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Leverkusen: So lief der Schulstart für Abiturienten nach Corona-Pause

Erster Schultag nach der Corona-Pause : So lief der Schulstart in Leverkusen

Die ersten Schüler sind nach der fast sechswöchigen Corona-Zwangspause in ihre Klassenzimmer zurückgekehrt – mit gemischten Gefühlen. Die Realschule am Stadtpark öffnet für ihre Abschlussklassen erst am Montag.

Ein komisches Gefühl beschlich Kilian Blank, als er am Donnerstag nach wochenlanger Zwangspause das Gebäude des Lise-Meitner-Gymnasiums betrat: „Es war sehr ungewohnt. Alle hatten Masken an, dazu der große Abstand...“ Mitschüler herzlich begrüßen oder direkt neben Freunden im Klassenzimmer sitzen – das ist vorerst Geschichte. Das Coronavirus diktiert den neuen Schulalltag, Distanz ist oberstes Gebot. „Der Unterricht klappt aber erstaunlich gut“, sagt der 18-Jährige, der im Mai Abitur machen will. Nur die Masken seien lästig: „Darunter wird es ordentlich warm und das Atmen fällt schwer.“ Auch das ist Teil der neuen Wirklichkeit.

Die Schulen hatten sich akribisch auf den Tag vorbereitet, an dem die langsame Rückkehr in die Normalität beginnt. Am Freiherr-vom-Stein-Gymnasium wurden die 130 Abiturienten räumlich großzügig getrennt für den Unterricht in kleinen Gruppen. „Wir hatten je nach Größe neun bis maximal elf Personen in einem Raum“, sagt Schulleiter Bernd Ruddat. In den vergangenen Tagen seien er und seine Kollegen mit einem Zollstock durch das Gebäude gelaufen, um durch Tische- und Stühlerücken das Abstandsgebot umzusetzen. Zusätzliche Seifenspender stehen bereit, das Schulgebäude wird öfter und intensiver gereinigt – vor allem die Bereiche, die häufig mit Händen berührt werden. Pausen finden zeitversetzt statt, damit nicht zu viele Schüler gleichzeitig auf dem Hof sind. „Immer auf Abstand“, betont Ruddat.

 Er sieht sich und seine Schüler auf die erste Phase der Normalisierung gut vorbereitet, sagt aber auch: „Wenn am 4. Mai die zurückkommen, die 2021 ihren Abschluss machen, ist das eine ziemliche Herausforderung.“ Was aus den unteren Jahrgängen wird, ist noch offen. In normalen Zeiten tummeln sich rund 1100 Schüler in dem Gymnasium, hinzu kommen die Lehrkräfte. Man dürfe nicht vergessen, dass Lehrer aus Risikogruppen nicht unterrichten könnten, sagt Ruddat. Er wünscht sich in Zukunft frühzeitigere Informationen durch das NRW-Bildungsministerium, wie der neue Schulalltag organisatorisch, personell und räumlich umgesetzt werden kann. Das eint ihn wohl mit allen Schulleitern. Seit dem Start der Corona-Pademie gingen 16 E-Mails mit Vorgaben und Bestimmungen aus dem Ministerium an die Schulen. „Fahren auf Sicht“ ist ein oft genutztes Sprachbild zur Situationsbeschreibung.

Am Lise-Meitner-Gymnasium sind die Maßnahmen ähnlich. Schulleiter Stefan Thielen sieht die Wiederaufnahme des Unterrichts für die 136 Abiturienten als unproblematisch an, sorgt sich aber ebenfalls um den nächsten Schritt am 4. Mai und die mittelfristige Perspektive. „Es ist klar, dass die räumlichen Kapazitäten irgendwann an Grenzen stoßen.“ Er zieht aber ein positives Fazit zu Tag eins nach der Zwangspause. Ein Großteil der Abiturienten sei zum Unterricht erschienen. „Mein Eindruck war, dass die Schüler den Ernst der Lage verstehen und verantwortungsvoll handeln“, sagt Thielen. Schuldezernent Marc Adomat schränkt ein: „Wir haben die Rückmeldung erhalten, dass es bei dem ein oder anderen Jugendlichen, die sich mit Handschlag oder Umarmungen begrüßt haben, noch nicht angekommen ist.“ Er hoffe, dass sich das nach den Hygienebelehrungen seitens der Schulen ändert. „Insgesamt sind wir aber ganz gut gestartet. Das nicht alles auf Anhieb perfekt klappt, es hier und da holpert, ist klar.“

Die Schüler bewerten die Lage unterschiedlich. Kilian Blank schätzt die direkte Betreuung durch Lehrer und die Möglichkeit, sofort Nachfragen stellen zu können, kam aber auch mit dem „Home-Schooling“ der vergangenen Wochen gut klar. Jonas Stirl vom Landrat-Lucas-Gymnasium ist deutlich kritischer. Er hat einen Brief an NRW-Schulministerin Yvonne Gebauer geschrieben, in dem er seine Sorgen artikuliert.

Der Leichlinger befürchtet Nachteile für die anstehenden Prüfungen. „Zuhause lernen und Unterricht in der Schule ist nicht das Gleiche“, sagt der 18-Jährige. Er plädiert für die freiwillige Teilnahme an den Abiprüfungen. „Zwei Drittel der Note stehen ohnehin schon fest, und nicht jeder hat zu Hause die gleichen Voraussetzungen zum Lernen.“ Hinzu komme die nicht nur durch den Prüfungsdruck hohe psychische Belastung: „Mein Vater gehört zur Risikogruppe – und ich möchte das Virus nicht aus der Schule mit nach Hause bringen.“ Er hofft auf eine Antwort aus dem Bildungsministerium: „Es ist wichtig, dass auch die Schüler gehört werden.“