Tanz : Der Geschichtenerzähler der „13 Zungen“

Cloud Gate 2 gastierte diese Woche in Leverkusen und begeisterte mit einer Symbiose aus Ballett und Kampfsport das Fachpublikum im Forum.

Eine Straße, ja sogar ein Asteroid, tragen in der Heimat die Namen des gefeierten Ensembles. Bisher zweimal – in den Jahren 1988 und 1995 – war das „Cloud Gate Dance Theater of Taiwan“ im Leverkusener Forum zu Gast. Am Donnerstag stand zwar „nur“ die Schwestercompagnie des Original „Wolkentor“-Tanztheaters auf der Bühne, doch auch dieses Ensemble gilt als eine der interessantesten und renommiertesten Compagnien Asiens.

Die Show startete in monochromem Schwarz. Mit elf Mitwirkenden, die im Rhythmen stampften und klatschten, schrien oder quietschten, dazu taoistische Mantras sangen. Mal wirbelten sie wild durcheinander, dann gingen sie wieder geordnet über die Bühne und präsentierten, heftig wie in Ekstase zuckend, die Körper in S-Kurven versunken, ein insgesamt bizarres Spektrum an körperlichen Bewegungen. Bewegungen, die zeitgenössischen Tanz mit Ballett und einer Mischung aus verschiedenen Kampfsportarten miteinander verbanden.

Mitunter glich das Ensemble einem Fischschwarm. Die Assoziation lag nahe, sorgte die Lichttechnik doch für entsprechende Szenen, als ein bunter Koi an der Bühnenwand entlang schwamm, eine Göttin hervorkam, schwebte und über die Köpfe der schwarz gewandeten Feiernden wanderte. Nach und nach wurde den Kostümen und der Beleuchtung mehr Farbe hinzugefügt. Bis die Bühne am Ende des ersten Aktes in Neonfarben erstrahlte. Dazu erklangen Töne, die von elektronischer Musik bis zu Volkslied-Melodien reichten, kombiniert mit Schwaden der Stille. Lediglich die Schritte der Tänzer und deren kollektive Atemzüge durchbrachen diese Ruhe.

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Leverkusener Tanz-Fans waren in der Minderheit. Umso mehr Besucher der internationalen Tanzmesse NRW für zeitgenössischen Tanz waren gekommen und entsprechend beeindruckt von der künstlerischen Vielfalt. Choreograf Cheng Tsung-lung erzählte Geschichten eines Straßenkünstlers, die er oft von seiner Mutter hörte. Dieser Mann mit Spitznamen „13 Zungen“ konnte in verschiedene Rollen schlüpfen. Seine Episoden beschrieben Szenen aus Vergangenheit und Gegenwart aus Bangka, dem ältesten Stadtviertel von Taipeh. Dieses Quartier war reich an taoistischen Tempeln, religiösen Riten und feierlichen Umzügen.

Inspiriert durch diese Erinnerungen ist es Cheng mit viel Fantasie gelungen, selbst zu einem modernen „13 Tongues“ zu werden: Indem er dem Geschehen grellbunte Fantasien zufügte, mit Szenen des geschäftigen Straßenlebens Taipehs ausschmückte, Klänge von taoistischen Prozessionen hinzugab und mit dem Treiben von Bettlern ergänzte.