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Leverkusen: Stadt-Archiv saugt den Staub aus alten Akten

Leverkusen : Mit Feinstaubfilter gegen Akten-Milben

Das Stadtarchiv erhält ein Hygiene-Set mit Spezial-Staubsauger zur Reinigung seiner Bestände. Sechs Kilometer Aktenbände bewahrt.

Unter dem Schutzanzug und der Filtermaske ist Hardy Trautwein kaum noch zu erkennen. Die Hände des Archivars stecken in Gummihandschuhen, als er den Knopf drückt und der Spezialstaubsauger lossurrt. Langsam und vorsichtig führt Trautwein das schlanke Endstück des Saugers mit dem Bürstenaufsatz über die Falz des aufgeklappten Buches mit dem bräunlichen und etwas speckigen Deckel.

Er trägt den Titel "Ministerial-Blatt der Handels- und Gewerbeverwaltung 1924" und enthält amtliche Bekanntmachungen etwa zur damaligen Preisgestaltung und Versorgungslage. Spezialstaubsauger? "Das Hygiene-Set enthält einen Luftreiniger mit Feinstaubfilter", erklärt Restaurator Markus Vieten. Auf diese Weise würden auch feinste Stäube und Schimmelpartikel im Staubsauger gehalten und nicht wieder zurück in die Raumluft geblasen. Das Hygiene-Set für das Leverkusener Stadtarchiv ist eines von 26 im Gesamtwert von 39.000 Euro, die der Landschaftsverband Rheinland (LVR) an Archive in seinem Zuständigkeitsbereich vergibt.

Das Leverkusener Exemplar wird von den Stadtarchiven in Langenfeld, Monheim und Leichlingen mitgenutzt. Anlass für die verbesserte technische Ausstattung zum Schutz der in Archiven des LVR gelagerten Kulturgüter sei der Einsturz des Kölner Stadtarchivs im Jahr 2009 gewesen, berichtete LVR-Gebietsreferentin Heike Bartel-Heuwinkel gestern bei der Übergabe. Zunächst seien "Notfallboxen" an alle Archive verteilt worden. Dann hätten die Verantwortlichen über weitere Maßnahmen etwa zur Sauberkeit der gelagerten Bestände nachgedacht und seien auf die Spezialstaubsauger gekommen. Staubverschmutzungen begünstigen die Ausbreitung von Schimmelpilzen, Hefen, Bakterien, Viren und Milben. Feuchtigkeit begünstigt den Zerfall.

Im Stadtarchiv am Landrat-Trimborn-Platz lagern sechs Kilometer Aktenbände der Stadtverwaltungen Opladen und Leverkusen, berichtet Stadtarchivarin Gabriele John. Die Akten zu Verwaltungsvorgängen, etwa bei Grundstücks- oder Personenstandsangelegenheiten, datieren vom Beginn des 19. Jahrhunderts bis in unsere Zeit. Jedes Jahr kommen 160 Meter Akten hinzu. Besonders pflegebedürftig seien aber die privaten Nachlässe, etwa von Lehrern und Heimatforschern. Mitunter wurde Privates vor der Übergabe ans Archiv auch auf Speichern oder in Kellern gelagert und muss dann erstmal fachgerecht gereinigt werden.

Besonders wertvolle Nachlässe im Stadtarchiv sind etwa die Sammlungen der Familie Diergardt (Schloss Morsbroich) und der Stadtnamensgeber Leverkus.

(bu)