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Leverkusen Serie Grüner Stadtrand

Serie Grüner Stadtrand : Gronenborn – die Quelle im Grünen

An der Grenze zu Burscheid und Odenthal liegt das kleine Idyll. Für 220 Einwohner der schönste Ortsteil Leverkusens.

Das wasserreiche Bergische Land ist durch seine Mühlen geprägt. Die Reuschenberger Mühle und der Freudenthaler Sensenhammer in Leverkusen sind nur einige dieser historisch prominenten Beispiele. Die Gronenborner Mühle an der Grenze zu Burscheid und Odenthal ist dagegen weniger bekannt.

Im Jahr 1757 wird der Ort selbst erstmals als „Gronenbohren“ erwähnt. Das bedeutet so viel wie „Quelle im Grünen“ oder „bebuschtes Gelände mit Wasser“. Born ist die germanische Bezeichnung für Brunnen oder Quelle. Das Grundwort deutet auf Aussehen und Beschaffenheit des Wassers oder der Umgebung hin. Die Mühle taucht 1791 zum ersten Mal in Geschichtsbüchern auf. Auf einer Karte von 1830 wird die Anlage als Gebäude mit zweigeschossigem Wohnhaus, Backstube, Scheune und weiteren Räumen für Wasserrad sowie Mühlengetriebe beschrieben.

Die vom Leimbach angetriebene Mühle ist seit dem Jahr 1945 stillgelegt. Ziemlich bald, nachdem die Mühle nicht mehr mahlte, verlandete der Teich. Er wurde – von der Behörde als Schuttdeponie freigegeben – in wenigen Jahren verfüllt. Die Wiederbelebung des alten Mühlenteiches ist erst der Initiative des Wiesdorfer Zootierhändlers Helmut Imhäuser zu verdanken. Er kaufte das Gelände und ließ es von Pionieren der britischen Rheinarmee auskoffern. Sie verwandelten das brachliegende Deponiegelände bei einer Übung im September 1984 in ein Feuchtbiotop. Schnell entwickelte sich eine Tier- und Pflanzenwelt von ungeahnter Vielfalt.

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Rund 2600 verschiedene Tier-, Pflanzen- und Pilzarten findet man heute in dem geschützten Idyll. Als besonders wertvoll gelten heimische Tag- und Nachtfalter, sowie seltene Wildbienen, Libellen, Amphibien oder Reptilien, wie zum Beispiel Ringelnattern. Inzwischen zählen die Teiche zu einem der schönsten und bekanntesten Naturschutzgebiete von Leverkusen. Für Gestaltung, Überwachung und die jährlichen Pflegemaßnahmen sorgt die Landesarbeitsgemeinschaft Naturschutz und Umwelt (LNU).

Die Gronenborner Mühle wiederum wurde vom örtlichen Künstler Jochen Wild - einem ehemaligen Studiendirektor und Kunsterzieher des Carl-Duisberg-Gymnasiums – umfassend restauriert. Er kaufte die frühere Wassermühle als Wohn- und Arbeitsplatz im Grünen und setzte das seit dem Jahr 1982 unter Denkmalschutz stehende Haus mit seinem alten Mahlwerk instand. Ehe der neue „Müller“ mit seiner Frau und mehreren kleinen Kindern einzog, hatte er im alten Mühlenhaus schon sieben Jahre gebastelt und gemalt, gezimmert und getöpfert. Die Kornspeicher hatte er da bereits zu sonnigen Ateliers umgebaut, um in Ruhe schaffen und sich kreativ austoben zu können. Heute dient die Mühle als Wohnhaus für insgesamt drei Familien. Die ehemalige Mehlkammer ist zum Wohnraum, die ehemalige Beutelkammer zur Küche umfunktioniert worden.

Neben Mühle und Teichen gibt es einige weitere Besonderheiten in Gronenborn. Das sind die sogenannten Zelt- oder Nur-Dach-Häuser. In der Straße Im Rottland bilden sie beispielsweise eine ungewohnte Alternative zu den sonst üblichen Fachwerkhäusern. In einem dieser Häuser wohnt Heimatdichter Hans Bruchhausen. „Der Hans und dat Ursula, die han in Gronenborn en Huus, da kütt nur et Daach eruus“, heißt es mitunter im Freundeskreis. Gestaltet wurden die Wohnhäuser von Ulrich Schmidt von Altenstadt, einem Architekten und Stadtplaner. 1968 verlegte er sein Büro zeitweise nach Leverkusen. Ein Jahr darauf entstand das von ihm als strukturalistisches Polygon entworfene, heute unter Denkmalschutz stehende Kulturzentrum Forum als erster Teil des neuen Stadtzentrums im Stadtteil Wiesdorf.

Viele Menschen haben Gronenborn als idealen Wohnsitz für sich entdeckt. „Es lebt sich wunderbar hier“, preist auch der Vorsitzende der Leverkusener Europa-Union Hans Georg Meyer (80) das Leben im ländlichen Osten. Er ist mit seiner Familie 1974 in den Vorort gezogen. Aus Spaß fungiert Claudia Duven dort als „Bürgermeisterin“, Hans Georg Meyer und Werner Grunwald sind ihre Stellvertreter. Außer ihnen leben rund 220 weitere Personen, darunter 20 Kinder und Jugendliche, in der Siedlung mit drei Straßen und 40 schmucken Ein- und Zweifamilienhäusern. Viele Bauherren übernahmen die Farben des so genannten „Bergischen Dreiklangs“: Schwarze Balken bilden den Rahmen für weiß gestrichene Wände, dazu kommen grüne Fensterläden.

Die Einwohner behaupten, dass der kleine, von Wanderwegen umgebene Grenzort,  der schönste Ortsteil in Leverkusen sei. Einmal im Jahr treffen sich alle Gronenborner an der alten Mühle. Dort zünden sie dann ein Martinsfeuer an und verteilen Süßigkeiten, die Kinder bei den Nachbarn gesammelt haben.

Einer gemeinsamen, viele Jahre zurückliegenden Initiative und dem 1976 begonnenen Dorfaufstand unter Leitung von Hans Tropper ist es überhaupt erst zu verdanken, dass Gronenborn nach jahrelangem Warten endlich an die Kanalisation angeschlossen wurde. Bis 1999 brachte es die Beschaffenheit der dortigen Lehmböden mit sich, dass häusliche Abwässer nur langsam in den Untergrund versickerten. Die Hauptstraße trug damals auch den unrühmlichen Beinamen „Fäkalienallee“. Aus Protest fuhren die Bauern mit schwarzen Fahnen, Treckern und Jauchefässern vor, als das Rathaus in Wiesdorf eingeweiht wurde, mit dessen Fertigstellung die City im April 1977 als vollendet galt.