1. NRW
  2. Städte
  3. Leverkusen

Leverkusen SPD-Parteitag Thema Mobilität

SPD Parteitag zum Thema Mobilität : Wupsi-Chef: Busse müssen schneller als Pkw sein

Viele Benutzer von Linienbussen haben einen Traum: Sie gehen ohne vorherigen Blick auf den Fahrplan zur Haltestelle, Minuten später fährt der Bus vor, der Fahrgast steigt ein, muss dabei kein Ticket kaufen: Sein Handy kommuniziert automatisch mit dem Buscomputer, erkennt die gefahrene Strecke, regelt die Bezahlung.

Auf Kfz-Mautstrecken funktioniert das längst, im öffentlichen Bus- und Bahnverkehr nicht.

Mit dieser und anderen Fragen der „Mobilitätswende“ befasste sich die SPD Leverkusen am Samstag auf ihrem interessanten Parteitag im Bürgerhaus Alkenrath. „Wir wollen Ideen entwickeln, damit Mobilität und bessere Luft kein Widerspruch sind“, sagte Leverkusens SPD-Vorsitzende Aylin Dogan.„Mir geht die Verkehrswende nicht schnell genug“, ergänzte Oberbürgermeister Uwe Richrath (SPD) im Gespräch mit unserer Redaktion. „Wir müssen die Leute stärker zum Umstieg vom Auto auf Bus und Fahrrad oder zum Zufußgehen bewegen.“

Die Verkehrsexperten, die Dogan eingeladen hatte, sehen dies ähnlich, aber: „Die Mobilitätswende ist vermintes Gelände“, beschrieb Carsten Löcker. Der verkehrspolitische Sprecher der NRW SPD räumte ein: „Die Verkehrspolitik wurde von den Ministern lange mit dem Blick durch die Windschutzscheibe ihrer Dienstwagen gestaltet.“ So habe der Verwaltungsrichter, der jetzt Fahrverbote für Köln und Bonn anordnete, recht mit der Aussage: „Wer zehn Jahre (in Sachen Schadstoffreduzierung) pennt, der muss damit rechnen, dass Gerichte die Entscheidung fällen.“ In einem Antrag fordert die SPD Leverkusen von der Bundesregierung eine bundeseinheitliche Regelung zu Fahrverboten.

Wupsi-Chef Marc Kretkowski warnte: „In Leverkusen ist die Gefahr des Fahrverbots für Dieselfahrzeuge groß.“ Die Politiker müssten die Bedingungen für den Individualverkehr unattraktiver machen. Ziel: bessere Luft. Den Pkw-Nutzern würden zu viele Straßenflächen eingeräumt, die Parktarife seien deutlich zu billig, was sich wie die Aufforderung zur Anhebung der Parktarife anhörte.

Mit seinem modernisierten Busangebot will Kretkowski Mobilität aus einer Hand anbieten: Busse, die schneller als Pkw vorankommen, ergänzt mit Fahrradverleih und Car-Sharing. „Und ich kämpfe für eine ÖPNV-App, die alle Informationen rund ums Bus- und Bahnfahren bietet: Fahrpläne, Tickets, Anschlussverbindungen – und automatisch den Standort des Fahrgastes erkennt.“ Die SPD fordert dazu unter anderem: Carsharing- und Leihfahrradstationen in allen Stadtteilen, kürzere Bus-Taktzeiten, eine Schnellbuslinie zu Ford Köln und zu der Kölner Stadtbahnlinie 12.

Carsten Löcker bilanzierte: „Wir müssen den Menschen aber die Wahlfreiheit lassen, welches Verkehrsmittel sie für ihre Wege nehmen wollen.“ Der SPD-Mann nahm sich selbst als Beispiel: Für die Fahrt nach Leverkusen, so Löcker, hätte es für ihn am Samstag mit der Bahn 150 Minuten gedauert. Mit dem Auto schaffte er die selbe Strecke in 58 Minuten.