingen

WGL soll generelles Vorkaufsrecht für städtische Wohnbau-Grundstücke bekommen.

Grünen-Ratsherr Stefan Baake jubelt auf Facebook: „30 Prozent der Wohnungen in (Leverkusener) Neubaugebieten sind künftig Sozialwohnungen.“ Tatsächlich hat der Stadtrat am Montag auf Antrag von Grünen und SPD diese Auflage für Bauherren beschlossen (21 Ja- zu 18 Nein-Stimmen). CDU und FDP lehnten die „pauschale Quote“ als ungeeignetes Mittel zur Schaffung von günstigem Wohnraum ab. Ob die Stadt die Quotierung durchsetzen kann, ist umstritten. Ebenfalls beschlossen wurde, dass die städtische Wohnungsgesellschaft Leverkusen (WGL) ein generelles Vorkaufsrecht für städtische Wohnbau-Grundstücke bekommt. „Das ist rechtswidrig“, wertete CDU-Ratsherr Frank Schönberger.

In ihrer Stellungnahme betont die Stadtspitze, dass der Rat schon 2013 beschlossen hat, „den Neubau geförderter Mietwohnungen voranzutreiben sowie preiswerten Wohnraum zu sichern“. In Leverkusen fehlten speziell Einraumwohnungen und große Wohnungen für Familien. Auch steige die Zahl der von Wohnungslosigkeit bedrohten Menschen, teilte der Fachbereich Soziales mit. WGL-Geschäftsführer Wolfgang Mues ergänzte auf Nachfrage unserer Redaktion: „Bei uns stehen 1857 Wohnungssuchende auf der Warteliste.“ Zwei Drittel der Bewerber hätten Anrecht auf eine Sozialwohnung.

Bei neu gebauten Wohnungen stiegen laut Stadt die Mieten zwischen 2007 und 2017 um 50 Prozent an. Dies bedeute einen Durchschnittspreis von zehn Euro/Quadratmeter in Neubauten. Nach eigener Angabe fordert die Stadt von Bauherren schon, Sozialwohnungen zu bauen. Bei mehr als 20 geplanten Wohnungen soll jede vierte Wohnung eine Sozialwohnung sein.

Dieses Jahr ist der Bau von 100 öffentlich geförderten Wohnungen angekündigt. Vor allem in der Neuen Bahnstadt, berichtete Oberbürgermeister Uwe Richrath im Rat. Allein WGL und Bauverein Opladen (GBO) verfügten in Leverkusen derzeit über 9000 „günstige“ Wohnungen. 2019 lag die Durchschnittsmiete einer WGL-Wohnung bei 5,87 Euro/Quadratmeter.

Was die Politiker bei der Debatte um Schaffung von günstigem Wohnraum nicht diskutierten: Im Dezember beschloss der Rat auch mit Stimmen von SPD und Grünen, dass die WGL in den nächsten zwei Jahren mit ihren Mietern ein hohes Einnahmeplus realisieren soll: Rund elf Mio. Euro an Gewinn soll sie an die Stadtkasse abführen.