50 Jahre Städtepartnerschaft zwischen Bracknell und Leverkusen Very british – aus Telefonzelle wird Bücherschrank

Leverkusen-Opladen · Statt Telefon gibt’s jetzt Krimi und Co. Am „Bracknell-Square“ in Opladen nahmen die Städtepartnerschaftsvereine aus Leverkusen und Bracknell samt Stadt- und Politikvertretern einen neuen Bücherschrank in „englischem Design“ in Betrieb.

 Bernhard Marewski, Mary Temperton, Mary Baker, Renate Buchwald (Freundeskreis Bracknell-Leverkusen) und Ulrich Liebetrau räumten mit weitern Gästen die ersten Werke in den Bücherschrank.

Bernhard Marewski, Mary Temperton, Mary Baker, Renate Buchwald (Freundeskreis Bracknell-Leverkusen) und Ulrich Liebetrau räumten mit weitern Gästen die ersten Werke in den Bücherschrank.

Foto: Ludmilla Hauser

Englischer Morgen in Opladen. Am Himmel über dem „Bracknell-Square“ kündigt sich langsam der nächste Schauer an, während zwischen roter „letter box“, „litter bin“ und „telephone booth“ englisches Stimmgewirr herrscht. Unter anderem erzählt Mary Temperton, dass ihr Ehemann einer der Mitbegründer der Städtepartnerschaft zwischen Leverkusen und Bracknell war. „Ich kann gar nicht glauben, dass das schon 50 Jahre her ist.“ Auch sie war seitdem engagiert, sei mittlerweile zum siebten Mal in Leverkusen. „Und leider kann ich immer noch kein Deutsch“, erzählt die Engländerin lachend. Öfter habe sie sich zu einem Deutschkursus angemeldet, aber immer sei etwas dazwischengekommen. Mittlerweile sei sie auch noch im Stadtrat.

Temperton ist mit Bürgermeisterin Mary Baker, die erst im vergangenen Jahr dem Partnerschaftsverein beigetreten ist, und weiteren Vereinsmitgliedern derzeit in Leverkusen zu Gast, um 50 Jahren Städtepartnerschaft zu feiern – und am „Bracknell-Square“ an der Bracknellstraße in Opladen ein weiteres kleinen Stück britischer Tradition zu eröffnen. In der typischen roten Telefonzelle auf dem kleinen Platz ist jetzt ein neuer Bücherschrank offiziell in Betrieb gegangen. Die beiden Marys bestückten die Regalbretter mit den ersten literarischen Werken – natürlich in englischer Sprache. Vereinsmitglieder hatten die Bücher extra aus England mitgebracht.

Die typische englische rote Telefonzelle, eine der Tourismus-Attraktionen der Insel, als Bücherschrank – ist das ein praktischer Gedanke oder Frevel an einer Art Nationalheiligtum? Mary Baker und Mary Temperton winken ab. „Die Telefonzellen sind ja auch in England nicht mehr in Betrieb. Und wenn Sie mal in den Dörfern gucken, da sind viele mittlerweile zu solchen Bücherschränken umfunktioniert.“ Wer in Großbritannien unterwegs ist, weiß sowieso: Second-Hand-Bücher gibt es fast an jeder Ecke, mal kostenfrei, mal für kleines Geld. „Es ist doch schön, dass jetzt auch in der Partnerstadt zu erleben ist, was in England mit den Telefonzellen passiert“, ergänzt Mary Temperton. Bürgermeister Bernhard Marewski outet sich als Fan von Bücherschränken: Das „sind nicht nur Literatur-Depots, sondern auch Orte für Begegnungen und Gedankenaustausch“. Und auch die Telefonzelle am „Bracknell-Square“ ermuntere nun den ein oder anderen sicherlich, „wieder einmal zum Buch zu greifen“. Shakespeare. Dickens, Woolfe, Goethe, Schiller, Kästner – „sowohl das vereinigte Königreich als auch Deutschland haben als herausragende Kulturnationen über Jahrhunderte viele der bedeutendsten Schriftsteller hervorgebracht“, betont Marewski. Eingezogen in „den Bücherschrank im englischen Design“ (Bezirksbürgermeister Ulrich Liebetrau) ist am Montagmorgen als einer der ersten der britische Erfolgsautor Ken Follettt. Eines seiner Werke steht neben einer ganzen Reihe an deutsch- und englischsprachigen Büchern auf den Regalbrettern, die die Aktionsgemeinschaft Opladen in der Zelle installiert haben. Der AGO übernimmt die Patenschaften für die neue Bücherzelle.

 Werke von Ken Follett, Agatha Christie und weiteren Autoren sind schon in die neue Bücherzelle eingezogen.

Werke von Ken Follett, Agatha Christie und weiteren Autoren sind schon in die neue Bücherzelle eingezogen.

Foto: Ludmilla Hauser

Vor allem Mary Temperton sind Freude und Aufregung gleichermaßen anzumerken. Nicht nur über den Bücherschrank, sondern vor allem über die 50 Jahre währende Freundschaft. „Es ist wunderbar, hier zu sein“, betont sie. Über die Jahre hätten sich zwar immer mal wieder die Gastfamilien geändert, der harte Kern sei aber bestehen geblieben, echte Freundschaften seine gewachsen, der Austausch lebe. „Sportklubs und Feuerwehren kamen zum Austausch, viele Familien lernten sich kennen“, formuliert sie. „Manche Partnerschaft zwischen Städten gibt es nicht mehr. Aber wir, wir sind nach 50 Jahren immer noch da.“