Leverkusen: Tafel braucht mehr Platz und Personal

Zahl der Bedürftigen steigt : Tafel braucht mehr Platz und Personal

7000 Bedürftige versorgen die Ehrenamtler mit Lebensmittel. Die Nachfrage ist im Jubiläumsjahr ungebrochen.

Die Sorge um das tägliche Brot ist für viele Menschen unserer Stadt zum ständigen Begleiter geworden. „Ich habe das Gefühl, die Zahl der Bedürftigen steigt immer weiter“, sagte Reiner Endlein, zweiter Vorsitzender jener Einrichtung, die in diesem Jahr ihr 20-jähriges Bestehen feiert: der Leverkusener Tafel. Ein trauriger Jahrestag? „Wir haben mal gesagt, es wäre toll, wenn es die Tafel nicht mehr geben müsste“, so Endlein, „aber die Menschen hier sind froh, dass es uns gibt. Somit ist unsere Aufgabe aktueller denn je.“

In der Tat nutzen mehr als 7000 Einwohner die Gelegenheit, qualitativ einwandfreie Nahrungsmittel, die im Wirtschaftsprozess nicht mehr verwendet werden können, an insgesamt sieben Ausgabestellen im Stadtgebiet abzuholen. Aber: Ohne die insgesamt 220 ehrenamtlichen Helfer, die pro Monat etwa 80 Tonnen Lebensmittel bei örtlichen Discountern und Händlern einsammeln und anschließend für Tafel-Kunden vor- sowie aussortieren, würde nichts gehen. Das zeigt schon alleine die Tatsache, dass die Ausgabestelle Quettingen vorrübergehend geschlossen bleibt, weil es derzeit zu wenig Fahrer für die Transporter gibt.

„Wir müssen dringend Verstärkung haben“, betonte Vorsitzender  Adolf Staffe bei der symbolischen Schlüsselübergabe am Montag in der Mercedes-Benz-Niederlassung Leverkusen. Dort nahm er einen neuen 314 CDI Sprinter mit Kühlkoffer entgegen. Das Fahrzeug stand schon lange auf der Wunschliste, denn es ermöglicht die Einhaltung der vorgeschriebenen Kühlkette und somit die Ausgabe von Tiefkühlkost an Bedürftige.

Doch erst mit Hilfe von Sponsoren wie Mercedes, Sparkasse Leverkusen, Paeschke, Currenta und Lions-Club war die Anschaffung möglich. Staffe: „Es ist ein Sonderangebot, sonst hätte es die Tafel nicht geschafft, diese Summe zu zahlen.“ Ohnehin musste der Verein dafür insgesamt 20.000 Euro aus den Rücklagen entnehmen, die eigentlich für Notsituationen geplant waren. „Das tut weh“, bemerkte Endlein.

Rund 100.00 Euro pro Jahr benötigt die Tafel insgesamt, um Kosten decken zu können. Der Gesamtbetrag deckt sich zu etwa 80 Prozent aus Spenden, den Rest zahlen Mitglieder durch ihre Beiträge sowie Bedürftige mit Ausweis, die jeweils 1,50 Euro zahlen, wenn sie Waren erhalten. Bislang war dieser Betrag unabhängig von der Größe der Familie fällig. Neuerdings werden die Kosten gestaffelt. Neu ist ebenfalls ein Tag für Senioren über 60 Jahre, und zwar immer am letzten Mittwoch eines Monats in Wiesdorf, Dönhoffstraße 103. „Wir haben festgestellt, dass es immer mehr bedürftige Senioren gibt, und sie sich wohler fühlen, wenn sie unter sich bleiben können“, begründete Endlein. „Viele schämen sich oder haben Angst, zur Tafel zu gehen.“

An sieben Außenstellen der Stadt gibt die Tafel Lebensmittel an Bedürftige aus. Alkenrath gehört dazu. Foto: Uwe Miserius/Miserius, Uwe (umi)

Noch viel drängender ist ein anderes Problem: Die Zentrale in Wiesdorf platzt aus allen Nähten. Seit etwa drei Jahren wird deshalb schon – bislang ohne Erfolg – nach verschiedenen Möglichkeiten gesucht. In Frage käme eine Vergrößerung oder ein Neubau. Für Letzteres würde ein ungefähr 1000 Quadratmeter großes Grundstück benötigt, auf dem eine 400 Quadratmeter große Halle errichtet werden könnte. Aktuell wird außerdem geprüft, ob der Bunker verändert werden kann. Dazu ist die Tafel im Gespräch mit den zuständigen Fachabteilungen der Stadtverwaltung.