Leverkusen: Stadtkantorei glänzt mit Auszügen aus "Judas Maccabäus" von Händel.

"Judas Maccabäus" : Stadtkantorei glänzt mit „kurzem“ Händel-Oratorium

Runder und warmer Chorklang dominierte bei der Kompaktfassung von Händels "Judas Maccabäus"

Verhalten und von wohlklingender Traurigkeit getragen beginnt das Oratorium Judas Maccabäus, das Georg Friedrich Händel spontan mehr Ruhm einbrachte als sein Messias. Vielleicht weil das Werk 1747 die aktuellen Ereignisse nach dem Jakobitenaufstand in England widerspiegelte in der alten Geschichte aus biblischer Zeit etwa 150 Jahre vor Christus. Ganz sicher aber wegen der mitreißenden Musik, die zwischen Kampfappell und Siegestaumel wechselt mit wundervollen Chören und innigen Arien, die den weniger packenden Handlungsstrang vergessen lassen.

Aber die Gefühle und Emotionen, die Händels Musik so unmittelbar weckt, packen die Zuhörer direkt. Jedenfalls wenn sie so aufrichtig interpretiert, frisch und engagiert gesungen werden wie beim Herbstkonzert der Stadtkantorei in der evangelischen Christuskirche in Wiesdorf. Kantor Bertold Seitzer hatte aus dem 65 Nummern umfassenden Mammutwerk eine Kurzfassung mit 15 Stücken ohne Rezitative extrahiert, die sich vor allem auf die wunderschönen Chöre konzentrierte. Rund, warm und erstaunlich geschlossen präsentierte sich die zahlenmäßig geschrumpfte Stadtkantorei, die sich unter Seitzers Leitung deutlich weiterentwickelt hat.

Die vier Solisten ließ er als Unterstützung in den jeweiligen Chorstimmen mitsingen. Und die fügten sich alle sorgfältig ein, ohne hervorzustechen. Eine wahre Freude. Genauso wie die ausgewählten Soloarien, Duette, Terzette und Quartette, bei denen Kantor Berthold Seitzer auf die speziellen Vorlieben seiner Solisten und ihrer Stimmcharaktere eingegangen ist. Marion Bücher-Herbst mit ihrem schlanken und warmen Sopran sowie ihr Mann Steffen Bücher mit seinem profunden und zugleich wendigen Bass gehören schon fast zum Bestand der Kantorei. Sie waren in vielen Konzerten dabei und sind auch schon für das nächste große Projekt gebucht: Das Konzert Ende März mit Vierne-Messe Cis-moll und Mendelssohns „Hör mein Bitten“ zusammen mit dem Chor der Kölner Antoniterkirche.

Dazu passten bestens der Alt von Andra Isabel Prins und der Tenor von Tobias Glagau, die musikalisch gut aufeinander eingestimmt sind. Die fehlenden Rezitative vermisste niemand wirklich, und sie waren in diesem Fall auch nicht wirklich wichtig für das Verständnis, weil sie sich im wesentlichen auf die Beschreibung vor oder nach der Schlacht beschränken und der Handlungsstrang nicht wirklich wichtig ist.

Im Gegenteil waren die Zuhörer des Herbstkonzerts sicher dankbar, sich auf die klanglich schönen und reizvollen Teile des Händel’schen Oratoriums konzentrieren zu können. Bei dieser Kompaktfassung verzichtete man auch auf das üppige Barockorchester. Das ersetzte Elke Schäfer-Ludin straff und zuverlässig am Klavier.