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Leverkusen: Svenja Wichmann präsentiert Ausstellung

Neue Schau im Schloss Morsbroich : Second-Hand-Unikate werden zu Kunstwerken

Svenja Wichmann gewann einen Nachwuchspreis für ihr Modelabel, mit dem sie künstlerisch gesellschaftliche Themen aufgreift. Ihre Werke sind nun um Museum Morsbroich zu sehen.

Die großen Plakate und Werbefotos in Leuchtrahmen entsprechen denen, die man täglich an Straßen, Geschäften und in Magazinen sieht. So wird Mode präsentiert. Manchmal sind es so kunstvolle Fotografien, dass die beworbene Hose oder das T-Shirt nicht wirklich zu sehen sind. Offenbar reichen die kurzen Hinweise darunter: Top von Versace, Jeans and Sneakers von Maison Margiela oder Bra von Gucci. Gekauft werden Marken.

Das hat die junge Kölner Künstlerin Svenja Wichmann darauf gebracht, Konsumverhalten und Marketing zu hinterfragen und die Betrachter dabei genau an diesem Punkt zu packen. Sie entwickelte 2018 ihr eigenes Modelabel „Reference“ und präsentierte die wenigen Produkte auf dieselbe multimediale Weise wie die echten Modehäuser. Tatsächlich handelt es sich um Stücke aus dem Secondhand-Laden, die sie mit aufgestickten Label-Hinweisen zu Unikaten machte, das Künstlerinnen als Modell präsentierten, von Künstlerfotografen vor New Yorker Kulisse so inszeniert, dass sie die Kriterien für ein Edelmagazin erfüllen.

Ihre ersten Kollektionen sind unverkäuflich aber bis zum 15. November in den Sonderräumen des Museums Morsbroich zu sehen. Svenja Wichmann wurde für diese ungewöhnliche Arbeit mit dem KHM-Nachwuchspreis für Künstlerinnen ausgezeichnet, der jährlich in drei Kategorien von der Kölner Kunsthochschule für Medien als Beitrag zur Frauenförderung vergeben wird.

Wichtiger als das Preisgeld in Höhe von 1000 Euro ist wohl die Absicht, den Übergang von der Hochschule in den freien Markt zu erleichtern, durch die Vermittlung von Netzwerken. Das geschieht hier mit dem Museum Morsbroich als Kooperationspartner. „Wir bieten Svenja Wichmann ein Schaufenster, eine Plattform“, erklärt der kommissarische Museumsleiter Fritz Emslande. Die künstlerische Strategie der jungen Hochschulabsolventin ist, eine Situation zu schaffen, die den Betrachter dazu anregt, Bezüge zu schaffen und so sensibilisiert manches zu überdenken und zu hinterfragen, was im konkreten Leben als normal hingenommen wird. Es geht ihr um mehr als die alte Erkenntnis „Kleider machen Leute“.

Umgekehrt ist es heute üblich, die eigene Überzeugung über die Kleidung zu zeigen, mit angesagten Labels, mit politisch aufgeladenen Botschaften und plakativen Aufschriften. Durch diese Verschiebung des Bekannten schafft sie Irritation. Wo sind wir hier hineingeraten? In einen Messeauftritt? Oder ist es der erste Store in einem Museum?

Tatsächlich ist Wichmanns jüngste Kollektion ihrer vor zwei Jahren gegründete Modemarke auch käuflich. Unter dem Titel „Reference Cassandra“, was in ähnlich großen Lettern an der Wand steht wie bei Produktpräsentationen in Modehäusern, ist das Paket erhältlich. Darin steckt ein umfangreicher Reader, der ausführlich über die Problematiken Frauen und Rassismus, beziehungsweise über Moralität, Gutmenschentum und Entwicklungshilfe in Afrika (The white savior) informiert. Das weiße T-Shirt soll der Besitzer nach der Lektüre selbst mit dem beiliegenden Marker beschriften und damit selbst Verantwortung übernehmen.

Die Schau ist ab Samstag, 11 Uhr, im Museum Morsbroich, Gustav-Heinemann-Straße 80, zu sehen. Geöffnet: Di-So 11-17 Uhr. Künstlerinnen-Gespräch zur Finissage am 15. November um 14 Uhr.