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Leverkusen: Sommerputz im Sensenhammer

Schlebuscher Wahrzeichen : Sommerputz im Sensenhammer

Der Schornstein des ältesten Industriewerks Leverkusens neigte sich bedrohlich. Fachleute sollen nun Abhilfe schaffen. Keine leichte Aufgabe bei einem so hohen Turm.

Als Wahrzeichen für die Geschichte der hiesigen Industriekultur soll er unbedingt erhalten bleiben, aber inzwischen drohte der Schornstein am Kopf des Freudenthaler Sensenhammers dem schiefen Turm von Pisa Konkurrenz zu machen. Als Architektin und Schatzmeisterin des Fördervereins sei sie häufig gefragt worden, wann man etwas zur Stabilisierung des 25 Meter hohen Turms zu tun gedenke, berichtete Renate Steudel bei der offiziellen Übergabe der Förderzusage in Höhe von 9500 Euro. Für sie sei es eine Freude, die gute Botschaft zu überbringen, versicherte Barbara Schock-Werner aus dem Vorstand der NRW-Stiftung. Denn das älteste Industriewerk Leverkusens gehöre zu den schönsten Projekten, die sie fördern.

Doch seit Jahren neigte er sich im oberen Bereich bedenklich. „Ein sicheres Zeichen, dass der Kamin versottet ist“, sagt Frank Schilling, Geschäftsführer der Bonner Firma Willems & Schüller, die sich auf die Sanierung von historischen, gemauerten Schornsteinen spezialisiert hat. Währenddessen haben sich zwei seiner Mitarbeiter sicher angeseilt und sind zu ihrer kleinen Arbeitsplattform in luftiger Höhe empor geklettert. Ein dritter Kollege zieht die Eimer mit angerührter Fugenmasse per Flaschenzug nach oben.

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Tatsächlich ist das Geld der NRW-Stiftung längst auf dem Konto des Fördervereins eingegangen, sonst hätten die Arbeiten gar nicht in Auftrag gegeben werden können. Die Handwerker, die das Mauerwerk seit einigen Wochen sanieren, sind inzwischen im oberen Fünftel des Schornsteins angekommen.

Vom Sockel angefangen haben sie sich Meter für Meter vorgearbeitet. Haben die Fugen ausgekratzt und neu befüllt, außerdem – wo nötig – geplatzte oder schadhafte Steine herausgestemmt und durch neue ersetzt. Weil es sich um leicht gebogene „Radialklinker“ handelt, mussten die Steine eigens dafür hergestellt werden, und zwar im ursprünglichen Farbton. Neue Industrieschornsteine sind aus Beton oder Stahl gefertigt.

Er freue sich immer, wenn so ein altes Stück erhalten und nicht abgerissen werde, sagt Schilling. Allerdings wird seine Firma auch mindestens zehnmal pro Jahr mit Abbrüchen beauftragt. Oft gebe es mehrere Türme auf einem historischen Industriegelände, und dann werde nur einer erhalten.

Das ist nicht nur mühsame Handarbeit, die ein gelernter Maurer ausführen muss. In diesem Fall müssen die Arbeiter schwindelfrei sein und eine Zusatzausbildung als Schornstein- und Feuerfestmaurer inklusive Sicherheitsschulung absolviert haben. In 25 Meter Höhe auf einem kleinen Podest zu stehen und dabei körperlich zu arbeiten, sei nicht für jeden etwas, weswegen auch händeringend Nachwuchs gesucht werde.

Die meisten Schornsteine seien höher als der am Sensenhammer und: „Den Luxus eines Hubsteigers leisten wir uns normal nicht“, sagt Schilling. Hier hatte man einen solchen Kranwagen eingesetzt, weil das Mauerwerk in den oberen drei Metern so löchrig war, dass man es nicht verantworten konnte, dort ein Gerüst anzubringen. Die Spitze wurde komplett abgetragen und nun neu hochgemauert.

Der Turm wird von innen belüftet und bekommt einen festen Deckel. So werde Schimmelbildung von innen vermieden, außen sollten sich nicht so schnell Moose und größere Pflanzen ansiedeln, die am Mauerwerk nagen. So soll er die nächsten Jahrzehnte gut überstehen.